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04.09.2014

09:55 Uhr

IPO-Experte Jens Hecht

Das perfekte Timing für den Börsengang

VonJessica Schwarzer

Zalando macht es vor. Wer folgt? Die Stimmung für Börsengänge ist gut, findet Jens Hecht. Im Interview verrät der Unternehmensberater, warum die Namen potenzieller Kandidaten wie Staatsgeheimnisse gehütet werden.

Beim Gang aufs Parkett geht es gerade für mittelständische Unternehmer um viel Geld. Was tun, wenn einem schwankende Märkte einen Strich durch die Rechnung machen? Getty Images

Beim Gang aufs Parkett geht es gerade für mittelständische Unternehmer um viel Geld. Was tun, wenn einem schwankende Märkte einen Strich durch die Rechnung machen?

Jens Hecht hat schon viele Börsengänge begleitet. Als Vorstand von Kirchhoff Consult berät er vor allem mittelständische Unternehmen beim Gang aufs Parkett. Im Interview mit Handelsblatt Online erzählt er, wie stark ein IPO das tägliche Geschäft eines Mittelständlers durcheinander wirbelt und welche Fallstricke es gibt.

Wann hat Sie zuletzt ein Kunde auf einen möglichen Börsengang angesprochen?
Das war erst vor kurzem, vor einer Woche, um genau zu sein.

Verraten Sie uns, wer das war?
Das ist noch streng geheim. Nur so viel: Es war ein Hidden Champion. Und das Unternehmen steht auch noch ganz am Anfang seiner Überlegungen.

Jens Hecht ist Vorstand der Firma Kirchhoff Consult, eine der führenden Agenturen für Finanz- und Unternehmenskommunikation in Deutschland. (Foto: Kirchhoff Consult)

Jens Hecht ist Vorstand der Firma Kirchhoff Consult, eine der führenden Agenturen für Finanz- und Unternehmenskommunikation in Deutschland.

(Foto: Kirchhoff Consult)

Andere Kunden sind sicher schon weiter.
Wir bereiten zurzeit einige Börsengänge konkret vor, aber wir sind noch nicht so weit, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Geben Sie uns einen Tipp?
Tut mir leid, auch da muss ich passen. Es sind mehrere Kandidaten, aus verschiedenen Branchen.

Aber einen Termin können Sie doch sicher nennen?
Wenn alles glatt geht, sollte der erste im Frühjahr soweit sein.

Was Sie über die Börsenkandidaten wissen sollten

Zalando

ZALANDO (Online-Versand von Schuhen und Bekleidung)

Zeichnungsfrist: bis 29. September 2014
Erstnotiz: 1. Oktober 2014
Eigentümer: Kinnevik (35,6 Prozent), Global Founders/Brüder Samwer (16,7 Prozent), Bestseller/Anders Holch Povlsen (10,5 Prozent), Juri Milner (8,1 Prozent), Holtzbrinck Ventures (7,6 Prozent), Tengelmann (5,6 Prozent) und weitere.
Bewertung: bis zu 5,6 Milliarden Euro
Volumen: 441 bis 633 Millionen Euro
Banken: Morgan Stanley, Goldman Sachs und Credit Suisse.

Rocket Internet

ROCKET INTERNET (Holding von jungen Internet-Unternehmen)
Zeichnungsfrist: 24. September bis 7. Oktober 2014
Erstnotiz: 9. Oktober 2014
Eigentümer: Brüder Samwer (52,3 Prozent), Kinnevik (18,1 Prozent), United Internet (10,4 Prozent), Philippine Long Distance Telephone (PLDT, 8,4 Prozent), Access Industries (Len Blavatnik, 8,3 Prozent), Holtzbrinck Ventures (2,5 Prozent)
Bewertung: bis zu 6,7 Milliarden Euro
Volumen: 1,34 bis 1,61 Milliarden Euro
Banken: JPMorgan, Morgan Stanley und Berenberg.

Tele Columbus

TELE COLUMBUS (Kabelnetzbetreiber)

Zeitpunkt: Herbst 2014

Eigentümer: mehrere Hedgefonds

Bewertung: mehr als 600 Millionen Euro

Volumen: rund 300 Millionen Euro

Banken: JPMorgan, Goldman Sachs

TLG Immobilien

TLG IMMOBILIEN (Gewerbeimmobilien in Ostdeutschland)

Zeitpunkt: Herbst 2014

Eigentümer: Lone Star

Bewertung: 1,5 Milliarden Euro (inklusive Schulden)

Volumen: rund 500 Millionen Euro

Banken: UBS, JPMorgan

Steinhoff

STEINHOFF (Möbelproduktion und -handel)

Zeitpunkt: nach dem 9. September

Eigentümer: börsennotiert, Gründer Bruno Steinhoff größter Aktionär

Bewertung: knapp 9 Milliarden Euro (Börsenwert)

Volumen: Wechsel von der Börse Johannesburg nach Frankfurt, Kapitalerhöhung im Juli durchgeführt, möglicherweise weitere Platzierung im Zuge des Wechsels des Börsenplatzes.

Banken: Kapitalerhöhung begleitet von Barclays, BNP Paribas, Citigroup, HSBC und Commerzbank

Hella

HELLA (Autoscheinwerfer-Hersteller)

Zeitpunkt: Herbst 2014 möglich

Eigentümer: Familie

Bewertung: rund 3,5 Milliarden Euro

Volumen: offen

Banken: Citi, Bankhaus Lampe

Armacell

ARMACELL (Dämmstoff-Hersteller)

Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015

Eigentümer: Charterhouse Capital Partners

Bewertung: mehr als 600 Millionen Euro

Volumen: rund 300 Millionen Euro

Banken: Deutsche Bank, Bank of America Merrill Lynch, BNP Paribas

Goodgame Studios

Online-Spielehersteller

Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015 möglich
Eigentümer: Gründer (Brüder Wawrzinek)
Banken: Bank of America Merill Lynch, Berenberg und Deutsche Bank

Scout24

SCOUT24 (Betreiber von Online-Marktplätzen)

Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015

Eigentümer: Hellman & Friedman (49 Prozent), Blackstone (21 Prozent), Deutsche Telekom (30 Prozent)

Bewertung: ca. 2 Milliarden Euro

Volumen: rund 400 Millionen Euro (für 20 Prozent der Anteile)

Banken: Goldman Sachs, Credit Suisse als Koordinatoren (erwartet)

Siemens Audiologische Technik

SIEMENS AUDIOLOGISCHE TECHNIK (Hörgeräte)

Zeitpunkt: Anfang 2015

Eigentümer: Siemens AG

Bewertung: ca. 2 Milliarden Euro

Volumen: möglicherweise als Spin-off mit Ausgabe von Aktien an Siemens-Aktionäre

Banken: Auswahl in Kürze erwartet

Axel Springer Digital Classifieds

AXEL SPRINGER DIGITAL CLASSIFIEDS (Online-Anzeigenbörse)

Zeitpunkt: Anfang 2015

Eigentümer: Axel Springer SE (70 Prozent), General Atlantic (30 Prozent)

Bewertung: rund drei Milliarden Euro

Volumen: offen

Banken: noch nicht ausgewählt

Douglas

DOUGLAS (Parfümerie, Einzelhandel)

Zeitpunkt: Frühjahr 2015

Eigentümer: Advent International und Familie Kreke

Bewertung: rund zwei Milliarden Euro

Volumen: offen

Banken: noch nicht ausgewählt

Hapag-Lloyd

HAPAG-LLOYD (Reederei)

Zeitpunkt: Herbst 2015

Eigentümer: (vor Vollzug der Fusion mit CSAV ) Stadt Hamburg (37 Prozent), Kühne Maritime (28 Prozent), TUI (22 Prozent), Signal Iduna (5 Prozent), HSH Nordbank (3 Prozent), M.M. Warburg & Co (2,9 Prozent) und HanseMerkur (1,8 Prozent), CSAV erhält zunächst 30, später 34 Prozent.

Bayer Material Science

Bayer Material Science: Kunststoffe
Zeitpunkt: Herbst 2015/Frühjahr 2016
Eigentümer: Bayer AG
Bewertung: bis zu 10 Milliarden Euro
Volumen: möglicherweise als Spin-off mit Ausgabe von Aktien an Bayer-Aktionäre

Warum werden die Namen potenzieller Börsenkandidaten wie Staatsgeheimnisse gehütet?
So ein Börsengang ist eine sensible Angelegenheit. Man geht so spät wie möglich mit der konkreten Ankündigung an die Öffentlichkeit. Das heißt aber nicht, dass man sich vor diesem Zeitpunkt verstecken sollte. Im Gegenteil: Wenn die Story des Unternehmens schon vorher kommuniziert wird, hilft das später beim Börsengang. Dann, wenn klar ist, dass sich der Termin nicht mehr verschiebt – aus welchen Gründen auch immer – werden die IPO-Pläne veröffentlicht.

Welche Gründe können das sein?
Die Unternehmen sind ganz unterschiedlich auf den Gang an den Kapitalmarkt vorbereitet. Sie müssen beispielsweise komplexe Unternehmensstrukturen bereinigen sowie ihr Rechnungswesen und ihr Controlling fit machen. Schließlich müssen sie künftig quartalsweise ihre Zahlen vorlegen. Wenn sie bereits Geldgeber wie Private-Equity-Investoren an Bord haben, sind sie meistens besser vorbereitet.

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