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27.12.2012

09:16 Uhr

Interview

„Wer Rendite will, muss ins Risiko gehen“

VonJessica Schwarzer

Die Inflation knabbert am Vermögen der Deutschen. An Hochzins-Anlagen führt kein Weg mehr vorbei. Mehr Rendite heißt in der Regel aber auch mehr Risiko. Doch das ist überschaubar, meint Vermögensverwalter Tobias Spies.

Im Sparstrumpf ist das Geld der Inflation ausgeliefert. dpa

Im Sparstrumpf ist das Geld der Inflation ausgeliefert.

Herr  Spies, Unternehmensanleihen sind in diesem Jahr hervorragend gelaufen. Lohnt der Einstig noch?
Das ist die Gretchenfrage und leider habe ich keine Kristallkugel. Ich würde Ihre Frage aber trotzdem mit „Ja“ beantworten.

Tobias Spies, Geschäftsführer der Dr. Kohlhase Vermögensverwaltung in München

Tobias Spies, Geschäftsführer der Dr. Kohlhase Vermögensverwaltung in München

Aber bei vielen Papieren ist nichts mehr zu holen, die Renditen sind mickrig.
Unternehmensanleihen haben sich, ganz gleich ob guter oder schlechter Bonität, dieses Jahr sehr gut entwickelt. Bei Papieren mit guter bis sehr guter Bonität bleibt nach Abzug von Kosten und Inflation höchstens eine schwarze Null. Dort sehen wir übrigens mittlerweile eine gewisse Blasenbildung.

Also Gefahr im Vollzug?
Gesund ist es sicher nicht, wenn Großunternehmen fünf- oder achtjährige Milliarden-Bonds zu Minizinsen begeben können.

Das müssen Sie erklären.
Wenn Sie nur noch ein oder zwei Prozent Zinsen zahlen müssen, dann können Sie in Projekte investieren, die sich mit höheren Zinsen niemals rentiert hätten. Bei Minizinsen rentiert sich vieles, was sich mit fünf oder sechs Prozent Zinsen unternehmerisch nicht rechnen würde. Nur sind diese nach fünf Jahren natürlich nicht abgezahlt. Muss ein Projekt refinanziert werden, weil eine Anleihe ausläuft, kann das natürlich viel teurer werden und den Emittenten in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Die extrem niedrigen Zinsen könnten zu einer langfristigen Fehlallokation des Kapitals führen.

Die Prognosen der Finanzprofis

George Soros, Investor

„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

Marc Faber, Investor

„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

Bill Gross, Fondsmanager

„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

Felix Zulauf, Vermögensverwalter

„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

Warren Buffett, Investor

Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

Nouriel Roubini, Ökonom

„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Barry Knapp, Barclays

„Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

„Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

„Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Also Finger weg von solchen Anleihen?
Wer mit den niedrigen Kupons zufrieden ist, kann hier ruhig investieren. Dem Anleger kann es im Grunde egal sein, was passiert, nachdem seine Anleihe in fünf oder mehr Jahren fällig wurde. Er bekommt sein Geld und kann sich nach neuen Investments umsehen. Das Risiko der teuren Refinanzierung trägt das Unternehmen.

Kommentare (8)

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Euroklopapier

27.12.2012, 09:38 Uhr

Nur Wahnsinnige gehen in das Risiko. Das kann man nur mit einem alles rettenden System im Rücken machen. Also wenn man als system relavante Bank griechische Staatsanleihen kauft und nach Verlusten lässt man sich einfach von der EZB ein Billiönchen gut schreiben. Daran sieht man, wie wertlos diese Währung geworden ist. Gute Nacht!

Account gelöscht!

27.12.2012, 10:03 Uhr

Das ist ausgemachter Quatsch - oder purer Selbstzweck, je nach Standort.

Man denke an die breite Masse nahezu aller Hochzinsanleihen und das weltweit, deren Kurse im letzten Jahr gnadenlos hochgejazzt sind.

Selbst bei Quasi-Schrottanleihen bleiben heute effektiv nur mickrige 3 bis max. 5 Prozent übrig.

Nachteil: Kurse meist über 110 bis teilweise 130, dazu Emittenten, die in dem aktuell eher schwierigen wirtschaftlichen Umfeld weiter absinken können und so weiter.

Und das für diese mickrige Verzinsung? Das nenne ich Gier.

Der Bond-Markt ist kaputt gekauft.
Da verdienen nur noch die Anleiheberater mit ihrem Geschwätz.

Mein Tipp: Geld liegen lassen und warten bis die Bonds einknicken. Das wird in den kommenden 12 Monaten sicher mehr als einmal passieren.

Auf mittlere Sicht ist die Frage doch ganz einfach: Wenn ich p.a. 4 Prozent effektiv bekommen könnte, wie hoch ist das Risiko, dass der Bond innert 1 Jahr um 4 Prozent oder 2 Jahren um 8 Prozent nachgibt und so weiter. Wer die Antwort darauf nicht einschätzen kann, sollte ohnehin die Finger von Bonds im allgemeinen lassen.

Natürlich gibts auch sehr interessante (meist sogar interessantere) andere Anlageklassen, davon sei hier aber nicht die Rede.

Account gelöscht!

27.12.2012, 10:27 Uhr

Liebe deutsche Mitbrüder und -schwestern,

ihr sollt riskante Anlagen tätigen !!!

Man braucht Euer Geld ........

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