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01.10.2014

08:30 Uhr

Intershop-Gründer im Interview

„Wir brauchen einen Neuen Markt“

VonOliver Stock, Henning Jauernig

Zalando hat den größten deutschen Technologie-Börsengang seit dem Ende des Neuen Markts hingelegt. Stephan Schambach, Gründer der E-Commerce-Plattform Demandware, fordert mehr Börsengänge und eine „deutsche Nasdaq“.

Stephan Schambach, Gründer der E-Commerce-Plattform Demandware wünscht sich mehr Börsengänge. PR

Stephan Schambach, Gründer der E-Commerce-Plattform Demandware wünscht sich mehr Börsengänge.

So spektakuläre Börsengänge wie die von Zalando und Rocket Internet haben deutsche Anleger seit Jahren nicht mehr gesehen. Da fühlen sich viele Investoren an die Zeiten des Neuen Marktes erinnert, als viele Internet-Firmen an die Börse drängten. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hatte deswegen zu einer Veranstaltung nach Frankfurt eingeladen, in der es um das Know how für Börsengänge ging. Ihr Stargast: Stephan Schambach. Er ist einer, der diese Zeiten miterlebt hat. Er gründete 1992 das Softwareunternehmen Intershop und brachte es an die Börse.

Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen einen Börsenwert von mehreren Milliarden Euro – bis die Blase platzte. Heute ist Schambach Aufsichtsrat der E-Commerce-Plattform Demandware, die er 2004 gründete und im März 2012 an die New Yorker Börse NYSE gebracht hat. Im Interview mit dem Handelsblatt fordert der Unternehmer ein neues Börsensegment für junge Technologiefirmen in Deutschland.

Mit Rocket Internet und Zalando gehen zwei Internetfirmen an die Börse. Erleben wir gerade die Rückkehr des Neuen Marktes?
Die Börsengänge von Rocket Internet und Zalando sind schon allein wegen ihrer  Größenordnung nicht mit dem Neuen Markt zu vergleichen. Die damaligen Emissionen waren viel kleiner. Grundsätzlich wäre es gut, wenn es in Deutschland mehr Börsengänge wie den von Zalando geben würde.

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Sie wünschen sich also eine Wiederkehr?
Wenn Sie so wollen. Wir brauchen wieder einen Neuen Markt in Deutschland.  Dutzende deutsche Firmen sind gezwungen an amerikanische Börsen zu gehen, weil hierzulande die Bedingungen für Börsengänge so schlecht sind. Diese Firmen sind dann aber als amerikanische Firmen gelistet, so dass Deutschland nicht mehr von der Entwicklung der Firmen profitiert.

Wenn es um Aktienkultur geht, gilt Deutschland  als unterentwickelt…
Wenn diese Abwanderung weitergeht, wird Deutschland von der digitalen Wirtschaftsentwicklung in den USA abgeklemmt und bleibt nur staunender Beobachter. In den USA sind im Jahr 2013 mehr als 200 Firmen an die Börse gegangen, in Deutschland gab es zur selben Zeit nur sieben Börsengänge. Deshalb gibt es bislang auch kein deutsches Google oder Facebook.

Wie könnte ein Neuer Markt 2.0 aussehen?
Deutschland braucht eine deutsche Nasdaq. Also eine Börse für schnell wachsende Technologiefirmen, die auch Firmen listet, die nur ein Zehntel der Größe von Zalando erreichen. Dann würde mehr Venture-Capital von internationalen Investoren nach Deutschland fließen. Das beschleunigt die extrem wichtige Wachstumsfinanzierung für junge Firmen. Die Bedingungen für institutionelles Venture-Capital müssten allerdings vereinfacht werden.

Das müssen Sie erklären.
Momentan verhindert die Politik, genauer das deutsche Steuergesetz, dass Venture-Capital nach Deutschland fließt. Zum Beispiel muss die Mehrwertsteuer auf die Management-Fee abgeschafft werden. Solch ein Gesetz, das die Bedingungen für Wagniskapital erleichtert, liegt längst vor. Jetzt muss es nur endlich auf den Weg gebracht werden.

Kommentare (6)

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Herr Josef Schmidt

01.10.2014, 08:56 Uhr

Zalando, Technologie Börsengang, hört sich toll an.

Welche Technologie kommt beim Schuheverkaufen zum Einsatz ?

Mal wieder ein Börsengang um Kasse zu machen. Jaaa, wir wollen mehr davon.

Sergio Puntila

01.10.2014, 10:25 Uhr

„Wir brauchen einen Neuen Markt“
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Proseminargeschwefel.

Sergio Puntila

01.10.2014, 10:34 Uhr

Bevor man was von "neuen Märkten" herumschwefelt, sollte man ersteinmal den Umgang mit sogenannten "alten" Märkten beherrschen.
Vor so einem Hintergrund könnte selbst der IPO von Zalando als recht ambitioniert gelten.
Die fahren sich mit so einem Scheiß die Kurse selbst herunter.

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