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27.01.2010

10:10 Uhr

IFF

Schwellenländer ziehen viel Kapital an

VonMarietta Kurm-Engels, Andrea Cünnen

Das Institute of International Finance rechnet mit einem wirtschaftlichen Boom in den Emerging Markets. Sie sind zum Jahresstart so aktiv wie lange nicht mehr und führen die Erholung der Weltwirtschaft an.

Die Schwellenländer sind ein beliebtes Anlageziel für Investoren. Quelle: Pressebild

Die Schwellenländer sind ein beliebtes Anlageziel für Investoren.

HB FRANKFURT. Das Institute of International Finance (IIF) erwartet eine drastische Erhöhung der Kapitalströme in die Entwicklungsländer. In diesem Jahr sollen netto 722 Mrd. und im kommenden Jahr 798 Mrd. Dollar dorthin fließen, sagte Philip Suttle, Chefvolkswirt des IIF, in Zürich. 2009 dürften diese privaten Kapitalströme auf 435 Mrd. Dollar zurückgegangen sein, nach 667 Mrd. Dollar im Jahr 2008. Das Ergebnis für 2009 wäre noch schlechter ausgefallen, wenn nicht die Regierungen, der Internationale Währungsfonds (IWF) und der private Sektor mit Unterstützungszahlungen geholfen hätten, sagte William Rhodes, erster Vize-Chef des IIF-Präsidiums. Das IIF ist der Verband der weltweiten Finanzwirtschaft.

Nach der Prognose des IIF dürften 2010 allein 302 Mrd. Dollar privates Kapital in die asiatischen Schwellenländer fließen, 176 Mrd. Dollar nach Lateinamerika und 175 Mrd. Dollar in die osteuropäischen Länder. Auf Afrika und den Nahen Osten entfallen nur 68 Mrd. Dollar.

Die Schwellenländer saugen sich bereits jetzt mit Fremdkapital ausländischer Investoren voll. In diesem Jahr haben sie nach Daten des Informationsdienstes Bloomberg bereits Fremdwährungsanleihen über 14 Mrd. Dollar begeben.

Damit sind die Emerging Markets zum Jahresstart so aktiv wie lange nicht mehr. Zu den Emittenten gehören auch eher seltene Schuldner. Gestern begab etwa Vietnam eine zehnjährige Anleihe über eine Mrd. Dollar, die zweieinhalbfach überzeichnet war. Ein Ende der Suche nach frischem Geld ist nicht abzusehen. Derzeit werben Litauen, Ungarn, Polen, Bahrain und Russland um Investoren für neue Dollar-Anleihen.

Die Schwellenländer führten die Erholung der Weltwirtschaft an, sagte Rhodes. Nach Schätzungen des IIF wird sich das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 30 führenden Emerging Markets bis 2011 auf insgesamt 57 Prozent des BIP der USA, der Euro-Zone und Japans belaufen. 2006 hatte dieser Wert noch bei 40 Prozent gelegen. „Zum ersten Mal in meinen über 50 Jahren im Bankgeschäft sehen wir, dass Kapital nicht in die Schwellenländer drängt, weil diese sich als Investitionsstandorte eignen“, sagte Rhodes. „Inzwischen sind auch ihre Wachstumschancen deutlich besser als die der reifen Volkswirtschaften.“ Nach den IIF-Prognosen sollen die entwickelten Länder 2010 um 2,4 Prozent wachsen und 2011 nur noch um 2,0 Prozent. Die Vergleichswerte für die Emerging Markets liegen bei 6,1 Prozent in diesem und 5,9 Prozent im nächsten Jahr.

Rhodes sieht das Risiko, dass zunehmend kurzfristiges Kapital auf der Jagd nach Rendite in die Schwellenländer fließt. Das bedeute wachsenden Inflationsdruck.

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