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30.08.2011

12:08 Uhr

Italienische Anleihen

Die Zinsen sinken, die Zweifel bleiben

Italien kann sich am Kapitalmarkt weiter sicher finanzieren. Die Zinskosten sinken sogar. Doch aus dem Schneider ist das Land nicht. Schwache Wachstumsprognosen und Abstriche am Sparpaket schüren am Markt neue Zweifel.

Italiens Finanzminister Giulio Tremonti (links) und Ministerpräsident Silvio Berlusconi haben Teile des geplanten Sparpakets gestrichen. dpa

Italiens Finanzminister Giulio Tremonti (links) und Ministerpräsident Silvio Berlusconi haben Teile des geplanten Sparpakets gestrichen.

RomDie Stützung durch die Europäische Zentralbank (EZB) und angestoßene Reformen in Italien zeigen Wirkung: Das hoch verschuldete Land zapfte am Dienstag die Kapitalmärkte an und musste Anlegern für Staatsanleihen im Gesamtvolumen von 7,7 Milliarden Euro geringere Zinsen bieten als zuletzt. Bei der Emission von zehnjährigen Papieren lag die Rendite bei 5,22 Prozent. Bei der vorigen Auktion Ende Juli hatte die Bruttorendite mit 5,77 Prozent noch den höchsten Wert seit elf Jahren markiert.

Am Markt wurde das Ergebnis trotz der rückläufigen Zinskosten mit Enttäuschung aufgenommen. Italienische Anleihen rutschten tiefer ins Minus, während deutsche Papiere ihre Gewinne ausbauten. Händlern zufolge griff die EZB am Markt nach der Auktion ein und kaufte eine beträchtliche Zahl zehnjähriger Anleihen. Kritisch wurde vor allem die geringe Nachfrage aufgenommen: Das Finanzministerium hatte einen Anleihen-Verkauf von bis zu acht Milliarden Euro geplant. Investoren gaben Gebote in Höhe von 10,4 Milliarden Euro ab.

„Die Überzeichnung ist nicht sehr hoch, da scheint der Markt leicht enttäuscht zu sein“, erklärte Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. „Entscheidend ist aber, dass die Renditen gegenüber der letzten Auktion runtergekommen sind. Das spricht für eine gewisse Normalisierung.“ Marc Ostwald, Stratege bei Monument Securities in London, stimmte zu: „Die Überzeichnung war nicht gerade überwältigend, das muss man schon sagen“, erklärte er. „Aber es war auch alles andere als ein Desaster.“

Wegen seiner hohen Schuldenberge war Italien im Juli ins Visier der Finanzmärkte gerückt und musste am Kapitalmarkt zunehmend höhere Refinanzierungskosten zahlen. Die Renditen für zehnjährige italienische Staatsanleihen kletterten in der Spitze auf 6,2 Prozent. Mit einem Sparpaket von 45,5 Milliarden Euro will die Mitte-Rechts-Regierung Vertrauen zurückzugewinnen.

Die EZB hatte jüngst ihr umstrittenes Ankaufprogramm von Staatsanleihen wieder hochgefahren. Fachleute gehen davon aus, dass die EZB vor allem italienische und spanische Papiere kauft und den hoch verschuldeten Staaten so unter die Arme greift. Am Bondmarkt zeigte das Wirkung: Die Anleiherendite sank zeitweise bis auf 4,9 Prozent.

Allerdings hat die Entwicklung bereits in den vergangenen Tagen wieder gedreht. Seit sieben Tagen steigen die Renditen italienischer Bonds kontinuierlich. Es ist die längste Verluststrecke seit Februar. Nachdem das Ergebnis der Anleiheauktion bekannt wurde, stieg die Rendite auf 5,12 Prozent und lag damit fünf Basispunkte höher als am Vortag.

Kommentare (5)

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30.08.2011, 12:37 Uhr

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!
Das Aktionsbündnis „Direkte Demokratie - Gegen den EURO-Rettungswahnsinn“ fordert:
„Kein EURO-Rettungswahnsinn! Bürgerentscheid jetzt!“
17/09/11
11Uhr
Kundgebung
Kleiner Schlossplatz, Stuttgart
Ende September beschließt der Deutsche Bundestag die Übertragung unserer Finanzhoheit an einen antidemokratischen „EURO-Pakt“ (EFSF).
Das bezahlen Sie mit explodierenden Schulden, Sozialabbau, dem
Verlust von Bürgerrechten und wirtschaftlicher Selbstbestimmung.
Dagegen demonstrieren wir am Samstag, den 17.9. in Stuttgart.
Erhalten Sie die Demokratie und Ihre Vermögenswerte!

Farce

30.08.2011, 13:13 Uhr

Die ganze Auktion war doch eine Farce, dies steht sogar im Artikel:
Direkt nach der Auktion hat die EZB eine große Menge Anleihen aufgekauft.

D.h. es war abgesprochen, das die Banken sie kaufen und nach ein paar Minuten wie eine heiße Kartoffel an die EZB weiterschieben.

Damit war der Vorschrift, das die EZB nicht direkt monetarisieren darf, Genüge getan.

hamp

30.08.2011, 13:17 Uhr

Italien kann sich am Kapitalmarkt weiter sicher finanzieren.

das ist nicht ihre ernst?...die EZB kauft diesen papiere weil die sonst niemand will..was ist daran 'sicher'?

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