Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.05.2014

10:26 Uhr

Investor im Interview

„Deutschland hat eine Pflicht gegenüber Europa“

VonJörg Hackhausen

ExklusivWas halten Investoren von der Europawahl? John Beck von Franklin Templeton fürchtet nicht das Erstarken der Rechten. Allerdings könnte sich der Druck auf die EZB erhöhen. Auch die Deutschen müssen ihren Beitrag leisten.

Ob Zinsersparnis, Exportüberschuss oder niedrige Inflation: Jeder Vorteil hat auch eine riskante Kehrseite.

Ob Zinsersparnis, Exportüberschuss oder niedrige Inflation: Jeder Vorteil hat auch eine riskante Kehrseite.

John Beck spricht für gewöhnlich in feinstem Oxford-Englisch. Aber der Anleiheexperte aus London spricht auch gut Deutsch: Er hat mehrere Jahre in Düsseldorf gelebt, sein Vater stammt aus Deutschland. Der Brite glaubt an die Zukunft Europas – wenn die Europäer zu einer politischen Union bereit sind.

John Beck: Der Anleihestratege ist Director of Fixed Income bei Franklin Templeton in London. PR

John Beck: Der Anleihestratege ist Director of Fixed Income bei Franklin Templeton in London.

Bei den Europawahlen haben die Euro-Kritiker viele Stimmen gewonnen. Was bedeutet das für Sie als Investor?
Wir haben damit gerechnet, dass es viele Protestwähler geben wird, nicht nur für die Alternative für Deutschland, sondern auch für die UKIP in Großbritannien und die Front National in Frankreich. Eine Überraschung ist das nicht.

Welches Signal geht davon aus?
Der Ausgang der Wahl in Großbritannien und Frankreich zeigt, dass die Menschen mit der wirtschaftlichen Situation in ihren Ländern unzufrieden sind. Das ist ein klares Signal an die europäische Politik – und wahrscheinlich auch an die Europäische Zentralbank –, mehr Wachstum in Europa zu schaffen.

Der politische Wille, die Währungsunion zu erhalten, war bislang groß. Wie sehr kann man sich noch darauf verlassen?
Dieser Wille bleibt stark. Durch die Wahlen hat sich daran nichts geändert. Die Botschaft dieser Wahl lautet aus meiner Sicht nicht, dass man die EU oder den Euro abschaffen will. 

Neun Klischees über die EU – und die Wahrheit dahinter

Bürokratiemonster Brüssel

Die EU gilt vielen als Verwaltungsmoloch. Mit rund 33.000 Mitarbeitern beschäftigt die EU-Kommission in etwa so viele Menschen wie die Stadtverwaltung München.

Debattierclub ohne Macht

Seit der Einführung direkter Europawahlen 1979 hat das EU-Parlament deutlich mehr Einfluss gewonnen. Die Abgeordneten bestimmen über die meisten Gesetze mit, haben das letzte Wort beim Haushalt und wählen den Kommissionspräsidenten.

Deutschland als EU-Zahlmeister

Deutschland leistet den größten Beitrag zum EU-Haushalt. 2012 zahlte Berlin netto 11,9 Milliarden Euro. Gemessen an der Wirtschaftsleistung sind Dänemark oder Schweden aber noch stärker belastet.

Bedrohliche Erweiterungen

Zehn Jahre nach der Osterweiterung erweist sich die Angst vor dem „Klempner aus Polen“ als unbegründet. Stattdessen wächst die Wirtschaft in den neuen Mitgliedstaaten.

Außenpolitische Tatenlosigkeit

Neue Sanktionen gegen Russland beweisen: Die EU spielt eine Rolle in der Ukraine-Krise - ebenso wie bei anderen Krisenherden in aller Welt. Den EU-Staaten fällt es dennoch oft schwer, in der Außenpolitik mit einer Stimme zu sprechen.

Die Krümmung von Gurken

Bereits seit 2009 abgeschafft, lastet die „Verordnung (EWG) Nr. 1677/88“ noch wie ein Fluch auf Brüssel. Die Vorschrift setzte Handelsklassen für das grüne Gemüse fest und gilt als Paradebeispiel für die Regulierungswut von Bürokraten.

Die EU ist viel zu teuer

Im Jahr 2014 verfügte die EU insgesamt über mehr als 130 Milliarden Euro. Das ist viel Geld, entspricht aber nur rund einem Prozent der Wirtschaftsleistung der Staaten.

Überbordende Agrarsubventionen

Die Landwirtschaft macht einen sehr großen, aber kleiner werdenden Teil des EU-Haushalts aus. Der Agrar-Anteil am Budget ist in den vergangenen 30 Jahren von 70 auf rund 40 Prozent geschrumpft.

Überbezahlte Parlamentarier

Die EU-Abgeordneten erhalten monatlich zu versteuernde Dienstbezüge von 8020,53 Euro. Hinzu kommen stattliche Vergütungen etwa für Büros, Mitarbeiter und Reisen. Ein Bundestagsabgeordneter erhält 8252 Euro, ebenfalls plus Zulagen.

Manche sehen in EZB-Präsident Mario Draghi den Einzigen, der den Euro zusammenhalten kann. Wird es künftig noch stärker auf ihn ankommen?
Ich bin mir sicher, dass sich Mario Dragi selbst nicht so sieht. Es könnte allerdings sein, dass die Notenbank künftig stärker unter Druck von außen geraten wird, etwas für das Wachstum in Europa zu tun.

Unter politischen Druck?
Möglicherweise. Solange die Inflation niedrig bleibt, kann es sich die EZB durchaus leisten, etwas mehr Risiken einzugehen.

Draghi und andere führende Währungshüter haben durchblicken lassen, dass sie bei der nächsten Ratssitzung am 5. Juni handeln werden. Was könnte das heißen?
Ich versuche das gar nicht erst zu erraten. Es bringt nichts, vorherzusagen, was genau an einem bestimmten Tag passieren wird. Die Richtung ist allerdings klar.

Und die wäre?
Die Inflationsrate in der Euro-Zone liegt bei 0,7 Prozent und droht weiter zu fallen. Die EZB muss handeln, um die Gefahr einer Deflation abzuwenden. Sonst droht der Euro-Zone eine dauerhafte Krise wie in Japan.

Kommentare (46)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.05.2014, 10:40 Uhr

"Umgekehrt kann es sich Deutschland leisten, einen Teil der Schuldenlast stärker verschuldeter Mitgliedstaaten zu übernehmen."
---
Was wir uns theoretisch leisten könnten, ist eine Sache. Eine andere ist, daß es eine Frechheit ist, daß der deutsche, arbeitende Bürger für die Verschwender des Club Med geradestehen soll.
Wie hieß es auf dem Wahlplakat der Union 1999?

http://newsbote.com/wp-content/uploads/2013/05/was-kostet-euro-cdu-wahlplakat.jpg

Einfach mal *ganz genau* hinsehen!
Ich stehe auch nicht für die Schulden meines Nachbarn gerade. Punkt.
Es muß wieder heißen: "No Bail Out!" Und zwar eisern ohne wenn und aber. Ob dabei Club Med Staaten pleite gehen, ist irrelevant. Auf "Kunden", die Waren ohnehin nur auf Pump ohne zu bezahlen kaufen, können wir verzichten! Denn das Geld sieht Deutschland nie wieder!

http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:TARGET2_balances.png

Account gelöscht!

27.05.2014, 10:46 Uhr

Vor allem hat weder Deutschland, noch Europa, noch die EZB eine Verpflichtung irgendwelchen Investoren den A... zu retten!!! Und darum geht es hier doch!

Allerdings ist es schon brilliant, wie die Herren unseren Politikern die "Logik"-Kette Bankenrettung=Eurorettung=Europarettung=Wirtschaftsrettung verkauft haben. Das stimmt halt nicht, aber wen interessierts...

Account gelöscht!

27.05.2014, 10:48 Uhr

„Deutschland hat eine Verpflichtung gegenüber Europa“

GENAU DIESE:

- überall freiwillig der Depp und der Zahlmeister sein ohne aufmucken.

- ferngesteuert von Welt-Geld-Elite ständig für neues Geld zu Sorgen, damit die Aktienmärkte weiter "aufblähen" können

- jeden Staats-Anleihe-Schrott an den deutschen Steuerzahler weiterzugeben und die Generationen danach

- selbstlos und identitätslos zu sein als ängstlicher "EU Bürger" und billiger Londumping-Lemming

Danke Genscher ! "MEEEEEHR EUROPAAAA" - jetzt haben wir die Quittung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×