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28.02.2016

12:56 Uhr

Insolventer Brennstoffhersteller

Online-Portal für German Pellets-Anleger

Die vorläufige Insolvenzverwalterin der German Pellets GmbH hat eine Internetseite eingerichtet, auf der sich Gläubiger informieren können. Vor dem Anmelden ihrer Forderungen brauchen sie aber Geduld.

Tausende Anleger haben dem Holzverarbeiter Geld anvertraut. dpa

German Pellets

Tausende Anleger haben dem Holzverarbeiter Geld anvertraut.

WismarAnleger beim insolventen Holzverarbeiter German Pellets in Wismar können sich elektronisch als Gläubiger registrieren lassen. Wie ein Sprecher der vorläufigen Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde sagte, ist dazu eine Internet-Seite eingerichtet worden. Diese informiere über aktuelle Entwicklungen im Unternehmen und biete in Kürze auch die Möglichkeit zur kostenlosen Registrierung.

Ihre konkreten Forderungen könnten die Inhaber von Anleihen, Genussscheinen und Genussrechten aber erst nach Eröffnung des jeweiligen Insolvenzverfahrens geltend machen. Wann es so weit ist, könne derzeit noch nicht gesagt werden, da die Bestandsaufnahme in dem weit verzweigten Geflecht von weltweit knapp 30 Firmen andauere, sagte der Sprecher.

German Pellets - Fakten zum Unternehmen

Gründungsjahr

Gegründet wurde German Pellets erst im Jahr 2005 in Wismar. Zuvor hatte Leibold bereits als Geschäftsführer eines Sägewerks Erfahrung in der Holzindustrie gesammelt.

Geschichte

Vor allem durch Zukäufe ist German Pellets in relativ kurzer Zeit stark gewachsen. Dabei profitierte das Unternehmen unter anderem davon, dass Holzpellets als CO2-neutral gelten. Das ist ein Grund, weshalb etwa die Anschaffung von Pellet-Heizungen gefördert wird.

Im Jahr 2016 kollabiert die Firma, sie meldet im Februar Insolvenz an.

Geschäftsentwicklung

Die Firma verzeichnete bis zum Zusammenbruch ein rasantes Wachstum und kratzte zeitweise an der 600-Millionen-Euro-Umsatzmarke. Im Jahr 2011 waren es noch 286 Millionen Euro.

Eigner und Führung

German Pellets gehörte zu 60 Prozent Peter Leibold und zu 40 Prozent seiner Frau Anna Kathrin. Peter Leibold arbeitete als Geschäftsführer, seine Frau hatte sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Tochter Kathrin Leibold führte eine Tochterfirma, die Tiereinstreu vermarktete.

Beschäftigte und Standorte

German Pellets beschäftigte 650 Mitarbeiter. Die Zentrale liegt in Wismar in unmittelbarer Nähe zum Hafen, dort ist auch eine Pellets-Produktion. Weitere 13 Standorte sind in Deutschland verteilt, die beiden größten im Land sind neben Wismar Herbrechtingen und Ettenheim (beide Baden-Württemberg).

Im Jahr 2013 ging die größte Fabrik aber in den USA an den Start mit einer Produktionskapazität von 550.000 Tonnen Pellets pro Jahr (fast ein Viertel der Gesamtkapazität). Ein noch einmal doppelt so großes Werk entstand in Louisiana.

Produkte

Die Firma produziert Holzpellets. Dazu werden Holzspäne unter hohem Druck zu zäpfchengroßen Stäbchen gepresst. Diese werden zur Verbrennung in Kaminöfen, Heizungen, Biomassekraftwerken und als Beimischungen in fossilen Kraftwerken eingesetzt. Die Marke „FireStixx“ gehört zum German-Pellets-Portfolio.

Die German Pellets-Gruppe, die nach eigenen Angaben weltweit größter Produzent und Händler von Holzschnitzeln zum Heizen war, hatte ihre jahrelange Expansion maßgeblich mit Anleihen finanziert und steht bei Anlegern mit mehr als 220 Millionen Euro in der Schuld. Zunächst war von 12.000 Betroffenen die Rede, die hochverzinste Anleihen und Rechte erworben hatten. „Es könnten aber auch deutlich mehr sein“, sagte der Sprecher Schmuddes.

Dass sich German Pellets in Schwierigkeiten befindet, hätte den Anleiheinhabern spätestens seit dem 25. Januar klar sein können, an diesem Tag lud das Unternehmen zu einer Gläubigerversammlung ein, die für den 10. Februar geplant war. Einen Tag zuvor wurde das Treffen mit den Anlegern jedoch abgesagt.

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Die Krise des Brennstoffherstellers German Pellets aus Wismar weitet sich aus. Nun haben auch mehrere Töchter Insolvenz angemeldet. Das größte Problem für deutsche Anleger sitzt aber wohl in den USA.

Ursprünglich sollten die Anleger dort einer Laufzeitverlängerung der im April fälligen Anleihe (WKN: A1H3J6) um zwei Jahre und einem Zinssatz von jährlich 5,25 statt bisher 7,25 Prozent zustimmen. Zugleich sollte die Anleihe durch 50 Prozent der Gesellschafteranteile an German Pellets erstrangig besichert werden - was das Unternehmen als „Aufwertung“ beworben hatte.

Am 10. Februar meldete German Pellets dann Insolvenz an. Ein Antrag auf Eigenverwaltung wurde vom Insolvenzgericht Schwerin jedoch schnell abgelehnt. Stattdessen wurde Bettina Schmudde als vorläufige Verwalterin bestellt.

Rumort hatte es rund um German Pellets schon seit Mitte Januar dieses Jahres als die Anleihekurse einzubrechen begannen. Zum Jahresanfang hatte die im April fällige Anleihe noch bei 96 Prozent notiert, Ende Januar stand sie nur noch bei knapp 17 Prozent. Kurz nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags wurden die Anleihe vom Handel ausgesetzt. Seitdem haben Anleger auch ihre letzte Handlungsmöglichkeit verloren. Wer die Papiere zum Tiefstkurs verkaufte, erlitt zwar auch annähernd einen Totalverlust, doch dieser lässt sich wenigstens noch steuerlich absetzen. Nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit ist das nicht mehr möglich.

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