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02.02.2007

09:50 Uhr

Index mittelgroßer Werte gilt als „Phänomen“ – und hat weiteres Potenzial

MDax peilt 10 000 Punkte an

VonChristian Schnell

Aktienstrategen der großen Banken rechnen damit, dass der MDax die magische Grenze von 10 000 Punkten schon in den nächsten Tagen knackt. Gestern stieg der Index der 50 mittelgroßen Werte unterhalb des Deutschen Aktienindexes (Dax) auf ein Allzeithoch von 9 903 Punkten und lag damit nur noch knapp von der 10 000er-Marke entfernt.

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MDax- (blau) und Dax-Chart im 3-Jahresvergleich.

FRANKFURT. Seit sieben Jahren entwickelt sich der MDax zum Teil deutlich besser als der große Index-Bruder; in angelsächsischen Geldhäusern wird deshalb inzwischen vom "phenomenon MDax" gesprochen. Zu den weiteren Aussichten gehen die Meinungen allerdings auseinander. Die meisten Experten prophezeien dem MDax noch immer ein ähnliches Potenzial wie dem Dax, dem sie ein Plus von sechs bis zwölf Prozent bis zum Jahresende zutrauen. "Der Dax und der MDax sind derzeit lediglich so hoch bewertet wie im Frühjahr 2006", sagt Carsten Klude von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Was vor einem Jahr im Anschluss folgte, ging als eines der erfolgreichsten Börsenjahre seit dem zweiten Weltkrieg in die Geschichte ein. So schaffte der MDax 2006 ein Kursplus von 29 Prozent, während der Leitindex Dax 22 Prozent zulegte.

Die Frage nach dem weiteren Verlauf hängt in erster Linie davon ab, ob man mittelgroße Werte inzwischen generell für zu teuer hält. Immerhin beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im MDax nicht mehr ganz billige 16, während es im Dax noch immer bei moderaten 12 verharrt. "Was einst den Charme des MDax ausmachte, ist nun das Risiko", sagt Aktienstratege Roland Ziegler von der BHF-Bank. Das Potenzial der mittelgroßen Werte betrachtet er deshalb als ausgereizt. Einziger Kurstreiber sei derzeit noch die hohe Liquidität der Profi-Investoren, die nach geeigneten Anlagemöglichkeiten suchen. Außerdem dürften die vielen großen Börsenneulinge auch in diesem Jahr für Bewegung im MDax sorgen.

Andere Experten noch deutlich mehr positive Faktoren für die Entwicklung des MDax. "Da wir in unserer Gewinnschätzung bereits den positiven Effekt der Unternehmensteuerreform vollständig eingearbeitet haben, liegt unsere Ertragsschätzung für den MDax bei plus 16 Prozent", sagt Ulrich Kellermann von der Hypo-Vereinsbank (HVB). Seine Kollegen halten hier im Schnitt ein Plus von elf Prozent für möglich.

Überhaupt gilt die ab dem Jahr 2008 geplante Steuerreform als einer der maßgeblichen Treiber weiter steigender Kurse bei den mittelgroßen Werten. Die Experten der WestLB rechnen damit, dass die Steuerentlastung ein Nettogewinnwachstum von im Schnitt sechs Prozent bedeuten dürfte. "Theoretisch ist in Einzelfällen sogar ein Zuwachs von bis zu 30 Prozent möglich", sagt Michael Tappeiner von der WestLB. Die mögliche Mehrbelastung durch Gegenfinanzierungsmaßnahmen dürfte seiner Ansicht nach nur für wenige Unternehmen ein Thema sein.

Für Phantasie sorgt zudem, dass die bereits seit Jahren andauernde Übernahmewelle weiter anhalten wird. Weil MDax-Werte hier eher als Übernahmekandidaten gelten und bei entsprechenden Gerüchten die Kurse sofort anziehen, schlummert hier reichlich Potenzial. Erst gestern kursierten Gerüchte, wonach das US-Unternehmen VF Corp. Interesse an der Übernahme von Puma haben soll. Die Aktie des fränkischen Sportartikel-Herstellers legte daraufhin kräftig zu; weil Puma ein Schwergewicht im MDax ist, zog das Gerücht gleich den ganzen Index nach oben.

Zudem ist der weit fortgeschrittene Aktienmarktzyklus für viele Anleger inzwischen ein Grund, mehr in mittelgroße denn in die großen Werte aus dem Dax zu investieren. Das aktuelle Umfeld sei ideal für Stockpicking, also die gezielte Suche nach Einzelwerten, sagt Carsten Klude. Da bieten deutsche Nebenwerte ein ideales Betätigungsfeld. "Viele von ihnen agieren in Nischenmärkten mit sehr starken Marktpositionen und sind damit tendenziell weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen", sagt Michael Tappeiner. Insofern stelle sich nicht die Frage, ob, sondern wann der MDax die 10 000er-Hürde nimmt.

Frisches Blut durch Neuemissionen

Börsenneulinge: Der starke Aufwärtstrend im MDax hängt eng mit den vielen großen Börsengängen zusammen, die es seit dem Jahr 2004 in Deutschland gab.

Wechselspiel: In den letzten drei Jahren sind mit Gagfah, Klöckner & Co, Lanxess, MTU Aero Engines, Patrizia Immobilien, Praktiker, Premiere, Wacker Chemie und Wincor immerhin neun Unternehmen kurz nach ihrem Börsendebüt in den Mittelwerte-Index aufgenommen worden.

Durchstarter: Die Postbank, die ebenfalls in den MDax kam, rückte im letzten Jahr sogar in den Dax auf.

Zukunft: Experten zufolge soll es 2007 fünf bis zehn Börsengänge in Milliardenhöhe geben.

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