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26.06.2013

12:43 Uhr

Investor

Der „King of Oil“ ist tot

VonOliver Stock, Julia Rotenberger

Glencore-Gründer Marc Rich ist tot. Der international bekannte Finanzinverstor starb in einem Krankenhaus im schweizerischen Luzern im Alter von 78 Jahren. Morgen soll Rich in Tel Aviv beerdigt werden.

Investor Marc Rich: Er ist im Alter von 78 Jahren an einem Schlaganfall gestorben. Reuters

Investor Marc Rich: Er ist im Alter von 78 Jahren an einem Schlaganfall gestorben.

DüsseldorfEr galt als einer der mächtigsten und umstrittensten Rohstoffhändler weltweit. Marc Rich, Gründer des Rohstoffriesen Glencore, ist in einem Spital in Luzern an einem Schlaganfall gestorben, wie sein Sprecher heute Morgen bestätigte. Sein Tod sei für alle überraschend gewesen.

Der 1934 in Antwerpen als Marcell David Reich geborene „King of Oil“ - so der Titel einer Biografie - floh als Jugendlicher mit seinen Eltern vor den Nazis in die Vereinigten Staaten. Dort begann er seine Karriere bei dem von einer Gruppe jüdischer Immigranten gegründeten Handelshaus Phillips Brothers. 1974 gründete Rich mit seinem Kollegen Pincus Green die Marc Rich Group (MRAG). Das Unternehmen entwickelte sich in den 1980er-Jahren zu einem der einflussreichsten unabhängigen Rohstoffunternehmen der Welt und handelte mit allen Metallen und Mineralien von Aluminium bis Zink.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

In seiner zweiten Heimat, den USA, galt Rich als umstritten: 1983 wurde der Investor vom späteren New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani der Steuerhinterziehung, Falschaussage, des Handels mit Iran angeklagt. Zum Prozess kam es aber nicht: Rich immigrierte einige Monate vor der Anklageerhebung in die Schweiz, wo seine Firma bereits seit 1974 ihren Sitz hatte.

Auf die amerikanische Staatsbürgerschaft hatte er da bereits verzichtet. Festnahmeversuchen widersetzte sich Rich erfolgreich, weil auch er ein Netz von Spitzeln an den entscheidenden Stellen unterhielt, die ihn mit Informationen versorgten. Sie erlaubten es ihm, den Ermittlern stets einen Wimpernschlag voraus zu sein.

Die, die ihn verfolgen, nannten Rich einen skrupellosen Geschäftemacher. Sie warfen ihm vor, mit dem iranischen Ajatollah-Regime just zu der Zeit gehandelt zu haben, als die fundamentalistischen Eiferer in Teheran amerikanisches Botschaftspersonal für mehr als ein Jahr in Geiselhaft genommen hatten. Auch das Apartheid-Regime in Südafrika soll der Multimillionär unterstützt und damit dessen Lebenszeit verlängert haben. Die Gewinne, die er so scheffelte, verteilte er über ein Firmengeflecht, dem kein Steuerprüfer gewachsen war.

Kommentare (5)

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JJJ

26.06.2013, 13:47 Uhr

Tja, nackt kommt man auf diese Welt und nackt geht man auch wieder...

Account gelöscht!

26.06.2013, 14:14 Uhr

Die HB-Leser sollten noch wissen, dass Rich mehrere Millionen für Clintons Wahlkampf gespendet hatte und die Begnadigung Clintons aller-aller-allerletzte Amtshandlung war, sozusagen Minuten bevor er das oval office verließ.

SelcukKarabiyik

26.06.2013, 15:52 Uhr

Ich lese aktuell sein Buch und wünsche seiner Famile mein Beileid.Die Zielstrebigkeit und sein Durchhaltevermögen ist bewunderswert. RIP

Selcuk Karabiyik

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