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31.07.2014

13:24 Uhr

Investor Paul Singer

Argentiniens Staatsfeind Nummer eins

VonJörg Hackhausen

„Geier“, „gieriger Spekulant“ – das sind noch nette Bezeichnungen für Paul Singer. Der Hedgefonds-Manager gilt als der Mann, der Argentinien in die Pleite getrieben hat. Er eignet sich hervorragend als Sündenbock.

Paul Singer, Gründer des Hedgefonds Elliott Management, gilt als unerbittlicher Investor. Bloomberg

Paul Singer, Gründer des Hedgefonds Elliott Management, gilt als unerbittlicher Investor.

DüsseldorfDer Pleitegeier hat ein Gesicht: Graues Haar, grauer Vollbart, runde Brille, strenger Blick. Es ist das Gesicht von Paul Singer, Hedgefonds-Manager und Milliardär. Seit heute gilt er als der Mann, der Argentinien in die Pleite getrieben hat.

Singer ist Wortführer einer Gruppe von Investoren, die das südamerikanische Land auf Rückzahlung von Schulden in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar verklagt hatten. Argentinien verweigerte die Zahlung. Die Hedgefonds lehnten einen Kompromiss ab. Die Frist, doch noch zu einer Einigung zu kommen, ist in der vergangenen Nacht abgelaufen. Damit wird das Land zum zweiten Mal innerhalb von 13 Jahren offiziell als zahlungsunfähig eingestuft

Die Argentinier sehen in Singer den Hauptschuldigen ihrer Misere. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner geißelte ihn und seine Mitstreiter als „Geierfonds“. Kein Präsident einer souveränen Nation könne sein Land einer solchen Erpressung unterwerfen. In einer beispiellosen Aktion schaltete die argentinische Regierung weltweit ganzseitige Zeitungsanzeigen. Singer sei ein „gieriger Spekulant“, hieß es darin.

Wie Argentinien in die Hand der Hedgefonds geriet

Gescheiterte Verhandlungen

2014 waren die Verhandlungen mit den Hedgefonds gescheitert, Argentinien konnte die Staatspleite nicht abwenden. Wie konnte es soweit kommen und wer war schuld?

Worum ging es bei diesem Schuldenstreit genau?

Buenos Aires lag seit Jahren mit den US-Hedgefonds NML Capital und Aurelius im Clinch. Die Investoren um den New Yorker Milliardär Paul Singer hatten sich mit argentinischen Staatsanleihen eingedeckt, als diese wegen ihres hohen Ausfallrisikos stark im Kurs gesunken waren. Dann hatten sie auf volle Rückzahlung geklagt. Argentinien wollte die Hedgefonds aber auf keinen Fall bedienen. „Keinen Cent für die Aasgeier“, lautete das Motto der damaligen Präsidentin Cristina Kirchner.

Wie konnte Argentinien zahlungsunfähig sein, wenn es genug Geld hatte?

Die Schulden, um die gestritten wurde, resultierten noch aus der Staatspleite von 2001. Damals fehlten die Mittel, um laufende Rechnungen zu bezahlen. Etwa 93 Prozent der Gläubiger akzeptierten angesichts der aussichtslosen Lage einen massiven Forderungsverzicht, um nicht völlig leer auszugehen. Die Hedgefonds jedoch klagten erfolgreich dagegen, Verluste hinnehmen zu müssen. Weil Argentinien sich weigerte, sie auszuzahlen, durfte es laut einem Gerichtsurteil auch andere Anleihen nicht bedienen. Dies nennt man „technische Zahlungsunfähigkeit“.

Wie konnten zwei Fonds ein ganzes Land in die Knie zwingen?

Ein entscheidender Faktor war, dass Argentinien sich entschieden hatte, seine Anleihen in US-Dollar unter amerikanischem Recht auszugeben. Das ist durchaus üblich, wenn Länder, die wenig Vertrauen an den Finanzmärkten genießen, ihre Schuldpapiere für internationale Anleger attraktiver machen wollen. Für Argentinien hatte dies aber zur Folge, dass es sich mit den Hedgefonds vor US-Gerichten auseinandersetzen musste. Der zuständige New Yorker Bezirksrichter Thomas Griesa schlug sich auf die Seite von Singer und Co und verdonnerte Argentinien, Schulden über mindestens 1,5 Milliarden Dollar bei den Hedgefonds zu begleichen. Solange das nicht geschehe, wollte er Zahlungen an andere Anleihehalter blockieren.

Weshalb wollte Argentinien partout nicht bezahlen?

Argentinien verweigerte sich nicht allein aus Sturheit, es gab auch rationale Gründe: Wenn Buenos Aires die Forderung damals in voller Höhe beglichen hätte, wäre eine Vertragsklausel zum Zuge gekommen. Diese hätte das Land verpflichtet, auch denjenigen Gläubigern, die nach der Staatspleite von 2001 den Forderungsverzicht in Kauf genommen hatten, dieselben Konditionen wie den Hedgefonds einzuräumen. Damit wären nach Darstellung der Regierung bis zu dreistellige Milliarden-Beträge fällig gewesen. Dann wäre das Land wirklich pleite. „Das wäre ein Horror für die Argentinier“, sagte Wirtschaftsminister Axel Kicillof.

Die Einigung

15 Jahre nach der Staatspleite, im Februar 2016, kommt die kaum noch für möglich gehaltene Einigung: Nach Angaben des Schlichters Pollack bekommen die Hedgefonds Elliott, Aurelius und ihre Verbündeten rund 75 Prozent ihrer aufgelaufenen Forderungen ausbezahlt. Das ist weniger als verlangt, aber mehr als die meisten anderen Gläubiger erhalten haben.

Der berüchtigte Ruf, der dem Investor aus New York vorauseilt, kommt nicht von ungefähr. Der 69-Jährige steigt ein, wenn andere Anleger aussteigen. Er investiert mit Vorliebe in bankrotte Unternehmen und klamme Staaten. Seine Forderungen setzt der gelernte Jurist anschließend mit allen Mitteln durch, notfalls vor Gericht.

Als Argentinien im Jahr 2001 vor der Pleite stand, war der Moment für Singer gekommen. Nachdem die Kurse für argentinische Staatsanleihen eingebrochen waren, investierte sein Fonds NML Capital knapp 50 Millionen Dollar in die Papiere. Den Schuldenschnitt, den Argentinien in der Folge mit den meisten Investoren aushandelte, verweigerte Singer. Er und einige andere Fonds führten stattdessen einen jahrelangen Rechtsstreit, bei dem sie auf die volle Rückzahlung plus Zinsen pochten. Zwischenzeitlich ließ er ein Segelschulschiff der argentinischen Marine vor der ghanaischen Küste als Pfand festsetzen.

Ein Bundesgericht in New York sprach ihm und einem weiteren US-Hedgefonds im Jahr 2012 schließlich 1,3 Milliarden Dollar zu, Mitte Juni lehnte der Supreme Court in Washington eine letzte Beschwerde des südamerikanischen Landes ab. Das Gericht ordnete an, dass Argentinien zunächst diese Schulden tilgen muss, ehe es all jene Gläubiger bedienen darf, die sich an dem Schuldenschnitt beteiligt haben. Anders ausgedrückt: Zahlt das Land in dem einen Fall nicht, darf es auch in anderen Fällen nicht zahlen – und ist damit faktisch zahlungsunfähig.

Kommentare (44)

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Herr Josef Schmidt

31.07.2014, 13:42 Uhr

Wer sich auf Staatskosten bereichern will gehört eingesperrt.

Diese Fonds tun nichts ausser die Mehrheit einer Pleiteanleihe für wenig Geld zu zu kaufen und dann die Staaten zu erpressen in dem sie keinem Vergleich zustimmen und durch US Gerichte auf 100% Auszahlung zu bestehen.

Ausserdem zahlen sie auch keine Steuern weil sie sich auf Cayman verstecken.

Solche Geschöpfe nennt man in der Natur Parasiten.

Herr richard roehl

31.07.2014, 13:56 Uhr

Auch nennt man Leute Parasiten, die über ihre Verhältnisse leben, dazu andere anschnorren, und dann ihre Schulden nicht zurückzahlen, also auf Kosten anderer Leben. Wenn sie sich dadurch in die, wenn auch nur potentielle, Abhängigkeit anderer Parasiten begeben - selber Schuld!

Herr Uwe Reissner

31.07.2014, 13:57 Uhr

Kannst du doch auch. Das ist jedem sein Recht. Kostolany hat uralte Zarenanleihen gekauft und damit enorme Gewinne eingefahren.
Nur weil Gläubiger aus Angst die Anleihen verkaufen, Andere billig, unter einem höheren Risiko einkaufen,verlieren sich die Schulden nicht.

Ich begreife nicht, warum soviele erpicht sind, die DDR 2.0 wieder auferstehen zu lassen.

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