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19.07.2016

18:45 Uhr

Infinus-Skandal

Durchsuchte Villen wechseln den Besitzer

VonGertrud Hussla

In einem der größten Anlegerskandale der Bundesrepublik gibt es einen kleinen Lichtblick für die betroffenen Sparer. Der Insolvenzverwalter der Dresdner Fubus-Gruppe hat die Villen des Pleitekonzerns verkauft.

Der Sitz der Dresdner Finanzfirmengruppe Infinus konnte nun verkauft werden. dpa

Infinus-Villa

Der Sitz der Dresdner Finanzfirmengruppe Infinus konnte nun verkauft werden.

Die Bilder waren damals ein Schock für viele tausend Anleger. In einer Polizei-Razzia wurde Ende 2013 die prächtige Zentrale der Fubus-Gruppe in Dresden durchsucht. Der Konzern mit seinen Dutzenden Tochtergesellschaften ging kurz darauf in die Insolvenz.

Die Jahrhundertwende-Villa und zwei weitere Immobilien der insolventen Gruppe hat nun Verwalter Bruno Kübler im Paket an ein Schweizer Family-Office verkauft. Bereits zuvor hatte Kübler die Eigentumswohnung der Fubus an verschiedene Käufer für insgesamt 950.000 Euro veräußert, hieß es in einer Pressemitteilung des Verwalters.

Infinus - Chronologie

Juni 2012

Bundesbank und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geben der Dresdner Staatsanwaltschaft einen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten. Die Ermittlungen beginnen.

5. November 2013

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Dresden kommt es bundesweit zu Durchsuchungen wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs, des Betruges und der Bilanzfälschung. Sechs Manager werden festgenommen, darunter der damals 52-jährige Konzerngründer. Vermögenswerte werden sichergestellt.

13. November 2013

Eine Sprecherin des Amtsgerichts Dresden bestätigt, dass vier Unternehmen aus dem Infinus-Firmengeflecht Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt haben, darunter auch der Fubus-Mutterkonzern.

1. April 2014

Das Insolvenzverfahren gegen die Fubus wird eröffnet. Zunächst geht der Insolvenzverwalter von Gläubigerforderungen in Höhe von einer Milliarde Euro aus.

15. Dezember 2014

Ein Schadenersatzprozess beginnt vor dem Landgericht Leipzig. Ein Anleger, der Schuldverschreibungen für 75.000 Euro gezeichnet hatte, verlangt Schadenersatz.

16. November 2015

Vor dem Dresdner Landgericht beginnt der Strafprozess gegen den Firmengründer und weitere Manager. Laut Anklage haben sie ein sogenanntes Schneeballsystem betrieben und etwa 22.000 Anleger um rund 312 Millionen Euro betrogen.

Der Kaufpreis der Villen und eines Mehrfamilienhauses habe 11,3 Millionen betragen, teilte Kübler mit. Sein Ziel sei es gewesen, die Anwesen ohne Zeitdruck zu verkaufen. Neben den Fubus-Immobilien hat er auch die Häuser des Firmengründers Jörg Biehl veräußert. Damit gingen noch einmal 1,8 Millionen auf das Konto der Gläubiger. Damit seien jetzt sämtliche Immobilien verwertet. Die Erlöse tragen allerdings nur minimal zur Quote bei: Insgesamt belaufen sich die Forderungen der Gläubiger auf über eine Milliarde Euro.

Beschlagnahmte Vermögenswerte des Infinus-Chefs

Luxuskarossen

Im Ermittlungsverfahren wegen Betrugs wurden Vermögensgegenstände des Beschuldigten Jörg Biel, persönlich haftender Gesellschafter der Future Business KGaA gesichert. In der Liste Liste aus dem Bundesanzeiger fanden sich unter anderem einige Autos, etwa einen Bentley Continental GT (Wert: 129.500€), Porsche Cayenne Turbo (Wert: 63.650€) und drei Volvos.

Gold

Biel saß zwischenzeitlich in der Justizvollzugsanstalt Dresden in Untersuchungshaft. Im Sicherungsvermögen befinden sich auch 24 Goldbarren im damilgen Wert von 691 000€

Bargeld

Ausserdem wurde Bargeld in Höhe von 14 380€ sichergestellt.

Aktien

Und tausende Aktien in unterschiedlichen Stückelungen.

Armbanduhren

Die Liste zeigt auch 18 Luxusuhren, unter anderem von Lange & Söhne (Platin), Rolex Oyster Yacht Master und Daytona, Jaeger-Le-Coultre MasterControl. Auch Houte Couture-Ware von Gucci oder Cartier war dabei.

Motorboote

Die Staatsanwälte sicherten auch zwei Motorboote. Eine Frauscher Benaco 909 „Maurice" (Wert: 250 000€) und eine Atlantis 47 HT „Princess II" (Wert: unbekannt).

Immerhin konnte Kübler nach eigenen Angaben bislang 150 Millionen zur Fubus-Masse ziehen. Darin ist als größerer Posten der Rückkauf von Lebensversicherungen enthalten. Fubus hatte über die Vertriebstöchter Infinus den Anlegern ihre Lebensversicherungen abgekauft und kostengünstiger weitergeführt. Das Geld, das die Anleger dafür erhalten hatten, haben diese dann häufig gleich wieder in Produkte der Fubus-Gruppe gesteckt, etwa in Orderschuldverschreibungen oder Goldsparpläne. Kübler hat auch Bankbestände vorgefunden und Gold. Auch hat er ein Fonds-Depot aufgelöst.

Kübler rechnet nach wie vor mit einer Quote von 20 Prozent. Das ist im Vergleich zu anderen Insolvenzen nicht wenig. Ein großer Hoffungsposten sei nach wie vor eine Korrektur der Fubus-Bilanzen, erläuterte er dem Handelsblatt. Dann kann er auch vom Finanzamt Geld zurückverlangen. Sollte amtlich feststehen, dass Fubus Gewinne ausgewiesen hat, obwohl die Gruppe schon tief in der Verlustzone war, könnte Kübler Körperschaftssteuer zurückverlangen. Doch bis das geklärt ist, könnten fünf Jahre vergehen, so Kübler. Eine erste Ausschüttung an die Gläubiger stellt er nun für 2017 in Aussicht.

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