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20.03.2006

18:15 Uhr

Insider-Handel

Britische FSA schlägt Alarm

VonFelix Schönauer

Die mächtigste Finanzaufsicht Europas erweist sich als Papiertiger. Die britische Financial Services Authority (FSA) alarmierte am Freitag den Markt mit einer Untersuchung, wonach sie bei fast einem Drittel aller Fusions-Aktivitäten mit britischer Beteiligung Zeichen von Insider-Handel entdecken konnte.

LONDON. Allerdings fehlt ihr für eine genaue Prüfung aller Vorgänge die Zeit. In der überwiegenden Mehrzahl könne der Regulierer den Indikatoren nicht nachgehen, „weil wir unsere Ressourcen nicht optimal nutzen würden“, sagte ein Sprecher der FSA.

In einer Studie hatte die FSA alle Übernahmen der Jahre 2000 bis 2004 untersucht. In 29 Prozent davon entdeckte der Regulierer „unübliche Kursentwicklungen“, ehe die Transaktionen öffentlich wurden. „Die Zahlen deuten darauf hin, dass dort aufgrund von Informationen gehandelt wurde“, heißt es von Seiten der FSA. Dem Report zufolge weist das auf „eine Abnahme der Sauberkeit im Marktgeschehen hin“. Handelnde können Hedge-Fonds sein, Investmentbanken oder dritte Parteien sein, die auf einen Hinweis der handelnden Personen hin Wertpapiere kaufen oder verkaufen.

Für das Image der FSA bedeutet die neue Studie einen weiteren Dämpfer. Schon in den vergangenen Jahren erlitt die Aufsicht einige peinliche Niederlagen, die sich auch auf fehlende Kompetenz der Behörde zurückführen lassen. Im brisantesten Fall zog sie vor einem Tribunal gegen den Kürzeren gegen den Versicherer Legal & General. Diesem hatte die FSA wegen missbräuchlicher Verkäufe von Sparprodukten eine Millionenstrafe auferlegt. Wie sich später herausstellte fällte die Aufsicht ihr Urteil aber nur anhand einiger Stichproben.

In einem der wenigen Fälle, in denen die FSA wegen Insider-Handels aktiv wurde, erlitt sie ebenfalls eine Niederlage. Sie klagte einen prominenten Aktienhändler an, weil er nach einem Telefongespräch mit dem Vorstandschef einer irischen Minenfirma unmittelbar vor Bekanntgabe eines positiven Ergebnisses Aktien der Firma gekauft haben soll. Vor dem Tribunal scheiterte die FSA, weil sie nicht nachweisen konnte, dass das Telefonat stattgefunden hatte. In anderen Fällen – etwa bei der versuchten Übernahme des Einzelhandelskonzerns Marks & Spencer durch Philip Green – gab es verdächtige Kursentwicklungen, die FSA fand aber keinen Anhalt für Insider-Geschäfte.

Die FSA, die von John Tiner geführt wird, gelobt jedoch Besserung. Am Wochenende betonte die Aufsicht dass sie derzeit an einem neuen Überwachungssystem arbeitet, das Alarm auslösen kann, sobald eine verdächtige Transaktion stattfinde.

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