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11.07.2011

10:58 Uhr

Italienische Anleihen

Risikoaufschläge steigen auf neues Rekordhoch

Die Lage an den Rentenmärkten Italiens und Spaniens hat sich weiter eingetrübt. Die Risikoaufschläge für Staatstitel mit zehnjähriger Laufzeit stiegen auf neue Rekordstände.

Italienische Ein-Euro-Münze. Quelle: dpa

Italienische Ein-Euro-Münze.

Frankfurt/MailandDer Aufschlag, den Italien an den Finanzmärkten für Kredite zahlen muss, hat am Montag eine neue Rekordmarke erreicht. Während die als sicherste Anlage im Euroraum geltenden Bundesanleihen mit 2,81 Prozent verzinst werden, verlangten die Investoren von Italien am Montag teilweise über 5,5 Prozent.

Der Risikoaufschlag zur zehnjährigen Bundesanleihe betrug damit rund 2,85 Punkte und lag damit so hoch wie noch nie seit der Einführung des Euro. Am Nachmittag sank er wieder leicht auf 2,69 Prozent. Auch in der viertgrößten Euro-Wirtschaft Spanien stieg der Risikoaufschlag mit 3,03 Punkten auf ein neues Rekordhoch.

Der Schuldenberg Italiens

Gegenwind an den Kapitalmärkten

Mit bangem Blick verfolgt Italien die steigende Nervosität an den Märkten, denn mit höheren Risikoaufschlägen für Italiens Anleihen steigen auch die Refinanzierungskosten. Hier ein kurzer Überblick über den Schuldenberg des Landes und wie es an frisches Geld kommt.

Italien in „schlechter Gesellschaft“

Ende 2010 erreichte der Schuldenstand des Staates bereits 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und wird wohl dieses Jahr 120 Prozent übersteigen. Damit wäre die Quote doppelt so hoch wie im Maastrichter EU-Vertrag erlaubt. Italiens Schuldenberg reicht aber noch nicht an die gigantische Quote des von EU und IWF vor der Pleite bewahrten EU-Partners Griechenland (2010: 142,8 Prozent) heran. Auch Irland (EU-Prognose für 2011: 112,0 vH) und Portugal (101,7 vH) werden voraussichtlich Ende dieses Jahres mehr Schulden angehäuft haben, als sie an Wirtschaftsleistung auf die Waage bringen.

Inländische Gläubiger stützen

83 Prozent der Schuldensumme Italiens von 1,843 Billionen Euro wurden 2010 nach Informationen des Wirtschafts- und Finanzministeriums über Staatstitel abgedeckt. Den Großteil davon halten Gläubiger im Inland. Damit konnte sich das Land bislang sozusagen am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf ziehen.

Absturzgefahr

Doch das Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP) verweist darauf, dass das Land schon seit zwei Jahren mehr Kapital im Ausland leiht als es für Investitionen in die Erweiterung der Produktionskapazitäten ausgibt. „Wenn sich um Italien nicht schnell etwas tut, gleitet das Land bereits 2011 in die unterste Risikokategorie ab, in der sich Griechenland, Portugal, Zypern und Malta befinden“, warnte CEP-Vorstandschef Lüder Gerken.

Anstehende Emissionen

Paolo Bonaiuto, der Berater des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, beziffert die Gesamtsumme an Emissionen „in den kommenden Monaten“ auf 120 bis 130 Milliarden Euro. Von Juli bis September sollen allein mit der Ausgabe neuer Anleihen insgesamt 40 Milliarden Euro in die Staatskasse wandern. Zudem behält sich die Regierung vor, weitere Neuemissionen aufzulegen. Außerdem will der Staat durch die Aufstockung laufender Anleihen zusätzlich frisches Geld bei Investoren einsammeln.

Die Aktien an der Mailänder Börse fielen um 3,3 Prozent, obwohl neue Beschränkungen für Leerverkäufe in Kraft traten. Seit Montag müssen Händler Leerverkäufe, die 0,2 Prozent des Unternehmenskapitals übersteigen, anzeigen. Die Regel gilt bis zum 9. September.

Die Lage an den Rentenmärkten Italiens und Spaniens hat sich seit der Herabstufung des Euro-Lands Portugal Anfang vergangener Woche stark eingetrübt. An den Finanzmärkten herrscht Angst, dass sich die Schuldenkrise auch auf größere Euro-Länder ausbreiten könnte. In Brüssel ein Treffen der Euro-Finanzminister zur Schuldenkrise statt. Zuvor werden sich Spitzenvertreter von EU und Europäischer Zentralbank (EZB) treffen.

Kommentare (2)

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hamp

11.07.2011, 11:21 Uhr

'Risikoaufschlag'?

welche risiko?

Unternehmensberater

11.07.2011, 16:04 Uhr

was soll das ständige saublöde Gejammer über die angeblich hohen Zinsen der Südeuropäer?
wie hoch waren dort denn die Zinsen und Aufschläge VOR Einführung des Euro?
die lachen sich doch kaputt. selbst auf dem heutigen Niveau haben die sich alle noch verbessert.

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