Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2005

08:06 Uhr

Investmentbanken raten ihren Kunden zur Annahme

Argentinien setzt Anlegern eine Frist

VonAnne Grüttner

Nach über drei Jahren Wartezeit haben Halter von Argentinien-Anleihen von heute an sechs Wochen Zeit, um ihre Bonds in neue Papiere zu tauschen. Die Anleihen im Wert von knapp 82 Mrd. Dollar werden nicht bedient, seit am 31. Dezember 2001 der damalige argentinische Präsident Adolfo Rodriguez Saa die Einstellung der Schuldenzahlungen erklärte. Gehen die Anleger auf das nun vorliegende argentinische Angebot ein, verzichten sie auf etwa 70 Prozent des Wertes ihrer Anleihen. Die große Frage ist: Was für Optionen haben Argentiniens Gläubiger?

BUENOS AIRES. Die Strategen des argentinischen Wirtschaftsministeriums, die am Mittwoch das Umschuldungsangebot offiziell vorstellten, versuchten mit großer Eloquenz zu vermitteln, dass es keine Alternative zu dem größten Forderungsverzicht der Finanzgeschichte gibt. „Es wird keine Verbesserung des Schuldenangebots und auch keine neue Umschuldung geben“, sagte Finanzstaatssekretär Guillermo Nielsen. Die von heute bis zum 24. Februar dauernde Zeichnungsfrist sei die einzige Gelegenheit für die Anleger, überhaupt etwas von ihrem eingesetzten Kapital zurückzubekommen. Die nicht getauschten Schuldtitel würden womöglich niemals bedient und verlören zudem Liquidität, warnte Wirtschaftsminister Roberto Lavagna.

In der Tat sind die Alternativen zur Beteiligung am Tausch kompliziert und ihr Erfolg ist sehr ungewiss. Die meisten Investmentbanker raten ihren Kunden, die Umschuldung anzunehmen. „Wer nicht akzeptiert, wird einen langen und teuren Gerichtsweg beschreiten müssen“, sagt Walter Molano, Chef der auf Lateinamerika spezialisierten US-Investmentfirma BCP Securities.

Horacio Vasquez von der argentinischen Gläubigergruppe ADAPD ist anderer Meinung. Bisher hätten nur sehr wenige Gläubiger ein Gerichtsverfahren gegen Argentinien angestrengt. Die Klagesumme betrage derzeit etwas mehr als eine Mrd. Dollar. Je geringer diese Summe, desto wahrscheinlicher sei es, dass Argentinien sich mittelfristig dem Druck beugt und die Kläger auszahlt, sagt Vasquez. „Der Präsident traut sich nicht einmal mehr mit seinem eigenen Flugzeug ins Ausland. Das geht eine Weile, aber nicht auf Dauer“, meint er weiter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×