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01.04.2014

03:30 Uhr

Insiderhandel

FBI nimmt Hochfrequenzhändler ins Visier

VonMichaël Jarjour

Das FBI verdächtigt eine Reihe von Firmen, sich mit nicht-öffentlichen Daten Vorteile an der Börse zu verschaffen. Im Visier sind sogenannte Hochfrequenzhändler. Nun suchen die Ermittler Zeugen.

Hochfrequenzhändler geraten stärker ins Visier der Ermittler. dpa

Hochfrequenzhändler geraten stärker ins Visier der Ermittler.

New YorkDie US-Bundespolizei ermittelt gegen eine Reihe von Hochfrequenz-Händlern mit dem Verdacht, dass sie gegen Insiderhandelsgesetze verstoßen. Im Fokus der Ermittlungen stehen dem FBI zufolge einige Firmen, die computergestützten Hochfrequenz-Handel betreiben, berichten das „Wall Street Journal“ (WSJ) und die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die Ermittler heben den Verdacht, dass im schwer überwachbaren Hochfrequenz-Handel mit Informationen gearbeitet werde, die anderen Investoren nicht zur Verfügung stünden. Die Regierung befürchtet, dass die Praktiken illegal sind, sagte ein FBI-Sprecher dem WSJ. „Die große Sorge ist, dass Hochfrequenzhändler nicht-öffentliche Informationen früher als andere bekommen“, sagte der Sprecher.

Die Ermittlungen laufen den Berichten zufolge seit einem Jahr, doch das FBI ging erst jetzt an die Öffentlichkeit. Namentlich ungenannte Ermittler sagten dem „Wall Street Journal“, dass man auf der Suche nach Hinweisen von Händlern sei, die in illegale Praktiken verwickelt gewesen seien. Sie würden „auf verschiedene Weise davon profitieren, wenn sie uns früh anrufen“, sagte der Ermittler dem Blatt. Dem FBI zufolge arbeitet die Behörde mit der US-Börsenaufsicht SEC und anderen Regulatoren zusammen.

Regulierung der Finanzmärkte

Mehr Eigenkapital

Das internationale Finanzsystem wird krisenfester. So wurden bereits höhere Eigenkapitalanforderungen für Banken durchgesetzt. Die Quote des haftenden harten Kernkapitals, das Banken für ihre Geschäfte vorhalten müssen, muss sich bis 2015 verdoppeln und bis 2019 mehr als verdreifachen. Besonders hohe Eigenkapitalanforderungen gelten für die 29 global systemrelevanten Banken.

Vergütung

Wer Chancen auf Gewinne hat, soll im Verlustfall auch die Risiken seines Handelns tragen. Zu diesem Zweck haben die Regulierer auch Hand an die Vergütungssysteme der Banken gelegt. So soll die variable Vergütung, die im Erfolgsfall gezahlt wird, in einem festen Verhältnis zur fixen Vergütung stehen. In bestimmten Fällen kann die Finanzaufsicht auch Boni verbieten.

Abwicklung

Deutschland hat mit dem Bankenrestrukturierungsgesetz dafür gesorgt, dass Kreditinstitute geordnet abgewickelt werden können. Mit einer Bankenabgabe beteiligen sich die Institute zudem an der Finanzierung eines Fonds, der die Abwicklung durchführen soll. Das Modell könnte Pate stehen für eine europäische Lösung. Noch kann es sich kein Land leisten, eine große Bank pleitegehen zu lassen. Die "Too big to fail"-Problematik lässt sich nur im europäischen Rahmen lösen.

Aufsicht

Die EU hat auch Konsequenzen aus der unbefriedigenden Aufsicht durch die europäische Bankenaufsichtsbehörde Eba geführt. Sogenannte Stresstests der Londoner Behörde bestanden viele spanische Banken, die wenige Monate später dann milliardenschweren Kapitalbedarf anmeldeten. Um die europäische Bankenaufsicht unabhängiger von nationalen Einflüssen zu machen, soll künftig die Europäische Zentralbank die entscheidende Rolle spielen.

Ratingagenturen

Die in der EU tätigen Ratingagenturen werden stärker überwacht. Sie stehen unter der Aufsicht der europäischen Marktaufsichtsbehörde ESMA. Ratingagenturen müssen sich registrieren lassen und strenge Informationspflichten erfüllen. Beratungsleistungen dürfen sie nicht mehr erbringen.

Hochfrequenzhandel

Der ultraschnelle Handel mit Finanzprodukten, der zu Börseneruptionen führen kann, soll entschleunigt werden. Irreführende Signale können künftig als Marktmanipulation geahndet werden.

Die „High Speed Trading Initiative“ ist nur eine von mehreren Ermittlungen im Bereich des Hochfrequenzhandels. Auch die New Yorker Staatsanwaltschaft und die US-Börsenaufsicht ermitteln gegen Hochfrequenzhändler und Börsenplätze. Hier steht im Fokus der Ermittlungen, ob Hochfrequenzhändler rechtswidrige Vorteile erhalten und somit regulären Investoren schaden.

Die neue Art von computergestütztem Handel ist in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus von Ermittlern gerückt. In einem der aufsehenerregendsten Fälle hat sich der Hedge-Fonds SAC Capital Advisors im November in einem Vergleich des Insiderhandels schuldig bekannt, die Firma geschlossen und 1,8 Milliarden Dollar Buße bezahlt.

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