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16.11.2012

13:40 Uhr

Investoren verkaufen

Raus aus Unternehmensanleihen

Große Investoren wie Pimco oder die Deutsche Bank verkaufen Unternehmensanleihen. Dabei hatten ihnen die in diesem Jahr „bemerkenswerte“ Erträge beschert. Was dahinter steckt - und was die Investoren stattdessen kaufen.

Die Skyline von Frankfurt am Main. Investoren wie die Deutsche Bank ziehen sich aus Unternehmensanleihen zurück. ap

Die Skyline von Frankfurt am Main. Investoren wie die Deutsche Bank ziehen sich aus Unternehmensanleihen zurück.

Investoren stoßen massiv Unternehmensanleihen an. Aus börsengehandelten Fonds (ETF), die Unternehmensanleihen halten, ziehen sie so viel Geld ab wie seit sechs Monaten nicht mehr, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Der ETF von Pacific Investment Management Co. (Pimco) hat seine Bestände an Unternehmenspapieren zugunsten von Staatsanleihen reduziert.

Die Nachfrage nach Firmenbonds schwächt sich ab, weil die Investoren einen Einbruch der US-Konjunktur fürchten. Da die US-Politik bisher keine Vereinbarung erreicht hat, um automatische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen von etwa 600 Milliarden Dollar zu vermeiden, die die noch nicht gefestigte Konjunkturerholung abwürgen könnten. Ohne einen Kompromiss droht dem Land nach Einschätzung von JPMorgan Chase eine weitere Rezession, vier Jahre nachdem die Finanzkrise die schlimmsten Verluste bei Unternehmensanleihen verursacht hatte.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

„Es ist kaum ein Katalysator in Sicht, der Risiko- Vermögenswerte auf kurze Sicht anschieben könnte“, sagt Bonnie Baha von DoubleLine Capital. „Wir verzichten lieber auf ein bisschen mehr Ertrag als dass wir in einem ungünstigen Marktumfeld Portfolios neu ausrichten müssen.“

Der Total Return ETF von Pimco hat den Anteil seiner Unternehmensanleihen im vergangenen Monat um mehr als drei Prozentpunkte auf 18,9 Prozent seiner Bestände reduziert, zeigen Bloomberg-Daten.

Der Junkbond ETF von BlackRock, der größte seiner Art, hat vor zwei Tagen die größten Abflüsse seiner Geschichte berichtet. Der Investmentgrade Bond-ETF der Gesellschaft verzeichnete in den vier Tagen bis zum 13. November die größten Abflüsse seit März.

Die Risikoaufschläge bei Bonds sind in diesem Monat weltweit um fünf Basispunkte gestiegen, nachdem sie in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 122 Basispunkte gefallen waren, zeigen Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch. Die Papiere haben dieses Jahr 11,3 Prozent zugelegt, der größte Anstieg seit 2009, was die Renditen auf Rekordtiefs gedrückt hat.

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Nach den „bemerkenswerten“ Erträgen bei Unternehmensanleihen in diesem Jahr „ist der Anreiz weitere Risiken bis zum Jahresende einzugehen niedrig, auch angesichts der Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Fiskalklippe”, schrieb Richard Salditt, Kreditstratege bei der Wertpapiertochter der Deutschen Bank in einer Mitteilung an Kunden. „Wir sehen nun eine größere Wahrscheinlichkeit für eine moderate Korrektur der Kreditspreads.”

Kommentare (2)

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steuermichl

16.11.2012, 14:12 Uhr

Anleihen von Heidelberger Zement oder Fresenius liegen auf Höchstkursen, da sind Renditen von gut 4% keine Seltenheit, und das bei Junk Bonds mit BB-Rating. High-Yield war durch die LTRO`s der Zentralbanken leicht verdientes Geld, aber neigte zuletzt zur Blasenbildung. Klar das das einem Ende zugeht, wenn die Rezession kommt.

Republikaner

16.11.2012, 14:42 Uhr

corporate Bonds mit Ausrichtung Europa waren der Bringer in diesem Jahr. Daß die Party nicht ewig weitergeht ist bei nachlassender Konjunktur klar; dennoch fehlen mir die Alternativen. Staatsanleihen? Pfui Teufel!

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