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03.08.2011

13:16 Uhr

Italien-Anleihen auf Rekordhoch

Teures Dolce Vita

Seit es die europäische Gemeinschaftswährung gibt, hat sich Italien noch nie so teuer refinanziert wie jetzt. Auch Spanien hat ein Problem. Ministerpräsident Zapatero verschiebt wegen der Unruhe an den Märkten seinen Urlaub.

Italiens Staatsanleihen stehen auf einem neuen Rekordniveau. Quelle: dpa

Italiens Staatsanleihen stehen auf einem neuen Rekordniveau.

BrüsselDie Renditen der italienischen zehnjährigen Staatsanleihen klettern von Rekordhoch zu Rekordhoch: Am Mittwoch stieg der Zinsaufschlag für die Papiere im Vormittagshandel am Rentenmarkt um 0,19 Prozentpunkte auf 6,21 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Einführung des Euros. Schon am Vortag war ein Rekordhoch erzielt worden. Der Mailänder Leitindex MIB reagierte mit einem Abschlag von mehr als zwei Prozent. Ministerpräsident Silvio Berlusconi nimmt am Abend in der Abgeordnetenkammer und im Senat Stellung zur Finanzkrise.

Kommentar: Für Berlusconi geht es heute um alles oder nichts

Kommentar

Für Berlusconi geht es heute um alles oder nichts

Überraschend hat Silvio Berlusconi seine Rede an die Nation verschoben, denn er will den Börsenschluss abwarten. Italien wackelt in der Schuldenkrise immer mehr: Der Ministerpräsident muss den Befreiungsschlag versuchen.

Auch in Spanien hielten die Marktturbulenzen an: Für zehnjährige Staatspapiere stieg die Rendite auf 6,34 Prozent. Am Dienstag war ein Rekordhoch seit Euro-Einführung von 6,45 Prozent erreicht worden. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero verschob angesichts der anhaltenden Nervosität an den Märkten seinen geplanten Urlaubsbeginn um einen Tag.

„Der Aufwärtstrend bei spanischen und italienischen Anleiherenditen ist Ausdruck der nicht nachlassenden Staatsschuldenkrise“, sagte Jane Foley, Analystin bei Rabobank International.

Spanien hat Schwierigkeiten, sich von der fast zwei Jahre andauernden Rezession zu erholen, die nach dem Platzen der Blase am Immobilienmarkt einsetzte. Die Haushaltskassen sind leer, die Arbeitslosenquote ist mit fast 21 Prozent die höchste in den Ländern der Eurozone. Italien ist mit 120 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verschuldet.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und der italienische Finanzminister Giulio Tremonti haben am Mittwoch in Luxemburg über die Probleme in der Eurozone gesprochen. „Wir hatten eine lange Diskussion, bei der es um alle Probleme in der Eurozone ging, und wir werden weiterhin gemeinsam darüber nachdenken“, sagte Juncker. Das Gespräch sei sehr fruchtbar gewesen, erklärte Tremonti.

Beide hatten sich kurzfristig am Mittwochmorgen in Luxemburg getroffen, nachdem schon am Vortag die Rendite bei italienischen zehnjährigen Staatsanleihen auf ein neues Rekordhoch gestiegen war.

Am Abend wird Berlusconi vor die beiden Parlamentskammern treten und eine Rede halten. Ursprünglich waren diese schon früher geplant, er will allerdings den Börsenschluss abwarten.

Von

dapd

Kommentare (10)

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Korrupte-Politiker

03.08.2011, 13:34 Uhr

Der heimliche Bailout von Italien und Spanien über den ESFS läuft schon - ohne Genehmigung durch die Parlamente. Und ohne Aufstockung auf 2000 Mrd. und volle Übernahme der Garantie dafür durch Deutschland.
Soweit sind wir also schon.

http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/8675928/Italy-in-eye-of-the-storm-as-cash-runs-low.html

terrone

03.08.2011, 13:35 Uhr

Berlusconi denkt, wie alle italienischen Politiker, an die Waehler - egal was er verspricht. 50 % der BtP werden von Italienern gehalten und rund 20 % von deutschen und franzoesischen Banken. Rechnerisch kann es hier nie eine Regierung ohne europakritische Lega Nord und ohne populistische Post-Faschisten und - Kommunisten geben - und alle Italiener wissen, dass das belpaese systembestimmender Faktor in Europa ist. Wenn die Italiener Eure Banken an den Tisch bitten, dann gehen dem kurzen Franzosen und der Angelina die Stifte. Tremonti wird dem Juncker-Fuzzi gesagt haben: Euro-Bonds oder Nichts.

Kackbolzen

03.08.2011, 13:59 Uhr

"...kann er mit seinen Reden die Märkte beruhigen?"
Das sagt doch schon alles. Als bräuchten die Märkte so was wie Gesprächstherapie, damit sie sich schön so verhalten, wie die Politiker es sich im Wolkenkuckucksheim wünschen. Schäuble quatscht auch so dämlich. "Man müssen den Märkten ein Signal geben." Und dann ist alles gut. Dann ist Friede,Freude, Eierkuchen.
Der Euro ist tot. Er reißt Europa mit - Deutschland voran. Frage mich, wer das so geplant hat.

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