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24.01.2010

18:45 Uhr

Interview

„Verantwortung statt Abzocke ist angesagt“

VonRobert Landgraf

ExklusivDer deutsche Großinvestor Clemens Vedder über Lehren aus der Finanzmarktkrise, gute und schlechte Bankmanager, den Unterschied zwischen Heuschrecken und Piranhas sowie seine Forderung, dass Matthias Graf von Krockow sich aus dem Aufsichtsrat des Immobilienkonzerns IVG zurückziehen muss.

Clemens Vedder erklärt den Unterschied zwischen Heuschrecken und Piranhas. Reuters

Clemens Vedder erklärt den Unterschied zwischen Heuschrecken und Piranhas.

Handelsblatt: Die deutschen Banken werden von der Finanzkrise hart getroffen. Was sehen Sie als Auslöser der Krise an?

Clemens Vedder: Zunächst einmal grundsätzlich: Der Ausgangspunkt aller großen Krisen ist seit 1929 immer Miami gewesen. Das war auch 2007 so. Auslöser ist für mich die schlechte Bauqualität in den USA – zum Beispiel bei Einfamilienhäusern. Hier ist in diesem Jahr mit drei bis vier Millionen Zwangsversteigerungen allein bei Häusern zu rechnen. Doch der Haken ist: Keiner berücksichtigt, dass die Lebensdauer dieser auch von deutschen Banken finanzierten Häuser nicht einmal ein Drittel dessen erreicht, was in Europa üblich ist. Das heißt „no value“ für diese Belastungen.

HB: Und die Lösung?

Vedder: Wenn eine deutsche Bank direkt oder indirekt etwa über Kredite oder Subprime-Anleihen solche Häuser in die Bücher nimmt, sollte, ja muss der Kredit in spätestens zehn Jahren zurückgezahlt sein. In der Realität ist das leider nicht so, auch wenn ich davor bereits 2006 als Auslöser der heutigen Krise gewarnt habe. Einige Family-Offices, Privatinvestoren und Großbanken sind meinem Ansatz gefolgt und haben so viel Geld verdient.

HB: Wollen Sie damit sagen, dass mit einer dritten Krisenwelle zu rechnen ist?

Vedder: Ich befürchte ja. Ausgelöst wird die weitere Welle aus meiner Sicht durch die noch nicht offen gelegten Immobilienrisiken in den USA, die den Markt entsprechend beeinflussen werden – das gilt für Wohnungen und Häuser. Hinzu kommen steigende Arbeitslosigkeit und der Aufbau einer Blase in China. Ohnehin werden aus meiner Sicht die Zinsen Ende des Jahres wieder steigen.

HB: Gibt es eigentlich noch die Investorengruppe Cobra, jene Beteiligungsgesellschaft, mit der Sie im Jahr 2000 in die Commerzbank investiert hatten?

Vedder: Ja, sie befindet sich nach wie vor unter meiner Obhut und bündelt weiter Aktionärsinteressen.

HB: War der damalige Angriff auf die Commerzbank eine einmalige Sache? Oder planen Sie weitere Investments in Dax-Konzerne?

Vedder: Falls sich Distressed-Anlagemöglichkeiten, also Investments in unterbewerteten und notleidenden Beteiligungen ergeben, sind wir wachsam. Wir sondieren den Markt und sind bereit zu investieren. Sollte es so weit sein, erfahren Sie das als Erster ...

HB: … bedeutet das unruhige Nächte für viele Dax-Vorstände?

Vedder: Vor uns muss keiner Angst haben, der seine Geschäfte sowie das Aktienrecht beherrscht und seinen Aufgaben gerecht wird. Wir sind sehr wache und realistisch denkende Unternehmer und Finanzinvestoren.

Kommentare (1)

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Feininger

25.01.2010, 00:36 Uhr

Der Mann gefällt mir! Endlich mal einer, der die Ursachen der Probleme anspricht - und dem für die Miseren verantwortlichen Klüngel angehört. Es wäre schön, wenn das Handelsblatt, die klugen Denkanstösse dieses interviews in der weiteren berichterstattung mit aufgreifen würde.

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