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13.07.2016

06:49 Uhr

Insidertipps

Der Klempner, der zu viel über Aktien wusste

VonFrank Wiebe

Bei Insidergeschäften spielen häufig Tipps unter hoch spezialisierten Experten eine Rolle. Aber manchmal ist es ganz banal. In den Augen des Gesetzes macht das die Sache aber nicht besser.

„Joe the Plumber“ bedeutet in den USA so etwas Ähnliches wie in Deutschland „Otto Normalverbraucher“. Auch die Videospiel-Figur "Super Mario" tritt als Klempner auf. AFP; Files; Francois Guillot

Ein Klempner

„Joe the Plumber“ bedeutet in den USA so etwas Ähnliches wie in Deutschland „Otto Normalverbraucher“. Auch die Videospiel-Figur "Super Mario" tritt als Klempner auf.

New YorkWozu ein Klempner alles gut ist. Zum Beispiel dazu, ein geplatztes Rohr zu reparieren oder einen verstopften Ausfluss aufzubohren. Das ist wichtig in einer Stadt wie New York, die voller alter Häuser mit platzenden Rohren und verstopften Leitungen ist.

Der Klempner in Amerika ist auch eine sprichwörtliche Figur. „Joe the Plumber“ bedeutet in den USA so etwas Ähnliches wie in Deutschland „Otto Normalverbraucher“. Nur dass es in Amerika tatsächlich einen „Joe the Plumber“ gibt, der ein Aktivist für die republikanische Partei ist und mit Nachnamen Wurzelbacher heißt.

Außerdem können Klempner noch mehr im Mutterland des Finanzkapitalismus. Zum Beispiel mit Aktien handeln. In einem besonderen Fall half dabei ein Bankdirektor von Barclays.

Die schlechtesten Anlagen im ersten Halbjahr 2016

Aktien Venezuela

Die Börse in Caracas ist winzig, nur wenige Aktien sind dort notiert und die Umsätze liegen oft bei nur ein paar tausend Dollar pro Tag. Internationale institutionelle Investoren meiden venezolanische Aktien. Die Inflation im Land galoppiert, der Versorgungsmangel eklatant, die Währung Bolivar ist auf Talfahrt. Anleger, die im Januar 100.000 Euro in den IBC-Index investierten, haben so jetzt nur noch 54.320 Euro. Im Vorjahr hatten sich die Kurse noch mehr als vervierfacht.

Aktien China

Die Wirtschaft in China macht Anlegern seit über einem Jahr Sorgen. Die Börse stürzte entsprechend weiter ab. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandschinas erfasst, brach um 15,6 Prozent ein. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro leicht abwertete blieben Anlegern von 100.000 Euro nur 80.900 Euro übrig.

Aktien Euro-Zone

Der Jahresauftakt an Europas Börsen war schon ein Horror, dann kam noch das Debakel um den Brexit hinzu. Die Folge: Die Aktien in der Euro-Zone notieren tief im Minus. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Leitindex Euro Stoxx 50 investierte, verfügt angesichts des Minus von 12,3 Prozent jetzt nur noch über 87.670 Euro. Am schlimmsten erwischte es dabei Anleger in Italien – der FTSE MIB 100 Index verlor fast ein Viertel seines Wertes.

Britisches Pfund

Investoren haben die britische Währung nach dem Brexit-Votum regelrecht heruntergeprügelt. Schon vorher litt es deutlich, am Tag nach der Bekanntgabe des Referendums stürzte es dann zum US-Dollar um bis zu knapp 14 Prozent und zum Euro um mehr als acht Prozent ab. Zur US-Währung liegt das Pfund auf dem niedrigsten Stand seit über 30 Jahren. Zum Euro liegt das Pfund „nur“ auf dem niedrigsten Stand seit rund zwei Jahren. In diesem Jahr wurden aus 100.000 in Pfund angelegten Euro 88.620 Euro.

Aktien Deutschland

Auch Aktienanleger in Deutschland hat bislang kein schönes Jahr. Gleich zu Beginn des Jahres stürzte der Leitindex Dax ab. Danach erholte er sich zwar – machte die Verluste vom Jahresanfang aber nie ganz wett. Der Brexit-Schock setzte dem Dax dann erneut zu. Aus 100.000 im Dax investierten Euro sind innerhalb von sechs Monaten nur noch 90.110 Euro geworden.

Aktien Schweiz

Auch die Aktien der Schweiz gingen auf Talfahrt. Der Franken legte dabei zum Euro nur ganz leicht zu. Im vergangenen Jahr hatte er kräftig aufgewertet, nachdem die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs für den Franken aufgegeben hatte. Von daher machten Anleger mit Franken in diesem Jahr keine Währungsgewinne. Von 100.000 Euro blieben 91.320 Euro übrig.

Aktien Großbritannien

Das Brexit-Votum hat der britische Leitindex rasch verkraftet. Der Leitindex „Footsie“ war zwar am 24. Juni heftig eingebrochen, holte die kurzfristigen Verluste dann aber wieder auf. Trotzdem sind Experten skeptisch, da wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU eine lange Phase der Ungewissheit droht. Dennoch notiert der Footsie auch auf Halbjahressicht 4,2 Prozent im Plus. Da der Euro jedoch zum Pfund kräftig zulegte, machten Euro-Anleger, die ihre Positionen nicht absicherten, einen Verlust von 8,01 Prozent und hatten bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro so nur noch 91.990 Euro auf dem Konto.

Aktien Japan

Die Abenomics, das Konjunkturprogramm von Japans Präsidenten Shinzo Abe zieht nicht mehr an der Börse. Ein Grund dafür ist der starke Yen, der japanische Exporte extrem teuer macht. Die Folge: Japans Leitindex Nikkei 225 ist seit Januar um mehr als 18 Prozent eingebrochen. Ein schwacher Trost für Euro-Anleger: Sie verloren nur 6,23 Prozent und hatten so Ende des ersten Halbjahres von 100.000 in den Nikkei 225 investierten Euro immerhin noch 93.740 Euro.

US-Dollar

Der Brexit hat auch dem Euro im Vergleich zum Dollar zugesetzt. Trotzdem hat der Dollar seit Jahresanfang zum Euro leicht verloren. Aus 100.000 in Dollar angelegten Euro wurden so bislang 98.120 Euro. Das schmälert alle Erträge die Anleger mit in Dollar denominierten Anlagen machten. Viele Experten glauben aber, dass die Unsicherheiten über die Zukunft der Europäischen Union den Dollar zumindest wieder etwas steigen lassen werden.

Schlussstand für alle Anlagen: 30.06.2016; Angaben ohne Transaktionskosten

Der Banker wusste durch seinen Job von großen Deals seines eigenen Geldhauses. Er gab seinem Klempner rechtzeitig Tipps, und der schaffte es, bei geplanten Fusionen von insgesamt elf Unternehmen vor der Bekanntgabe entsprechend an der Börse zu handeln. Dieser „Joe the Plumber“ verdiente 76.000 Dollar an den Geschäften, eine vergleichsweise überschaubare Summe. Er gab dem Banker einige tausend Dollar für die Tipps, außerdem renovierte er gratis dessen Badezimmer.

Zumindest der Banker hat jetzt die ganze Sache vor einem Gericht in Manhattan zugegeben, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters. Teil seines Deals mit der Staatsanwaltschaft war die Zusage, kein Strafmaß von bis zu fünf Jahren Gefängnis anzufechten – die paar Tausender könnten also sauer verdientes Geld werden.

„Ich weiß, dass es falsch war, was ich getan habe“, sagte der Banker im Gerichtssaal. Wenigstens in dem Punkt könnte er ein Vorbild sein: Wann hat ein Banker so was schon mal öffentlich gesagt?

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