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01.12.2016

19:55 Uhr

Ingame-Items-Markt

Daddeln für die Börse

Gamer können bald an der Börse einkaufen: Die Deutsche Börse gründet eine Handelsplattform für virtuelle Gegenstände. Kein Kinderspiel: Mit Raumschiffen, Schwertern oder Hüten werden in Computerspielen Milliarden umgesetzt.

Boomender Markt: Auch bei den „Sims“ handeln Spieler mit virtuellen Gegenständen. Die will die Börse nun an einem regulierten Markt handelbar machen. Reuters

Spieler bei den „Sims“

Boomender Markt: Auch bei den „Sims“ handeln Spieler mit virtuellen Gegenständen. Die will die Börse nun an einem regulierten Markt handelbar machen.

BerlinZugegeben: Für NASA-Verhältnisse wäre der „Revenant“ ein Schnäppchen. Nur umgerechnet rund 11.000 US-Dollar kostete das seltene Raumschiff aus dem Computerspiel „Eve Online“. Doch den „Rückkehrer“ gibt es nur in virtueller Form: Der Raumkreuzer ist eines der teuersten so genannten Ingame-Items aller Zeiten. Das sind virtuelle Gegenstände, mit denen Computerspieler – von weiten Teilen der Öffentlichkeit unbemerkt – untereinander handeln. Kein Kinderspiel: Ob Raumschiff, Hut oder Langschwert – mit virtuellen Gegenständen wird im Netz seit Jahren sehr viel Geld gemacht. Nun steigt die Deutsche Börse in den wachsenden Markt für Computerspiele ein. Die Frankfurter gründen zusammen mit der Hamburger Finanztechnologiefirma Naga die Plattform Switex, auf der Computerspiel-Gegenstände gehandelt werden können.

Die virtuelle Ökonomie boomt, ist aber bislang kaum erforscht. Bei vielen Onlinespielen können Nutzer Erweiterungen kaufen, um besser zu werden oder sich von Konkurrenten abzuheben. Ein Maschinengewehr beim Ego-Shooter Counter-Strike gibt es schon für ein paar Dollar. Seltene Gegenstände bringen deutlich mehr. Für einen Streitkolben beim Online-Rollenspiel Diablo 3 boten Spieler bis zu 14.000 US-Dollar. Noch teurer – und das ist kein Scherz – ist der pinke Kriegshund aus dem Multiplayer-Spiel Dota 2, für den ein Nutzer 38.000 Dollar zahlte. Die Börse schätzt, dass der Markt für Spielegegenstände ein jährliches Volumen von 46 Milliarden US-Dollar erreicht hat und jährlich um mehr als 10 Prozent wächst. „Das ist ein riesiger Markt, von dem wir uns ein möglichst großes Stück abschneiden wollen“, sagte ein Naga-Sprecher.

Denn wie in der realen Ökonomie ist auch in der Internet-Ökonomie ein florierender Schwarzmarkt entstanden. Diebstahl und Betrug sind an der Tagesordnung. Eine weltweite, regulierte Plattform für den Handel mit virtuellen Gegenständen gebe es bisher nicht, erklärt Naga-Chef Yasin Qureshi, der Switex leiten soll. „Wir bieten Computerspielern die Möglichkeit, virtuelle Wertgegenstände, die sie durch ihre Fähigkeiten und Bemühungen erworben haben, zu Geld zu machen.“

Die neue Plattform soll laut Naga im zweiten Quartal 2017 an den Start gehen. Ziel sei es, mit der Unterstützung der Deutschen Börse einen neuen Standard für den Handel mit virtuellen Gegenständen zu entwickeln. Einige Mitarbeiter von Deutschlands größtem Börsenbetreiber, die privat leidenschaftliche Computerspieler sind, beschäftigen sich schon länger mit dem Thema. Der hessische Dax-Konzern, der gerade mit der London Stock Exchange (LSE) fusionieren will, wird eine Minderheitsbeteiligung an Switex halten.

Welche Arten von Online-Spielen gibt es?

Die wichtigsten Begriffe im Überblick

Die Computerspiele-Branche setzt immer mehr aufs Internet. Doch abgesehen davon, dass die Spieler online sind, gibt es erhebliche Unterschiede – wir erklären die wichtigsten Begriffe.

Browser-Spiele

Der Name sagt es: Browser-Spiele lassen sich direkt im Browser aufrufen, zum Beispiel im Firefox oder im Internet Explorer. Für die Anzeige von Multimedia-Elementen ist oft eine Software-Erweiterung (Plug-In) notwendig, beispielsweise Flash. Der neue Standard HTML5 macht derartige Spiele auch ohne Plug-In möglich. Auf dieser Plattform werden unterschiedliche Zielgruppen bedient: Es gibt Gelegenheitsspiele (Casual Games), aber auch komplexere Titel, beispielsweise aufwendige Rollenspiele, bei denen sich viele Nutzer gleichzeitig in der virtuellen Welt tummeln.

Social Games

Als Social Games werden Spiele bezeichnet, die überwiegend über Soziale Netzwerke gespielt werden. Die Idee: Wer sowieso schon mit seinen Freunden vernetzt und häufig online ist, will ab und zu vielleicht auch mit diesen oder gegen diese spielen. Dabei werden Pflanzen gepflegt, Tiere gehegt, Mafia-Kriege ausgefochten oder Städte geplant – die Vielfalt kennt keine Grenzen. Die Hemmschwelle ist zudem niedrig, da fast alle Spiele direkt im Browser funktionieren und kostenlos sind. Geld verdienen Hersteller wie der klare Marktführer Zynga vor allem mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten, den virtueller Gütern. Das kann ein neuer Traktor sein, ein Raumschiffantrieb, eine neue Frisur… Viele der Social Games richten sich an Gelegenheitsspieler, da sie wenig komplex sind.

MMOs

MMO (auch MMOG) steht für Massively Multiplayer Online Game. Die erfolgreichste MMO-Unterkategorie sind die MMORPGs – Multiplayer-Rollenspiele wie „World of Warcraft“. Bei typischen MMOs treffen sich sehr viele Spieler über das Internet in einer virtuellen Welt. Diese wird von den Nutzern ständig verändert, die oft enge Beziehungen untereinander unterhalten und sich typischerweise in Gruppen, oft „Clans“ oder „Gilden“ genannt, zusammenschließen.

Einige MMOs laufen im Browser, andere bedürfen der Installation eines Programms auf dem Computer – dafür steigt dann auch die Spielqualität. Weltmarktführer bei MMOs ist seit vielen Jahren „World of Warcraft“, das von der US-Firma Activision Blizzard vertrieben wird.

Casual Games

Hinter diesem Modebegriff verbergen sich simple Spiele für Millionen: leicht zu spielen, mit schnellen Erfolgserlebnissen und kooperativen Elementen. Oft sind es Denk- und Ratespiele, aufgehängt an bekannten Marken wie etwa „Wer wird Millionär“.

Die allermeisten Casual Games erfordern keine besondere Hardware, laufen also auch auf alten Rechnern oder Handys und sind kostenfrei spielbar. Typischerweise bezahlt ein gewisser Anteil der Gelegenheitsspieler für den Download einer Premium-Version oder einen Premium-Zugang, so dass sich die Spiele insgesamt rechnen.

Als eines der ersten Casual Game gilt „Solitaire“, das schon in den 90ern millionenfach gespielt wurde. Im Online-Zeitalter sind Casual Games aber erst richtig populär geworden. Einen weiteren Schub erhielten sie durch das soziale Netzwerk Facebook.

Spiele-Apps

Hier lädt sich der Nutzer ein Programm (umgangssprachlich App genannt) auf sein Smartphone oder auf den Tablet-PC, um spielen zu können. Der stärkere Wettbewerb bei den Smartphone-Betriebssystemen kurbelt auch die App-Branche an.

Die mobilen Spiele werden zunehmend kostenlos zum Download angeboten. Oft sind das aber nur Appetithappen. Wer alle Level spielen will, muss die Vollversion kaufen. Besonders beliebt: „Angry Birds“ von der finnischen Firma Rovio. Die zornigen Vögel sind bereits auf mehr als einer Milliarde mobilen Geräten gelandet.

Die Deutsche Börse hat schon einmal versucht, ihre Angebotspalette in die virtuelle Welt auszuweiten. Anfang 2014 startete sie die „Cloud Exchange“. Dort konnten Nutzer mit Rechenkapazität und Speicherplatz handeln. Das Angebot fand aber wenig Zuspruch und wurde Anfang dieses Jahres eingestellt. Wenig Glück hatte übrigens auch der Käufer des „Revenant“. Eine übermächtige Allianz von Spielern nahm das virtuelle Raumschiff ins Visier und verwandelte es in Sternenstaub.

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