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27.12.2012

16:59 Uhr

Investoren optimistisch

Italien-Anleihen weiter auf Zwei-Jahres-Tief

Italienische Anleihen dürften die derzeitige politische Ungewissheit wohl überstehen. Die weiterhin niedrigen Renditen spiegeln Experten zufolge das Vertrauen der Investoren in die Rally am Anleihenmarkt wider.

Die politische Unruhe in Italien konnte der Rally am Anleihenmarkt bislang nichts anhaben. dapd

Die politische Unruhe in Italien konnte der Rally am Anleihenmarkt bislang nichts anhaben.

Die Renditen italienischer Staatsanleihen verharren auf einem Zwei-Jahres-Tief. Nach Ansicht von Experten ist dies ein Hinweis darauf, dass Investoren auf eine Fortsetzung der Rally vertrauen, die mit Mario Montis Ernennung zum Ministerpräsidenten begann. Dies gelte auch für die Zeit nach der Parlamentswahl, deren Ausgang nur schwer vorhersagbar ist.

Monti erklärte auf einer Pressekonferenz am 23. Dezember, er werde bei der Wahl am 24. und 25. Februar nicht kandidieren. Gleichzeitig machte er deutlich, dass er “in Erwägung ziehen” würde, sich als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten zur Verfügung zu stellen - für eine Partei, die sich sein Wirtschaftsprogramm zu eigen mache.

Der Regierungschef, der einem Kabinett aus parteilosen Fachleuten vorsteht, sagte, neben den Garantien der Europäischen Zentralbank habe auch seine Wirtschaftspolitik dazu beigetragen, die Rendite auf zehnjährige italienische Staatsanleihen seit seinem Amtsantritt vor mehr 13 Monaten um über 250 Basispunkte zu senken.

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Montis Ankündigung erfolgte wenige Wochen nachdem der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Entscheidung, aus dem Rennen zu bleiben, zurückgenommen hatte, bevor er anbot sich doch zurückzuziehen, falls Monti eine Koalition der “Gemäßigten” anführe. Berlusconi macht mittlerweile Wahlkampf gegen die Regierung Monti. Beide bemühen sich, die wachsende Zustimmung für den zum Anti-Sparkurs-Politiker mutierten Komiker Beppe Grillo einzudämmen.

“Eine Wahl mit derart ungewissem Ausgang hat es in der gesamten Nachkriegsära nicht gegeben”, sagte Federigo Argentieri, Professor für Politikwissenschaften an der John Cabot Universität in Rom, am 23. Dezember in einem Telefoninterview.

Die politische Unruhe hat die Rally am Anleihenmarkt nicht beeinträchtigt, die die Rendite auf zehnjährige Italien-Bonds vergangene Woche auf 4,35 Prozent gedrückt hat, den niedrigsten Wert seit Dezember 2010. Am 16. November vergangenen Jahres, als Monti seinen Amtseid ablegte, betrug die Rendite etwa 7 Prozent.

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Die Risikoprämie, die Investoren für italienische Papiere im Vergleich zu Bundesanleihen verlangen, hat sich bis 19. Dezember auf 289 Basispunkte verringert. Im November 2011 betrug der Spread 519 Basispunkte.

“Bis dato ist der Einfluss der aktuellen politischen Entwicklungen auf den Markt für italienische Staatsanleihen gedämpft”, wie die Barclays-Analysten Fabio Fois und Giuseppe Maraffino in einer Nachrichten an die Kunden am 24. Dezember schrieben. ”Die Nachfrage der Investoren ist über alle Laufzeiten hinweg fest und auf einer breiten Investorenbasis aufgebaut.”

Die Sparmaßnahmen haben einen Großteil der Wähler zu Beppe Grillos Anti-Spar-Bewegung getrieben. Bei einer Wahl würde sie 18 Prozent erreichen, wie aus einer Umfrage hervorgeht, die ISPO Ricerche am 10. Dezember durchgeführt hat. Die Koalition dreier Zentrumsparteien, die eine Pro-Monti-Kampagne durchführen, erreichte weniger als zehn Prozent.

Berlusconis Popolo della Libertà erreichte 16 Prozent, der Partito Democratico, der Monti ebenfalls unterstützt hat, 33 Prozent - was wohl nicht ausreichen würde, um eine regierungsfähige Mehrheit im Parlament zu erlangen.

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Ein Wahlergebnis ohne klare Mehrheit könnte Montis bester Weg zu einer zweiten Amtsperiode sein. Das italienische Wahlrecht macht es jeder Partei schwer, eine Mehrheit im Senat zu erlangen - selbst wenn sie die Kontrolle über die Abgeordnetenkammer erlangen. Die Wahl könnte daher zu einer Pattsituation führen.

Ein solches Ergebnis könnte eine Art großer Koalition erzwingen, in der sich Monti-Parteigänger aus dem Partito Democratico und aus Berlusconis Partei mit den Monti-treuen Zentrumsfraktionen verbünden, argumentiert Professor Argentieri.

“Wir werden eine Regierung bekommen, die für den Markt akzeptabel ist”, sagte Luca Jellinek, Leiter europäische Festzinsstrategie bei Credit Agricole Corporate & Investment Bank, in einem Telefoninterview am 18. Dezember. “Die sogenannte Monti-Agenda hat Fortschritte erzielt, ist aber nicht abgeschlossen. Italienische Anleiherenditen werden weiter fallen.”


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