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25.04.2012

11:50 Uhr

Interview

„Über eine Dekade hinweg sollte alles gut werden“

VonSebastian Schaal

Die Euroskeptiker sind auf dem Vormarsch und auch der Sparwille lässt in vielen Ländern nach. Droht jetzt eine neue Eskalation der Eurokrise? Rentenexperte Michael Mewes erklärt, welche Risiken bei Staatsanleihen drohen.

Michael Mewes ist Leiter des Anleiheteams bei der Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management in Frankfurt. Pressefoto

Michael Mewes ist Leiter des Anleiheteams bei der Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management in Frankfurt.

Herr Mewes, die Märkte haben stark auf die Präsidentschaftswahlen in Frankreich reagiert. Francois Hollande lehnt den Fiskalpakt ab. Ist das nur Wahlkampfgeplänkel?

Natürlich geht es zuerst darum, die Claims abzustecken. Wir sind aktuell noch nicht beunruhigt, dass wir hier wieder ein Auseinanderfallen der Eurozone eingepreist bekommen oder eine dramatische Verschlechterung der Bonitäten einzelner Länder.

Dazu kam noch der Rücktritt der niederländischen Regierung. Wie kann sich das langfristig auswirken?

Wir denken über ein Jahrzehnt hinweg. So lange wird die gesamte Konsolidierung der Eurozone mindestens dauern. Über eine Dekade hinweg sollte alles gut werden. Wir werden langfristig kein Problem mit Frankreich, Spanien oder Italien haben, allerdings werden Tage wie dieser Montag immer wieder für Rückschläge an den Kapitalmärkten sorgen.

Wie attraktiv sind Investments in Südeuropa?

Der Weg der Konsolidierung wird keine gerade Linie sein. Wer sich in Italien oder Spanien engagieren möchte, der bekommt natürlich hohe Renditen, kauft sich aber auch eine relativ hohe Volatilität in sein Portfolio ein.

Bei den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden könnten Euroskeptiker siegen. Wäre das ein größerer Rückschlag für Europa?

Das ist jetzt natürlich ein Szenario, in dem zwei wichtige Länder auffallen. Das kann man aber nicht ignorieren. Letztlich messen wir Politiker und Marktteilnehmer an ihren Handlungen. Jeder Politiker wird in der Regierungsverantwortung sehr schnell realisieren, dass man mit Begebenheiten konfrontiert wird, die man nicht einfach umstoßen kann. Das war auch eine Lektion aus den vergangenen zwei Jahren, seitdem die Euro-Krise (ausgehend von der Griechenland-Krise) ausgebrochen ist.

Was haben die Politiker und die Märkte aus der Krise gelernt?

Ich denke, es ist den Politikern seit dem auch klar geworden, dass sie sich so verhalten müssen, wie die Märkte es von ihnen erwarten, im Sinne von solider Haushaltsführung und vom langfristigen Erreichen der Defizitziele. Sollte Herr Hollande im Gegensatz zu Herrn Sarkozy den angestrebten ausgeglichenen Haushalt ein Jahr später erreichen, wäre das unkritisch.

Werden nun deutsche Staatsanleihen attraktiver?

Bei den aktuellen Rekordtiefständen stellt sich die Frage, ob man noch von Attraktivität sprechen kann. Sie haben natürlich in den vergangenen beiden Wochen profitiert, allerdings sollte das ins gesamte Portfolio passen. Die laufende Rendite bei zehnjährigen Bundesanleihen mit weniger als 1,7 Prozent ist  mittel- bis langfristig wenig attraktiv. Wenn Sie dagegen Renditen von Ländern wie beispielsweise den Niederlanden oder Frankreich ansehen, die fundamental nicht viel schlechter sind, erscheinen deutsche Staatsanleihen mittelfristig nicht mehr so attraktiv. Insofern geht es bei deutschen Staatsanleihen primär um das Thema Sicherheit.

Kommentare (8)

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Thomas-Melber-Stuttgart

25.04.2012, 12:16 Uhr

"Now, in the long run this is probably true... But this long run is a misleading guide to current affairs. In the long run we are all dead." - J. M. Keynes

Account gelöscht!

25.04.2012, 12:31 Uhr

Schön zu sehen, wie alles im Konjunktiv bleibt! Die Experten trauen ihren eigenen Theorien immer weniger..

Account gelöscht!

25.04.2012, 12:42 Uhr

Der Euro wird nicht überleben. Mit Inflation kriegt man die horrende Staatsverschuldung über Enteignung der Bevölkerung hin, aber die strukturellen Probleme können selbst über eine Transferunion nicht gelöst werden. So viel kann Deutschland gar nicht erwirtschaften!
Wenn die doofen phlegmatischen Michelsleute allerdings erst mal kapieren, was der ESM bedeutet, dann werden sie wach werden. An der Wahlurne wird das dann entschieden. Die Piraten sind erst der Anfang.
Schade, daß die meisten Menschen so langsam im Kopf sind. Aber unter dem Goebbelschen Dauertrommeln der Journaille und der eurobesoffenen Politiker ist das verständlich. Wer hört schon gern, daß dieses Währungsexperiment mit dem deutschen(!) Staatsbankrott endet? Oder unmittelbar in ein undemokratisches Konstrukt wie die EUSSR führt?
Alles läuft so wie vorhergesagt von den Euroskeptikern - es sind natürlich keine Skeptiker, sondern die Eurorealisten! Die ideologisch vergifteten Euromantiker werden nie Einsicht haben - das ist bei Ideologen noch nie anders gewesen. Es wird keine Rettung geben - sondern den Bankrott! Damit ist dann die deutsche politische Klasse enttarnt, die heutige EU vernichtet. Ich freu mich drauf, wenn so wenigstens der Weg in die Unfreiheit verstellt wird!

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