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29.09.2016

07:12 Uhr

Insolvenzverwalter Volker Böhm

„Anwälte sind oft nur teuer“

VonSusanne Schier

Die vielen Ausfälle im Mini-Bond-Markt halten Anleger in Atem. Doch im Pleitefall sollten die Anleihegläubiger nichts überstürzen, meint Insolvenzverwalter Volker Böhm, der die Fälle Solar Millennium und Wöhrl betreut.

Der Hersteller von Solarkraftwerken ging Ende 2011 insolvent. dapd

Solar Millennium

Der Hersteller von Solarkraftwerken ging Ende 2011 insolvent.

FrankfurtDer Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht bei der Kanzlei Schultze & Braun, Volker Böhm, erklärt, warum die Insolvenzverfahren so lange dauern und warum die Quote für die Gläubiger oft gar nicht so schlecht ist. Er warnt vor Aktionismus – hohe Prozesskosten können sich die Gläubiger häufig sparen.

Herr Böhm, an dem Fall Solar Millennium sind Sie seit Ende 2011 dran, mit der Pleite von Wöhrl kam ein weiterer Mittelstandsanleihe-Emittent dazu: Was macht diese Insolvenzfälle besonders?
In einem üblichen Insolvenzverfahren gibt es mit den Banken, Lieferanten und Sozialversicherungsträgern Gläubiger, die durch häufige Teilnahme an Verfahren erfahren sind – sogenannte Profigläubiger. Eine Mini-Bond-Pleite ist da komplett anders: Oft haben viele Privatanleger investiert. Auch die Gläubigerzahl ist normalerweise deutlich geringer. Bei Solar Millennium haben wir es mit rund 20.000 Gläubigern zu tun. Das ist ein riesiger Kommunikations- und Organisationsaufwand.

Was sollten Anleger tun, wenn ein Unternehmen in die Insolvenz geht? Sich an einen Anwalt wenden?
Überstürzter Aktionismus ist nicht angebracht. Die schnelle Mandatierung von Anwälten ist oft nur teuer, ohne dass sie für die Anleger unmittelbar etwas erreichen können. Die Insolvenzforderung steht gesetzlich fest, da ist bei Anleihen selten etwas streitig. Die Anleger werden ohnehin vom Insolvenzverwalter angeschrieben, damit die Gläubiger mit einem Formular ihre Forderung anmelden können.

„Ein gemeinsamer Gläubigervertreter ist sinnvoll“ Kanzlei Schultze & Braun

Volker Böhm

„Ein gemeinsamer Gläubigervertreter ist sinnvoll“

Sollten sie einem Gläubigervertreter ihre Stimme geben?
Die Bündelung von Interessen über einen gemeinsamen Gläubigervertreter ist sinnvoll. Hier müssen Anleger jedoch kein Einzelmandat vergeben, sondern können warten, bis dieser auf einer Gläubigerversammlung von der Mehrheit der Anwesenden gewählt wird.

Das Insolvenzverfahren von Solar Millennium ist immer noch nicht abgeschlossen – warum dauert das so lange?
Bei Mini-Bond-Pleiten können die Insolvenzverfahren schon einmal bis zu acht Jahre dauern. Das liegt oft an der Komplexität der Unternehmen und der Geschäftsmodelle und weniger an der Anzahl der Gläubiger. Häufig müssen die Anleger aber nicht so lange warten, bis sie einen Teil ihres Geldes wiedersehen. Bei Solar Millennium konnten wir Ende letzten Jahres bereits eine erste Abschlagszahlung in Höhe von 15 Prozent der Forderungssumme ausschütten.

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Eine Quote von 15 Prozent – das klingt ja ordentlich. Was kommt im Schnitt am Ende für die Anleger heraus?
Während die Quote für die Gläubiger über alle Insolvenzverfahren hinweg im Schnitt nur drei Prozent beträgt, können sie bei Unternehmen die über Mittelstandsanleihen finanziert oft deutlich höher sein.

Wieso das?
Wenn ein Unternehmen stark bankfinanziert ist, sind diese Kredite meist besichert. Die Erlöse aus der Sicherheitenverwertung gehen im Insolvenzverfahren dann vorrangig an die Banken. Besteht das Fremdkapital überwiegend oder nur aus der Anleihe, gibt es in der Regel keine Sicherheiten für einzelne Gläubiger. Werden Vermögenswerte verkauft, partizipieren alle Gläubiger gleichermaßen an den Erlösen.

Woran hängt es bei Solar Millennium dann zurzeit noch?
Es sind noch einige rechtliche Auseinandersetzungen zu führen. Derzeit gibt es zum Beispiel Diskussionen über ein größeres Projekt in Spanien. Solar Millennium ist dort bereits ausgeschieden – es geht nun um den genauen Zeitpunkt und Haftungsfragen. Ein weiterer Streitpunkt ist die Austrittsbilanz – das dauert seine Zeit. Noch hoffen wir, das mit den beteiligten Unternehmen außergerichtlich klären zu können.

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