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29.07.2011

19:43 Uhr

Interview

„Noch einen Schock kann niemand gebrauchen“

VonJörg Hackhausen

ExklusivDen USA geht das Geld aus. In wenigen Tagen droht die Zahlungsunfähigkeit. Im Interview erklärt Bernd Weidensteiner von der Commerzbank, wie die Ratingagenturen reagieren und was dann an den Märkten los wäre.

Bernd Weidensteiner, Volkswirt und US-Experte der Commerzbank. Quelle: PR

Bernd Weidensteiner, Volkswirt und US-Experte der Commerzbank.

Wie wahrscheinlich ist, dass die USA ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können?

Die politische Lage ist so verfahren, dass eine rasche Einigung über das Wochenende unwahrscheinlich erscheint. Nicht mal innerhalb der Parteien ist man sich über ein Konzept einig.

Das Geld reicht noch bis kommenden Dienstag. Was passiert an diesem Tag?

Es muss nicht unmittelbar an diesem Tag zur Zahlungsunfähigkeit kommen. Die Steuereinnahmen waren wohl zuletzt etwas besser als erwartet. Deshalb könnte das Geld noch ein paar Tage länger reichen. Das löst natürlich das Problem nicht, gibt aber ein paar Tage mehr Zeit für Verhandlungen.

Wenn den USA das Geld ausgeht - wie muss man sich das vorstellen?

Der Finanzminister wird zunächst versuchen, die Staatsanleihen zu bedienen, damit die Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten nicht final beschädigt wird. Was auf jeden Fall auch noch bezahlt wird, sind die Rentenschecks, die am 3. August fällig werden. Wenn die Wähler ihre Schecks nicht pünktlich bekämen, wäre das politischer Selbstmord. Bei allen anderen Ausgaben wird man sehen, was noch bezahlt werden kann. Eigentlich müssten 40 Prozent der Ausgaben gestrichen werden. Über einen längeren Zeitraum ist das natürlich nicht möglich, ohne dass die Wirtschaft gegen die Wand fährt.

Wie reagieren die Ratingagenturen auf einen Zahlungsausfall?

Die Ratingagenturen haben sich noch nicht klar geäußert. Am klarsten hat sich S&P positioniert, die gesagt haben, dass sie eine 50-Prozent-Wahrscheinlichkeit für eine Herabstufung sehen. Aber selbst wenn die ersten Rechnungen liegen bleiben, ist noch nicht gesagt, dass es zu einem Downgrade kommen muss. Erst wenn Kapital- oder Geldmarktpapiere nicht mehr bedient werden, muss das zwangsläufig geschehen.

Ist eine Herabstufung früher oder später nicht ohnehin unvermeidlich?

Die Defizite sind derart hoch, die Schulden so rapide gestiegen – es ist klar, dass die US-Staatsfinanzen konsolidiert werden müssen, wenn die USA ihr Rating behalten wollen.

Kommentare (9)

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no.7

29.07.2011, 20:17 Uhr

Es ist doch falsch, den eindruck zu erwecken, mit dieser anhebung der Schuldenobergrenze sei der fall erledigt. Gar nichts ist erledigt. Die Überschuldung und damit die konflikte bleiben bestehen. Wo es mit dem geldchen nicht läuft, gibt es eben nur noch streit- kennen wir ja. Der wahre Schock für D. kommt sowieso: Die US Nachfrage wird einbrechen.

Gutduenker.als.Robin.Hoods

29.07.2011, 21:25 Uhr

Die Finanz- und Politikwelt steht am Scheideweg:

- soll mit uferlosen Schulden immer weiter sozialer Frieden in USA, EU und weltweit finanziert werden

oder

- soll das Leistungsprinzip und der Kapitalismus, auch mit seinen Härten weiter existieren.

Will man die ganze bedürftige Welt weiter versorgen mit geborgtem Geld, werden die Schulden ins unendliche wachsen und die Finanzsysteme haben keinen Sinn mehr, was aber für die Zukunft der westlichen Welt elementar wichtig ist.

Die Gutdünker zersetzen das Leistungsprinzip und die westliche Welt.

Cappi

29.07.2011, 22:48 Uhr

Fluch uns Segen der Meinungsfreiheit sind nah beieinander. Auf jeden Fall ist es unglaublich, welche Kommentare hier abgegeben werden. Sollte hier der Eindruck erweckt werden, dass die Verschuldung der USA durch ein großzügiges Sozialsystem entstanden ist, so muss man sich ernsthaft Gedanken um den Geisteszustand des Autors machen. Denn die Frage ist doch: Welches Sozialsystem.
Außerdem ist doch fraglich, was der Autor mit Leistungsprinzip meint. Gelder, die ein Einzelner sowieso nicht in seinem Leben ausgeben kann in Steuerparadiese verschieben oder Kurse nach oben und unten bewegen und dabei richtig Geld verdienen. Diese Leistungsträger sind es doch, die eine Gemeinschaft zugunsten der Gier des Einzelnen zerstören und sich auf der nächsten Charity-Party wegen ihrer großzügigen Spende feiern lassen. Arme Welt!

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