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25.12.2013

13:32 Uhr

Industrieländer-Anleihen

Rendite verzweifelt gesucht

VonSara Zinnecker

Die Zeit der großen Gewinne bei klassischen Anleihen ist vorbei. Die lockere Geldpolitik der Notenbanken hat eine Welt der Niedrigzinsen geschaffen. Wo Anlageexperten trotz allem 2014 noch Möglichkeiten sehen.

Eine Passantin geht an einer Deutschlandflagge vorbei. Deutsche Bundesanleihen bieten wegen dem hohen Rating kaum Rendite. dpa

Eine Passantin geht an einer Deutschlandflagge vorbei. Deutsche Bundesanleihen bieten wegen dem hohen Rating kaum Rendite.

DüsseldorfHätte der sicherheitsorientierte Anleger zu Weihnachten einen Wunsch frei, er würde sich von der Europäischen Zentralbank und amerikanischen Federal Reserve eine Abkehr von ihrer lockeren Geldpolitik wünschen. Nur, wenn das generelle Zinsniveau deutlich ansteigt, würden sich die Renditen einer US- oder einer deutschen Staatsanleihe endlich erholen. Der Wunsch aber – er wird sich 2014 bestenfalls in Ansätzen erfüllen. Experten gehen davon aus, dass es die klassische Anleihe auch im neuen Jahr schwer haben wird.

So geht Anleihespezialist Andy Weir vom Fondshaus Fidelity nicht davon aus, dass festverzinsliche Anlageklassen im nächsten Jahr viel Rendite gutmachen können. Die atemberaubende Entwicklung der letzten Jahre zu wiederholen, sei unwahrscheinlich.

EU: Keine restriktive Zinspolitik in Sicht

EU: Keine restriktive Zinspolitik in Sicht

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihre Niedrigzinspolitik vorerst fortsetzen. „2014 steht noch keine restriktive Geldpolitik auf der Agenda, sondern eher eine Konsolidierung der Bankenlandschaft“, sagt Wöhrmann.

Bankenunion wird Volatilitätstreiber

In den USA gelte sie nach mehr als 450 abgewickelten Finanzinstituten bereits als abgeschlossen. Das Schlagwort Bankenunion könne einer von vielen möglichen Volatilitätstreibern in Europa werden.

USA: Weniger Anleihekäufe

Die Fed sollte hingegen im ersten Quartal damit beginnen, die Geldpolitik wieder etwas anzuziehen. Über das so genannte Tapering werden die Notenbanker ihre Anleihekäufe zurückfahren.

Niedrigzinsgewinner: Emerging Markets

Nach einer eher volatilen Phase dürften sich dann im zweiten Halbjahr die Märkte beruhigen, wovon auch die Emerging Markets profitieren dürften. Eine Zinserhöhung in den USA dürfte erst wieder 2015 Thema werden.

Bonds: Anhaltende Renditeflaute

Die Situation an den Rentenmärkten ist nicht gerade einfach. Papiere aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Japan, dürften weiterhin nur sehr niedrige Renditen bringen, teilweise dürfte der Ertrag zwar nominal positiv, real aber negativ sein.

Nullzinsen für weitere zwei Jahre

Das Nullzinsumfeld am Geldmarkt werde noch etwa zwei Jahre anhalten. „2014 ist aktives Bonds-Management für erfolgreiches Investment auf den Anleihenmärkten wichtig“, sagte Stefan Kreuzkamp, Head Europe, Middle East and Africa Fixed Income.

Lukrativ: Anleihen aus der Peripherie

Differenzierte Investments seien 2014 von großer Bedeutung, etwa bei Unternehmensanleihen, die aufgrund ihrer Zinsaufschläge in dem Niedrigzinsumfeld gut gepuffert sind. Anleihen aus Peripherieländern böten einen Zinsaufschlag gegenüber Anleihen aus den Kernländern.

Strategie: Carry and Tightening

Carry und Tightening – also das Verdienen an einer Normalisierung der Zinsaufschläge – bleibe im Euro-Raum eine attraktive Strategie. In den Emerging Markets sei eine sehr differenzierte Analyse nötig, vor allem hinsichtlich der Länderauswahl.

Damals, nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, haben die Anleger verdient, die in amerikanischen und europäischen Staatsanleihen investiert waren: Die Notenbanken hatten in kurzer Zeit die Leitzinsen abgesenkt, im Gegenzug legten die Bondkurse oft zweistellig zu.

Doch sind die Zeiten der großen Gewinnmitnahmen mittlerweile vorbei. „Die Renditen sind auf breiter Front eingeknickt“, sagt Weir. Selbst, wenn die US-Notenbank damit beginnen sollte, ihre Anleiheankäufe zurückzufahren, sei man von einer Anhebung der Zinsen – und daraus resultierenden attraktiveren Renditen auf Staatsanleihen – weit entfernt.

Ein auskömmliches Renditeniveau für sichere Staatsanleihen sieht auch Frank Engels, Leiter Rentenfondsmanagement bei Union Investment, in naher Zukunft nicht kommen. Die Aussicht auf eine Rückführung des US-Anleiheankaufprogramms und verbesserte Konjunkturdaten hätten die Renditen für deutsche oder amerikanische Bonds zwar aus „tiefen Tälern“ befreit. Doch sei man nicht an den Punkt deutlich positiver Realrenditen gekommen.

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