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18.01.2008

14:45 Uhr

Internationaler Aktienhandel

Tokios Börse leidet unter lascher Wirtschaftspolitik

VonFinn Mayer-Kuckuck

Die Börse Tokio erholte sich gestern kurzzeitig von einer heftigen Abwärtsbewegung zu Wochenbeginn. Analysten warnen jedoch vor einem verfrühten Wiedereinstieg. Der japanische Aktienmarkt steckt in einer grundlegenden Krise.

TOKIO. Seit August befindet sich der Tokioter Aktienmarkt in einer Abwärtsspirale. Es könne noch viele Wochen dauern, bis ein stabiler Aufwärtstrend einsetzt, sagen Experten. Gründe für die Skepsis der Experten sind unter anderem die Probleme am US-Kreditmarkt, eine Aufwertung der Landeswährung Yen und Unzufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik der japanischen Regierung.

"Die Märkte sind sehr skeptisch, ob der Nikkei jetzt schon wieder aggressiv steigt", sagt Aktienexperte Yutaka Miura von Shinko Securities. "Tokio ist in einen Abwärtssog der asiatischen Börsen geraten", meint Tsuyoshi Segawa von Shinko Securities. Die Credit Suisse empfiehlt, mit einem groß angelegten Wiedereinstieg in asiatische Märkte noch warten, bis sich die Lage sichtbar stabilisiert.

Der Chef der japanischen Notenbank, Toshihiko Fukui, hatte in den letzten Tagen den Abwärtstrend des Nikkeis noch verstärkt, indem er pessimistische Aussagen zur Konjunktur wiederholte. Er belastete auch die Bankaktien zusätzlich, indem er sagte: "Die Auswirkungen der Subprime-Krise auf Japans Finanzinstitutionen wächst über unsere ursprünglichen Erwartungen hinaus." Die Aktien der Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) verloren am gleichen Tag fast fünf Prozent, holten gestern jedoch die Hälfte des Verlusts wieder herein. Die größte Bank des Landes hatte eingestehen müssen, unterm Strich 50 Mrd. Yen wegen Subprime abschreiben zu müssen - bisher veröffentlicht waren 27 Mrd. Yen. Diese Summe erscheint jedoch aus europäischer und amerikanischer Sicht immer noch niedrig: Es geht bei der MUFG um etwa 320 Mill. Euro, während der letzte Jahresgewinn des Instituts über drei Mrd. Euro lag.

Analysten sehen die fundamentale Ursache für die Kursrückgänge der letzten Zeit denn auch eher in einem kompletten Fehlen positiver Impulse. Dass die Aktienindizes zeitweilig den Punkt unterschritten, an dem sie zu Amtsantritt des längst wieder abgetretenen Reformpremiers Junichiro Koizumi im Jahr 2001 standen, gilt als Symbol für die politische Komponente der Abwärtsbewegung. Denn von keinem japanischen Regierungschef seit Koizumis Rückzug im September 2006 kamen Signale, die auf weitere Deregulierungen und einen wirtschaftsfreundlichen Kurs schließen lassen. Da zweifeln vor allem langfristige institutionelle Investoren daran, ob japanische Aktien in ihrem Portfolio gut aufgehoben sind. "Es gibt keine positive Haltung, die den fallenden Kursen entgegenwirken könnte", sagt Masatoshi Sato von Mizuho Investors Securities.

Auch von der Entwicklung der Unternehmensgewinne ist nicht viel zu erwarten. Sie sprudelten 2007 besonders üppig, ohne dass 2008 eine Wiederholung des Segens zu erwarten ist. Der Yen steigt derzeit tendenziell, obwohl Devisenexperten für die kommenden Monate eine Rückkehr zu moderat niedrigen Bewertungen erwarten. Doch der Devisentrend bedeutet bereits jetzt Einbußen für Handelskonzerne und die großen Exporteure wie Sony, Toyota, Honda oder Nissan. Gerade bei diesen Namen kommt hinzu, dass die laufenden Bemühungen um eine Abkopplung vom US-Geschäft noch nicht abgeschlossen sind. Toyota erzielte im ersten Halbjahr 2007 knapp ein Fünftel seines operativen Gewinns in Amerika, Sony ähnlich viel. Wenn in den USA der Konsum einbricht, leiden die Japaner mit.

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