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01.11.2013

12:45 Uhr

Investition

Anleger flüchten in Dollar-Ramsch-Anleihen

Investoren spielen wieder mit dem Feuer. Sie setzen derzeit verstärkt auf Ramsch-Anleihen in Dollar – im festen Glauben daran, dass die Fed ihre lockere Geldpolitik fortsetzen wird. Experten sehen Blasen in den Märkten.

Eine Dollar-Note in einem Glas Wasser. Um etwas zu verdienen, gehen Anleger wieder vermehrt Risiken ein – damit könnten sie baden gehen. dpa

Eine Dollar-Note in einem Glas Wasser. Um etwas zu verdienen, gehen Anleger wieder vermehrt Risiken ein – damit könnten sie baden gehen.

New YorkInvestoren setzen derzeit auf Ramsch-Anleihen in Dollar. Die Renditen der Papiere sind im Vergleich zu besser bewerteten Bonds auf ein so niedriges Niveau gedrückt worden, wie es zuletzt vor der Kreditkrise zu sehen war. Dahinter stehen nicht zuletzt Wetten darauf, dass die Fed ihre lockere Geldpolitik fortsetzen wird.

Der Renditeabstand von Bonds mit der Note „BB“, der höchsten im Bereich Ramsch-Anleihen, zu „BBB“-Papieren fiel bis zum 28. Oktober auf unter 1,16 Prozentpunkte - die geringste Differenz seit Juli 2007. Das belegen Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch. Im Dezember 2008 war ein Rekord-Abstand von 6,35 Prozentpunkten erreicht worden.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Noch im Juni hatten die so genannten Hochzins-Anleihen den schlimmsten monatlichen Verlust in nahezu zwei Jahren erlitten. Damals deutete vieles darauf hin, dass die Fed ihre monatlichen Anleiheaufkäufe im Volumen von 85 Milliarden Dollar zurückfahren wird. Doch inzwischen locken die Papiere wieder Firmen wie UBS AG und BlueCrest Capital Management LLP an.

Die Strategen von Bank of America prognostizieren, dass die Rally bis zum Jahresende anhalten wird. Gleichzeitig warnen sie vor einer Schwächephase in den ersten drei Monaten 2014. „Der Markt wird bis Jahresende weiter auf der Suche nach Rendite sein“, sagte Michael Contopoulos, Chef für Hochzins- Strategie bei Bank of America, in einem Interview mit Bloomberg. „Das ist auch etwas gefährlich. Falls die Markterwartungen zu weit hinauslaufen und dann die Fed kommt und sagt, wir reduzieren im Januar oder März, dann ist die Asset-Klasse für eine Überraschung fällig.“

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