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25.11.2012

10:29 Uhr

Investoren verdienen kräftig

Riesenrendite mit Ramsch - dank Draghi

Die Staatsschuldenkrise hat Investoren eine einmalige Gelegenheit beschert. Sie verdienen kräftig mit Ramschanleihen aus Krisenstaaten. Bedanken sollten sie sich dafür bei Mario Draghi.

Geld verdienen mit Müll: Das ist Investoren in Europa gelungen. dpa

Geld verdienen mit Müll: Das ist Investoren in Europa gelungen.

Mit Bundesanleihen lässt sich nichts mehr verdienen. Für zweijährige Papiere liegt die Rendite bei 0,004 Prozent. Das hat die Bezeichnung "Rendite" eigentlich gar nicht verdient. Nicht viel besser sieht es mit Anleihen von Unternehmen aus, die als sicher gelten. Wer dagegen voll ins Risiko geht, wird dafür belohnt. Ramschanleihen aus Europa haben in diesem Jahr 23 Prozent zugelegt und dazu noch hohe Zinsen abgeworfen. Besonders lukrativ: Unternehmensanleihen aus den Krisenländern und die Bonds von Banken.

Anleihen

Staats- und Unternehmensbonds

Eine Staats- oder Unternehmensanleihe ist ein Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen. Die jährliche Zinszahlung ist eine Risikoprämie, der Zinskupon.

Rendite

Wie hoch die Rendite ist, errechnet sich aus diesem Kupon und dem Kurs der Anleihe. Denn sie kann oberhalb oder unterhalb ihres Nennwertes, der in der Regel bei 100 Prozent liegt, notieren. Bei Kursen unter 100 Prozent steigt die Rendite, bei Kursen darüber sinkt sie.

Risiko

Grundsätzlich gilt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Orientierungshilfen, um das Ausfallrisiko einzuschätzen, sind die Noten der Ratingagenturen. Die Mehrheit der Anleihen wird von S&P, Moody’s und Fitch bewertet. Die Skala reicht von „AAA“ (höchste Bonität und so gut wie kein Ausfallrisiko) bis „C“ beziehungsweise „D“ (Zahlungsverzug).  

Investment Grade oder High Yield

Am Markt wird unterschieden zwischen Investment Grade – bis einschließlich „BBB-“ – und Non-Investment Grade, auch High Yield genannt – ab „BB+“.

Die Staatsschuldenkrise hat Investoren eine einmalige Gelegenheit beschert. Bedanken sollten sie sich dafür bei Mario Draghi. Der Chef der Europäischen Zentralbank hat dafür gesorgt, dass europäische Unternehmen, wenn nicht sogar Staaten reihenweise pleitegehen. Indem er unbegrenzt billiges Geld zur Verfügung stellte, hielt er etwa die Banken am Leben, sodass diese weiter fleißig ihre Gläubiger bedienen konnten.

Als Ramschanleihen oder Hochzinsanleihen werden Papiere bezeichnet, die von den Ratingagenturen als besonders riskant eingestuft werden. Am Markt wird unterschieden zwischen Investment Grade – mit einem Rating bis einschließlich „BBB-“ – und Non-Investment Grade, auch Ramsch genannt – ab „BB+“. Ramschanleihen werfen höhere Renditen ab, bergen in der Regel aber auch höhere Risiken. Die EZB hat diese Regel außer Kraft gesetzt. Durch ihre Einmischung hat sie den Investoren das Risiko abgenommen.

Anleiheindizes

Europäische Hochzinsanleihen

Der Markit iBoxx € Liquid High Yield 30 Index bildet die 30 liquidesten und nichtstaatlichen Hochzinsanleihen ab, die in Euro notiert sind.

Emerging-Markets-Anleihen

Der Markit  iBoxx  $ Liquid Emerging Markets Sovereigns enthält Anleihen von Staaten, die nach den Kriterien der Weltbank zu den Emerging Markets zählen. Pro Land können maximal zwei Anleihen in den Index aufgenommen werden. Ausgewählt werden dabei die jeweils liquidesten Titel. Alle im Index enthaltenen Anleihen notieren in US-Dollar.

Staatsanleihen aus der Euro-Zone

Der Euro MTS Investment Grade Euro-Zone Government Bond All-Maturity Index setzt sich aus Staatsanleihen der Mitgliedstaaten der europäischen Währungsunion zusammen.

Staatsanleihen aus der Euro-Zone mit bester Bonität

Der Euro MTS AAA Euro-Zone Macro Weighted Index All Maturity Index beeinhaltet Staatsanleihen der Mitgliedstaaten der Euro-Zone, die mindestens von zwei Ratingagenturen ein AAA Rating aufweisen. Die Indexgewichtungen werden mittels folgender fundamentaler Faktoren feinadjustiert: Schuldenquote, Leistungsbilanz, Wachstum des Bruttoinlandsproduktes und langfristiger Zinssatz.

Unternehmensanleihen mit guter Bonität

Der Markit iBoxx Euro Liquid Corporates Index bildet 40 in Euro notierte Unternehmensbonds mit Investment Grade ab.

Pfandbriefe

Der Anleiheindex Euro MTS Convered Bond Aggregate bündelt Euro-notierte Pfandbriefe nicht staatlicher Emittenten, deren Schuldnerqualität mit AAA (Standard & Poor's, Moody's) bewertet wird. Die Pfandbriefe sind mit Grundpfandrechten, Hypotheken oder öffentlichen Anleihen besichert und haben eine Restlaufzeit von mindestens einem Jahr.

Inflationsgebundene Staatsanleihe

Der Euro MTS Investment Grade Eurozone Inflation-Linked Bond Index setzt sich aus inflationsgebundenen Staatsanleihen der Mitgliedstaaten der Euro-Zone zusammen, die ein Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro und eine Laufzeit von mindestens einem Jahr haben.

Begehrt sind vor allem die "Gefallenen Engel". So werden Unternehmen bezeichnet, die zuvor noch als sicher eingestuft, und dann auf Ramschniveau abgestuft worden sind. Die Mehrheit dieser so genannten gefallenen Engel sitzt laut S&P in Europa, und zwar 22 von 37 weltweit. Die Hälfte der europäischen gefallenen Engel sind Banken.

Im November verzeichneten Ramschanleihen mit den höchsten Bonitätsnoten die beste Entwicklung, wie Daten von Bank of America Merrill Lynch zeigen. Spitzenreiter in dem Monat war Barclays, die zweitgrößte britische Bank, mit einem Plus von 4,9 Prozent, gefolgt von der französischen Sparkasse BPCE, mit 3,8 Prozent Ertrag.

Kommentare (6)

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AdolfderEroberer

25.11.2012, 15:54 Uhr

"Investoren verdienen kräftig mit Ramschanleihen aus Krisenstaate" und was hindert uns es denen gleich zu machen, dadurch würden die Rendite für diese Anleihen sinken, Investoren würden nicht mehr prächtig verdienen und die Schuldenkrise wäre endlich überwunden.
Ist das nicht einfach Draghi-bashing à la Deutschland über alles?

Account gelöscht!

25.11.2012, 15:54 Uhr

Der Autor wirft hier unqualifiziert verschiedene Assetklassen wie Staats-und Unternehmensanleihen in einen Topf. Die Eigner griechischer Anleihen haben sicher nicht kräftig verdient, von den letzten 3 Monaten vielleicht abgesehen, ob das aber dauerhaft ist, darf sicher bezweifelt werden

DeutscherMichel

25.11.2012, 16:08 Uhr

"Ramsch - dank Draghi" sollte man so einen Artikel und Überschrift nicht als Ramsch melden?
Ich denke in der HB wird nur für deutsch-nationale noch geschrieben, kein wunder dass die meisen Kommentare auch aus dieser Kloake zu kommen scheinen.

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