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16.01.2008

12:41 Uhr

Immobilienkrise

Hypo Real Estate drohen Schadenersatzklagen

Die Immobilienbank Hypo Real Estate muss sich auf Schadenersatzklagen mehrerer Anwälte einstellen. Es sei nur schwer vorstellbar, dass der Vorstand des Münchner Unternehmens nichts von einem "solch signifikanten Wertberichtigungsbedarf" gewusst habe, hieß es. Auch Bankenexperte Wolfgang Gerke warf dem Unternehmen eine Schädigung seiner Anleger vor.

Anwälte prüfen Vorwürfe gegen Hypo Real Estate. Foto: dpa Quelle: dpa

Anwälte prüfen Vorwürfe gegen Hypo Real Estate. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Die Immobilienbank Hypo Real Estate sieht sich nach den hohen Abschreibungen auf ein US-Wertpapierportfolio womöglich mit Schadenersatzansprüchen konfrontiert. Die Rechtsanwaltskanzleien Nieding + Barth sowie Jens Graf teilten am Mittwoch mit, mögliche Forderungen von Aktionären zu prüfen.

Es sei nur schwer vorstellbar, dass der Vorstand des Münchner Unternehmens seit Beginn der Finanzkrise von einem "solch signifikanten Wertberichtigungsbedarf" nichts gewusst habe, hieß es in einer Mitteilung von Nieding + Barth.

Auch der Bankenexperte Wolfgang Gerke hat dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate nach dem Kurssturz wegen der Bekanntgabe millionenschwerer Belastungen aus der Finanzkrise eine Schädigung der Anleger vorgeworfen. "Ich halte die Art der Kommunikationspolitik, die hier betrieben wurde, für inakzeptabel", sagte Gerke. Gerade zum Beginn der Bilanzsaison handele es sich um ein "sehr fatales Signal". Die Vertrauenskrise in der Finanzwelt verschärfe sich dadurch weiter. "Die Banken trauen sich nicht mehr gegenseitig in letzter Zeit, hier sieht man, warum."

Die Hypo Real Estate hatte am Dienstag eingeräumt, 390 Mill. Euro abschreiben zu müssen, was auch das Ergebnis für 2007 verhagelte. Zuvor hatte die Bank stets betont, von der Krise am US-Hypothekenmarkt und den Turbulenzen an den Börsen nicht betroffen zu sein. Die Aktie stürzte daraufhin um 35 Prozent ab und erholte sich am Mittwoch nur leicht.

Angesichts dieses Kurssturzes will die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) prüfen, ob das Unternehmen gegen die Informationspflicht verstoßen hat. "Es gibt aber keinen Grund für Schnellschüsse, weil man für Klagen im Prinzip bis zu drei Jahre Zeit hat", sagte ein Sprecher.

Nieding + Barth wollen nun prüfen, ob wegen "fehlerhafter Kapitalmarktinformationen" Schadenersatzansprüche gegen das Unternehmen, den Vorstand und Aufsichtsrat bestehen. Zehn Privatleute mit unterschiedlich großen Aktienbeständen hätten die Kanzlei mandatiert. Die Kanzlei sei zudem in Gesprächen mit institutionellen Anlegern aus dem In- und Ausland. Auf der nächsten Hauptversammlung der Hypo Real Estate wollen Nieding + Barth einen Sonderprüfer durchsetzen. Die Kanzlei Graf sprach davon, dass Mitteilungen des Unternehmens "unrichtig gewesen sein könnten". Noch im November hatte die Hypo Real Estate für das dritte Quartal lediglich vier Mill. Euro abgeschrieben und mitgeteilt, auch künftig keine Risiken zu sehen.

Die Hypo Real Estate äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Vorstandschef Georg Funke hatte am Dienstag die Abschreibung verteidigt. Die Bank habe sich in der Immobilienkrise "super geschlagen" und stehe im Vergleich mit Konkurrenten gut da. Der Vorstand habe keine Fehler gemacht. Die Probleme seien nicht absehbar gewesen und gingen nur auf die miserable Marktsituation zurück, hatte er ausgeführt.

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