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29.06.2016

10:09 Uhr

IPO-Markt

Brexit verschärft Zurückhaltung bei Börsengängen

Bereits vor dem EU-Referendum in Großbritannien gab es weltweit wenig Börsengänge. Die Lust auf die Ausgabe von Aktien geht jetzt wohl noch weiter zurück. Erst Ende des Jahres dürfte sich eine Erholung zeigen.

Der Abschied Großbritanniens aus der EU senkt die Bereitschaft von Firmen, an die Börse zu gehen. dpa

Börsenhändler in Frankfurt

Der Abschied Großbritanniens aus der EU senkt die Bereitschaft von Firmen, an die Börse zu gehen.

FrankfurtBei Börsengängen herrscht weltweit Flaute. Im ersten Halbjahr wurden nur noch 437 Unternehmen an die Börsen gebracht, 38 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY am Mittwoch in ihrem „IPO-Barometer“ mitteilte. Die damit erzielten Erlöse brachen sogar um 61 Prozent auf 43 Milliarden Dollar ein - das war so wenig wie seit dem Finanzkrisen-Jahr 2009 nicht mehr.

Vor allem in China und den USA gingen die Emissionen drastisch zurück. Auch in Deutschland wagte sich kaum ein Unternehmen aus der Deckung: Vier Börsengänge brachten gerade einmal 320 Millionen Euro ein, wovon allein 271 Millionen auf den Windradbauer Senvion entfielen.

2015 hatte es in Deutschland noch Emissionen im Volumen von mehr als sieben Milliarden Euro gegeben. „Obwohl die Volatilität im zweiten Quartal über weite Strecken relativ gering war, und obwohl reichlich Kapital vorhanden ist, das nach Anlagemöglichkeiten sucht, warten viele Börsenkandidaten lieber ab, als in diesen unsicheren Zeiten den Schritt aufs Parkett zu wagen“, sagte EY-Listingexperte Martin Steinbach. Er hat die Hoffnung auf einen Schlussspurt noch nicht aufgegeben, zehn bis 15 Börsengänge seien in Deutschland nach wie vor möglich. Die Kandidaten für ein Initial Public Offering (IPO) müssten aber in der Lage sein, schnell zu reagieren.

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Der größte Börsengang weltweit war mit 2,6 Milliarden Dollar der des dänischen Windpark-Betreibers Dong Energy. Sechs der zehn größten Emissionen gingen in Europa über die Bühne. Der Brexit und die folgenden starken Schwankungen an den Börsen durchkreuzen aber die Pläne zahlreicher Kandidaten, und Finanzinvestoren entscheiden sich angesichts hoher Preise lieber für einen Verkauf ihrer Beteiligungen als für einen Börsengang. „Zum Jahresende hin und im kommenden Jahr könnte der IPO-Markt aber wieder kräftig an Dynamik gewinnen, sofern bis dahin mehr Klarheit über die zukünftigen Rahmenbedingungen herrscht“, sagte Steinbach.

Von

rtr

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