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27.12.2013

16:05 Uhr

Islamische Anleihen

Von Gläubigen zu Gläubigern

Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es ihn so gut wie gar nicht. Heute boomt der Markt für islamische Finanzprodukte. Auch Europa versucht, an das Geld muslimischer Investoren zu kommen. Doch Deutschland bleibt außen vor.

Das Trade Centre in Dubai. Islamische Anleihen unterliegen den ethischen Regeln der Scharia. ap

Das Trade Centre in Dubai. Islamische Anleihen unterliegen den ethischen Regeln der Scharia.

DüsseldorfReligion und Investmentstrategien haben eines gemeinsam: Sie brauchen jemanden, der an sie glaubt. Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland glauben zwar an den Islam. Finanzprodukte, die den Regeln des Islams folgen, haben aber bisher kaum ihren Weg nach Deutschland gefunden.

Ein Beispiel solcher religiöser Anlageformen sind islamkonforme Anleihen, so genannte Sukuk. Mit ihnen finanzieren sich in der arabischen Welt Unternehmen und Staaten. Sukuk sind keine klassischen Anleihen. Weil das islamische Recht Scharia das Zahlen und Verlangen von Zinsen verbietet, haben sie eine Struktur, die dieses Verbot beachtet. Etwa Sukuk Al Ijara, sie ist die zweithäufigste Anleiheart und klassischen Bonds am ähnlichsten.

Dabei verkauft das Unternehmen reale Güter an den Herausgeber der Sukuk, in der Regel eine Bank. Später mietet es die Güter von der Bank zurück, zu einem höheren Preis als dem Kaufpreis. Die Bank wiederum begibt die Anleihe, um sich das für den Kauf der Güter notwendige Geld zu besorgen. Durch das Leasing-Geschäft mit dem Unternehmen entsteht ihr ein Gewinn, den sie mit den Investoren der Anleihe teilt. Zugleich werden die Investoren auch Miteigentümer der Güter, die der Anleihe zugrunde liegen. Sie haben dadurch indirekt Teil am Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens und tragen das Risiko für die Assets.

Das Geschäft mit Sukuk hat im vergangen Jahrzehnt ein starkes Wachstum erfahren: In diesem Jahr wurden allein im ersten Halbjahr weltweit Sukuk im Volumen von etwa 62 Milliarden US-Dollar emittiert, zeigen die Daten des Zentrum für Islamische Finanzen in Malaysia (MIFC). Rund 60 Prozent von ihnen werden in Malaysia platziert. Seinen Höhepunkt erreichte der Markt im Jahr 2012, als es Firmen und Unternehmen gelang, über 140 Milliarden Dollar über Sukuk einzusammeln.

Im laufenden Jahr ist das Wachstum zwar gebremst, im dritten Quartal wurden mit 23 Milliarden rund ein Fünftel weniger als im Vorjahr eingesammelt. Doch zum Vergleich: Noch im Jahr 2000 begaben Emittenten weltweit gerade einmal islamische Anleihen im Volumen von 400 Millionen US-Dollar.

EU: Keine restriktive Zinspolitik in Sicht

EU: Keine restriktive Zinspolitik in Sicht

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihre Niedrigzinspolitik vorerst fortsetzen. „2014 steht noch keine restriktive Geldpolitik auf der Agenda, sondern eher eine Konsolidierung der Bankenlandschaft“, sagt Wöhrmann.

Bankenunion wird Volatilitätstreiber

In den USA gelte sie nach mehr als 450 abgewickelten Finanzinstituten bereits als abgeschlossen. Das Schlagwort Bankenunion könne einer von vielen möglichen Volatilitätstreibern in Europa werden.

USA: Weniger Anleihekäufe

Die Fed sollte hingegen im ersten Quartal damit beginnen, die Geldpolitik wieder etwas anzuziehen. Über das so genannte Tapering werden die Notenbanker ihre Anleihekäufe zurückfahren.

Niedrigzinsgewinner: Emerging Markets

Nach einer eher volatilen Phase dürften sich dann im zweiten Halbjahr die Märkte beruhigen, wovon auch die Emerging Markets profitieren dürften. Eine Zinserhöhung in den USA dürfte erst wieder 2015 Thema werden.

Bonds: Anhaltende Renditeflaute

Die Situation an den Rentenmärkten ist nicht gerade einfach. Papiere aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Japan, dürften weiterhin nur sehr niedrige Renditen bringen, teilweise dürfte der Ertrag zwar nominal positiv, real aber negativ sein.

Nullzinsen für weitere zwei Jahre

Das Nullzinsumfeld am Geldmarkt werde noch etwa zwei Jahre anhalten. „2014 ist aktives Bonds-Management für erfolgreiches Investment auf den Anleihenmärkten wichtig“, sagte Stefan Kreuzkamp, Head Europe, Middle East and Africa Fixed Income.

Lukrativ: Anleihen aus der Peripherie

Differenzierte Investments seien 2014 von großer Bedeutung, etwa bei Unternehmensanleihen, die aufgrund ihrer Zinsaufschläge in dem Niedrigzinsumfeld gut gepuffert sind. Anleihen aus Peripherieländern böten einen Zinsaufschlag gegenüber Anleihen aus den Kernländern.

Strategie: Carry and Tightening

Carry und Tightening – also das Verdienen an einer Normalisierung der Zinsaufschläge – bleibe im Euro-Raum eine attraktive Strategie. In den Emerging Markets sei eine sehr differenzierte Analyse nötig, vor allem hinsichtlich der Länderauswahl.

Privatanleger in Deutschland und Europa profitieren aber kaum vom Wachstum der religiösen Geldanlage. „Der Markt wird dominiert von institutionellen Investoren, die ihre Anleihen meist sehr lange halten“, erklärt Zaid el-Mogadeddi, Leiter des Institute For Islamic Finance And Banking (IFIBAF) in Frankfurt. Sein Institut berät Unternehmen und beteiligt sich an der Zertifizierung für islamische Finanzprodukte.

Am Sekundärmarkt seien daher nur wenige dieser Anleihen handelbar. Außerdem seien sie relativ unbekannt. „Die vorhandenen Produkte werden von den internationalen Anbietern nicht aktiv vermarktet“, sagt el Mogadeddi. In Deutschland ist der Markt für islamkonforme Finanzangebote daher sehr klein.

Kommentare (1)

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Uli

27.12.2013, 18:13 Uhr

 Weil das islamische Recht Scharia das Zahlen und Verlangen von Zinsen verbietet, haben diese "islamische Geldanlagen" eine Struktur, die dieses Verbot beachtet.
Wie immer wenn Religion involviert ist, und vor allem wenn es um de Islam und Scharia getreue Auslegung geht wird wieder gemogelt und getrickst, daß sich die Balken biegen. Natürlich nehmen auch Moslems Zinsen nur heißen diese eben nicht Zinsen. Das ist wie mit der Ehre. Die wird im Islam nicht definiert durch die persönlichen Erungenschaften und Leistungen einer Person sondern durch die Keuschheit der weiblichen Mitglieder einer Familie.
So ist es auch mit der Homosexualität im Islam: Wenn zwei Männer Sex haben, dann ist der, der wie ein Mann penetriert kein Schwuler sondern ein Mann der seine Manneskraft abreagieren muß, lediglich der empfangende Partner, d.h. der der wie eine Frau agiert gilt als schwul und darf deshalb verachtet, verurteilt ja sogar vernichtet werden.
Es ist wirklich gut und nicht zu beanstanden, wenn sich eine Gruppe von Investoren dazu verpflichtet keine unethischen Investments zu tätigen, das kann sein der Verzicht auf Pornografie, auf Waffen oder auf Spekulationen in Lebensmittel, und keiner beanstandet wenn diese Sukuk nicht in Schweinefleisch oder Kinderarbeit investieren, dennoch bleibt festzuhalten, daß gerade die islamische Welt sehr wohl nach Waffen geradezu giert auch um ihren Herrschaftsanspruch mit allen Mitteln voranbringen zu können, und eben, und darum geht es hier ja, daß selbstverständlich gerade auch die arabischen Geldverleiher und Banken Geschäfte machen wollen und auch machen, und dies gelingt immer nur über das Entgelt für die Ausleihe von Geld oder Waren oder Dienstleistungen und dieses Entgelt heißt nun einmal Zins. Der Koran sagt, daß der der hat, dem der nicht hat geben soll und zwar barmherzig und selbstlos und somit natürlich auch ohne Zins. Nachdem aber viele Regeln aus diesem alten Buch in einer modernen Welt nicht mehr praktikabel sind gibt's Hokus Pokus. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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