Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2016

10:49 Uhr

Iran und der Atomdeal

Ölpreis erschüttert Finanzmärkte im Nahen Osten

VonMartin Dowideit

Die Börsen in den arabischen Ländern liegen am Sonntag tief im Minus. Vor allem der anhaltende Verfall an den Rohstoffmärkten drückt auf die Kurse. Doch ein Land legt gegen den Trend zu.

Die Öl-Lagerbestände nehmen weiter zu. dpa

Fass um Fass um Fass

Die Öl-Lagerbestände nehmen weiter zu.

KölnDer saudische Aktienmarkt ist am Sonntag zum Handelsbeginn kräftig gestürzt. In den ersten Handelsminuten sackte der wichtigste Index Tadawul um sieben Prozent ab. Anders als in westlichen Ländern, ist in Saudi-Arabien wie in vielen Ländern des Nahen Ostens der Sonntag ein gewöhnlicher Handelstag.

Die Börse ist in dem muslimischen Land aber freitags geschlossen. Daher hatte die Börse den weltweiten Kursrückgang von Freitag noch nicht mitgemacht, als etwa der amerikanische Dow-Jones-Index 2,4 Prozent auf unter 16000 Punkte nachgegeben hatte. Zum Ende der Woche war der Ölpreis zeitweise auf unter 29 Dollar gefallen, so tief wie nie in den vergangenen zwölf Jahren.

Da der saudi-arabische Staatshaushalt sehr vom Ölmarkt abhängig ist, steht die Börse des Landes seit Monaten unter Druck. Der Tadawul notiert am Sonntag zeitweise bei 5433 Punkten und damit mehr als ein Drittel niedriger als zum selben Zeitpunkt des Vorjahrs. Erst im vergangenen Jahr war der Aktienhandel für ausländische Großinvestoren geöffnet worden, Kleinanleger aus anderen Staaten haben meist keinen Zugang zum Markt.

Die besten Anlagen 2015

Deutsche Staatsanleihen

Es war vor allem die Europäische Zentralbank die mit ihren Anleihekäufen die Kurse auch der deutschen Staatsbonds immer weiter nach oben trieb. Im Gegenzug sackten die Renditen. Zuletzt sind sie aber wieder gestiegen – so dass für Anleger mit Bundesanleihen nur magere Erträge aus Kursgewinnen und Zinsen blieben. Wer 100.000 Euro in einen Korb aus Bundesbonds steckte hat jetzt 100.310 Euro auf dem Konto. Das ist weniger als sich im Schnitt mit Tagesgeld erwirtschaften ließ.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr; Wertentwicklung ohne Transaktionskosten
Quelle: Bloomberg

Aktien Euro-Zone

Die Spreizung im Euro-Raum ist recht groß. Der größte Gewinner in diesem Jahr ist bislang die Börse in Dublin, die mehr als 30 Prozent zulegte. Die Indizes in Spanien, Luxemburg und vor allem in Griechenland und Zypern stürzten dagegen ab. Der Euro Stoxx 50 für die Standardwerte im Euro-Raum gewann 5,1 Prozent, somit wurden aus 100.000 Euro 105.100 Euro.

Deutsche Aktien

Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Dax gesteckt hat, kann sich über ein Plus von 10,26 Prozent, also von 10.260 Euro freuen Noch viel besser entwickelten sich Nebenwerte. Der MDax der mittelgroßen Aktien legte rund 23 Prozent zu, der TecDax 34 Prozent. Auch an anderen europäischen Börsen hatten die Small Caps oft die Nase vorn.

Amerikanische Staatsanleihen

Die Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember konnte US-Bonds bislang nicht viel anhaben. Unter dem Strich und im Mittel aller Laufzeiten sind die Kurse etwas höher als zu Jahresbeginn – und die Renditen entsprechend leicht gesunken. In Dollar gerechnet brachten US-Staatsanleihen Investoren so einen Gesamtertrag aus Zinsen und Kursgewinnen von gut einem Prozent. Da der US-Dollar jedoch deutlich zulegte, profitierten Euro-Anleger: Sie können sich 100.000 in US-Staatsanleihen angelegten Euro jetzt über einen Depotstand von 111.650 Euro freuen.

US-Aktien

Die US-Börsen haben sich von ihrem Einbruch im Sommer erholt – und nach jüngsten Spurt bislang ein mageres Jahresplus geschafft. Der gestiegene Dollar hilft aber Euro-Investoren, die nicht währungsgesichert in den USA angelegt haben. Der S&P 500 stieg in Euro gerechnet um 11,81 Prozent. Aus 100 000 Euro wurden bis kurz vor Jahresschluss 111.810 Euro.

Chinesische Aktien

Kaum eine Börse war so in den Schlagzeilen wie die chinesische. Bis zum Frühjahr stieg sie rasant – dann kam der Absturz. Dabei schreckten die Sorgen um eine Abschwächung der Wirtschaft der Volksrepublik die Investoren weltweit auf. Dennoch notierten der Leitindex Shanghai Composite immer noch deutlich fester als zu Beginn 2015 und auch der Yuan hat auf Jahressicht zum Euro zugelegt. So wurden aus 100.000 im Shanghai Composite angelegten Euro 116.980 Euro

Japanische Aktien

Die Notenbank pumpt weiter Geld in den Markt und das Reformprogramm von Ministerpräsident Shinzo Abe zur Ankurbelung der Wirtschaft greift – wenn auch langsamer als viele erwartet hatten. Entsprechend holprig ging es auch 2015 am japanischen Aktienmarkt zu. Unter dem Strich gilt jedoch: Der Nikkei 225 Index gewann 2015 gut neun Prozent. Gleichzeitig wertete der Yen zum Euro kräftig auf. 100.000 in den Index investierten Euro vermehrten sich deshalb auf 120.020 Euro.

Griechische Staatsanleihen

Auch sie verblüffen Investoren und gelten als zu riskant für eine seriöse Anlage. Im Sommer fürchteten die wenigen Anleger die noch griechische Bonds handeln den Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum. Die Kurse der Staatsbonds fielen drastisch. Sie erholen sich jedoch seit sich das dritte Hilfspaket für Hellas abzeichnet. Die Folge: Wer 100.000 Euro in griechische Staatsbonds verfügte hat jetzt 121.190 Euro.

Venezolanische Aktien

Die Börse in Caracas ist der Überraschungssieger des Jahres, und das obwohl die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge in der Rezession steckt. An der Börse werden jedoch nur sehr wenige Aktien gehandelt, die Umsätze liegen täglich bei meist nur ein paar tausend Dollar. Aktien sind aber für venezolanische Investoren eine Möglichkeit ihre Bolivar vor dem Wertverfall angesichts der Inflation von 160 Prozent zu retten. Außer den heimischen Investoren legt kaum jemand Geld in Caracas an. Dennoch: Theoretisch konnten Anleger 361.80 Euro verdienen, wenn sie Anfang des Jahres 100.000 Euro in Venezuelas Leitindex IBC investierten.

Doch auch der Zufluss von zusätzlichem Anlagekapital hält den Preisrutsch nicht auf. Deutlich mehr als fünf Prozent geht es am Sonntag auch an den Börsen in Abu Dhabi, Katar und Dubai abwärts. Der Bloomberg GCC 200 Index, der die wichtigsten Großunternehmen der Region umfasst, liegt fast sechs Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn hat das Barometer damit um ein Sechstel an Wert verloren.

Dax-Ausblick: Ein Fass ohne Boden?

Dax-Ausblick

Ein Fass ohne Boden?

Der fallende Ölpreis, Sorgen um China und Terrorängste belasten die Börsen. Viele Experten halten zwar an ihren positiven Einschätzungen fest, aber die Nervosität bleibt groß. Was Anleger in der kommenden Woche erwartet.

Der iranische Aktienmarkt kann sich am Sonntag diesem Trend entziehen. Der dortige Leitindex Tedpix liegt vormittags knapp ein Prozent im Plus bei fast 66.000 Punkten. Die internationale Atomenergiebehörde hatte am Wochenende dem Land attestiert, allen Verpflichtungen beim Abbau des Atomprogramms des Landes nachgekommen zu sein. US-Sanktionen gegen Iran wurden unmittelbar danach aufgehoben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×