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15.09.2014

12:02 Uhr

Im Schatten von Alibaba

IPO-Boom in China ohne Deutschland

Alle reden von Alibaba. Unabhängig vom Riesen-Börsengang des Onlinehändlers streben aber auch viele andere chinesische Firmen auf das Parkett. Nur nach Deutschland verirrt sich kaum ein chinesischer Neuling mehr.

Nach einem Moratorium 2013 gingen im ersten Halbjahr 2014 rund hundert Unternehmen aus China an die Börse. Etwa genauso viele sollen es in der zweiten Jahreshälfte sein. picture-alliance/ dpa

Nach einem Moratorium 2013 gingen im ersten Halbjahr 2014 rund hundert Unternehmen aus China an die Börse. Etwa genauso viele sollen es in der zweiten Jahreshälfte sein.

Frankfurt/PekingDer Börsengang von Chinas führendem Onlinehändler Alibaba stellt vieles in den Schatten. Als Mega-Neuemission in der Techbranche wird sich das Internetportal in New York künftig mit Größen wie Amazon und Ebay messen. Aber auch abseits der Netzriesen lebt der Markt für IPOs (Initial Public Offerings) im Reich der Mitte wieder auf.

Nach einem Moratorium 2013 gingen im ersten Halbjahr 2014 rund hundert Unternehmen aus China an die Börse. Etwa genauso viele sollen es in der zweiten Jahreshälfte sein. Die meisten von ihnen lassen sich an den Heimatbörsen oder im englischsprachigen Raum notieren - Deutschland bleibt weitgehend außen vor.

Ende 2012 sah die chinesische Börsenwelt noch alles andere als rosig aus. Eine Reihe von Marktneulingen war mit geschönten Bilanzen aufgefallen. Außerdem gab es den Verdacht, dass Kurse künstlich nach oben getrieben wurden. Die Regierung in Peking zog einen vorläufigen Schlussstrich und erlaubte vorerst keine Neuemissionen mehr.

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Mittlerweile hat sie die Zwangspause aufgehoben, überprüft aber jeden einzelnen Börsenkandidaten sehr genau. „Die chinesische Aufsichtsbehörde nimmt die Entwürfe für die Wertpapierprospekte stärker unter die Lupe als hierzulande die Bafin“, sagt der Anwalt Karsten Müller-Eising von der Kanzlei Jones Day. Er kennt sich mit IPOs und dem chinesischen Kapitalmarkt aus.

„China ist grundsätzlich offen für Börsengänge“, erklärt Müller-Eising. Die Regierung begrüße es, wenn sich die Firmen mit internationalen Bilanzierungsregeln sowie mit den Belangen ihrer Aktionäre auseinandersetzten. Die aufstrebende chinesische Mittelschicht lege zudem mangels Alternativen viel Geld in Aktien an. „Privatinvestoren sind ein wichtiger Spieler an den lokalen Börsen“, sagt die Wirtschaftsanwältin Zhaoxia Chen, ebenfalls bei Jones Day.

Zuletzt startete der weltgrößte Schweinefleisch-Produzent WH Group an der Börse in Hongkong. Im vierten Quartal will sich dort dem Vernehmen nach zudem die erste Investmentbank des Landes, die China International Capital Corp (CICC), aufs Parkett wagen. Im kommenden Jahr soll es Presseberichten zufolge für die Immobiliensparte der Wanda Group des Immobilien-Milliardärs Wang Jianlin so weit sein.

Neben den heimischen Börsen in Shenzhen und Shanghai sowie Hongkong gibt es auch IPOs in Singapur, an den Börsen in Südkorea und Taiwan, in London - oder eben wie im Fall von Alibaba in New York. Nach Deutschland verirrte sich zuletzt kaum ein chinesischer Neuling mehr.

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