Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2008

12:45 Uhr

Internationaler Aktienhandel

Panik drückt Eurostoxx50 auf Anderthalbjahres-Tief

Panik an den Aktienmärkten in Europa hat die Indizes am Montag tief ins Minus gedrückt. Der Eurostoxx 50 beschleunigte seine seit Mitte Januar steilere Talfahrt nochmals und brach um 4,58 Prozent auf 3 812,37 Punkte ein.

HB PARIS/LONDON. Sorgen um eine Rezession in den USA hatten bereits für schwache Börsen in Asien gesorgt. Der japanische Leitindex Nikkei 225 rutschte um 3,86 Prozent ab, der Hongkonger Hang Seng brach um 5,5 Prozent ein. "Es ist Panik zu spüren", sagte ein Händler. Sorgen um ein Abrutschen der US-Konjunktur belasteten die Märkte weltweit, sagten Börsianer. Das von US-Präsident George W. Bush vorgelegte Konjunkturförderpaket könnte nicht ausreichen, hieß es.

Der Eurostoxx 50 beschleunigte seine seit Mitte Januar steilere Talfahrt nochmals und brach um 4,58 Prozent auf 3 812,37 Punkte ein. Der europäische Leitindex markierte mit dem bisherigen Tagestief bei 3 785,80 Punkten den tiefsten Stand seit dem 20. September 2006. Der auch Schweizer und britische Werte umfassende Stoxx 50 rutschte um 3,72 Prozent auf 3 226,94 Zähler ab. Auch die Euronext -Börsen verzeichneten massive Verluste und der breit gefasste Euronext 100 verlor 4,37 Prozent auf 853,62 Punkte. Der Pariser CAC 40 sank um 4,38 Prozent auf 4 869,57 Zähler. Der Londoner Ftse 100 fiel um 3,33 Prozent auf 5 705,30 Punkte.

Finanzwerte versammelten sich am Ende der europäischen Aktienindizes, wobei im Eurostoxx50 BNP Paribas um 7,05 Prozent auf 64,50 Euro abrutschten, ING Groep fielen um 7,25 Prozent auf 21,75 Euro und Societe Generale büßten 7,43 Prozent auf 79,00 Euro ein. Banken hätten derzeit das Vertrauen verspielt und gerade in diesem Sektor herrscht laut Händlern Panik. "Zusätzlich auf die Stimmung für Finanztitel drückt die Kreditrating-Abstufung des US-Bondversicherers Ambac Financial", sagte Philipp Häßler, Analyst bei equinet. In Zürich rutschten Credit Suisse Group um 5,66 Prozent auf 53,35 Euro ab. Lehman nahm das Kursziel für die Aktien in einer Branchenstudie zurück. Händler verwiesen auch auf die hohen Verluste bei Versicherern, die auch unter einem Wertverfall ihrer Beteiligungsportfolios litten, hieß es.

Philips hielten sich dagegen nach Zahlen als einziger Eurostoxx-Wert im Plus. Die Aktie gewann 0,90 Prozent auf 24,60 Euro. Der niederländische Elektronikkonzern verzeichnete im abgelaufenen vierten Quartal aufgrund von Beteiligungsverkäufen wie erwartet einen Gewinnsprung. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebitda) steigerte Philips von 665 auf 865 Mill. Euro und übertraf damit die Prognose der von der dpa-AFX-Partneragentur Thomson Financial befragten Analysten bei 799 Millionen. Der Umsatz stieg auf 8,365 (Prognose: 8,336) Mrd. Euro. Die Niederländer erwarten ein "herausforderndes, aber spannendes" Geschäftsjahr 2008.

Bei Automobilwerten und vor allem im Lastwagensektor sorgten unterdessen wieder angeheizte Fusionsspekulationen für Bewegung, sagten Händler. Laut "Wirtschaftswoche" wird Scania -Chef Leif Östling auf der Hauptversammlung am 5. Mai seinen vorzeitigen Rücktritt bekanntgeben. Hintergrund sei der zunehmend aussichtslose Kampf Östlings gegen eine Allianz mit den Scania -Großgesellschaftern Volkswagen (VW) und MAN . "Bereits in der vergangenen Woche gab es Spekulationen, dass MAN weitere Anteile an Scania kauft", sagte ein Händler. Scania -Aktien hielten sich zuletzt mit 0,19 Prozent im Plus bei 133,50 schwedischen Kronen.

Minenwerte wie BHP Billiton und Rio Tinto standen in London als "Footsie"-Schwergewichte unter Druck. Händlern zufolge spekulierten Marktteilnehmer nun doch auf eine Angebotserhöhung von BHP für Rio Tinto, die in dieser Woche kommen könnte. Die britische Regulierungsbehörde hatte BHP Billiton eine Frist bis zum 6. Februar gegeben. BHP -Aktien rutschten um 6,53 Prozent auf 1 288 Pence ab und Rio Tinto büßten 6,47 Prozent auf 4 396 Pence ein. Unterdessen meldete der Bergbaukonzern BHP in seiner Eisenerz-Sparte für das Vorjahr Rekorde bei Ausstoß und Umsatz.

Wolseley rutschten um 6,42 Prozent auf 670 Pence ab. Der britische Bau- und Installationszulieferer kündigte in einem Zwischenbericht für die fünf Monate bis Ende Dezember wegen des schwachen amerikanischen Hausbaumarkts einen Gewinneinbruch an. Wolseley sei stark von den Folgen der amerikanischen Hypothekenkreditkrise in Mitleidenschaft gezogen worden. Merrill Lynch bestätigte die Einstufung "Neutral". Schlüsselsparten hätten sich wegen des US-Marktes schlechter als erwartet entwickelt und den Ausblick bezeichneten die Analysten als "skeptisch". Evolution Securities stuften Wolseley dagegen nach den Daten von "Reduce" auf "Sell" ab.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×