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24.02.2014

14:32 Uhr

IVG

Zahltag für Gläubiger, Aktionäre gehen leer aus

Der insolvente Immobilienkonzern IVG soll zerschlagen werden. Die Gläubiger dürfen hoffen: Sie erhalten laut Insolvenzplan einen großen Teil ihres Geldes zurück. Die Leidtragenden sind die Aktionäre.

IVG-Zentrale in Bonn: Das hoch verschuldete Immobilienunternehmen IVG will sich in einem sogenannten Schutzschirmverfahren sanieren. dpa

IVG-Zentrale in Bonn: Das hoch verschuldete Immobilienunternehmen IVG will sich in einem sogenannten Schutzschirmverfahren sanieren.

FrankfurtDie Gläubiger des insolventen Immobilienkonzerns IVG können damit rechnen, dass sie einen großen Teil ihrer Forderungen ausgezahlt bekommen. Dem am Montag beim Amtsgericht Bonn eingereichten Insolvenzplan zufolge liegt die allgemeine Quote bei 60 Prozent, manche Gläubiger dürften bis zu 80 Prozent erhalten. Für die Aktionäre kommt es dagegen noch dicker: Die Aktie soll im Juni oder Juli nach 28 Jahren von der Börse genommen werden. Dann verlieren die bisherigen Aktionäre ihren Einsatz vollständig. Der Aktienkurs fiel am Montag um 60 Prozent auf 0,033 Euro.

Das Unternehmen soll in drei Teile zerlegt werden. Die Immobilien im eigenen Bestand, das Geschäft mit Immobilienfonds für institutionelle Anleger und die Gas-Kavernen an der Nordsee sollen organisatorisch voneinander getrennt werden, sobald die neuen Eigentümer - die bisherigen Gläubiger - das Sagen haben, sagte Vorstandschef Wolfgang Schäfers am Montag in Bonn. Das macht es den Hedge-Fonds und anderen Finanzinvestoren, die sich vor der Pleite in die Schulden der IVG eingekauft hatten, leichter, den Konzern später zu filetieren.

Das sind Deutschlands Immobilienriesen

Platz 6: GAG

Die GAG Immobilien AG bewirtschaftet rund 42.000 Wohnungen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte Vermieter in Köln. Die GAG verwalte damit 2,8 Millionen Quadratmeter Wohnfläche.

Platz 5: GSW

Die GSW Immobilien kommt auf 60.000 Wohnungen. Das Unternehmen ist börsennotiert und wurde im Jahr 1924 gegründet. Schwerpunkt der Arbeit ist Berlin, die GSW ist dort nach eigenen Angaben „ein führendes privates Wohnimmobilienunternehmen“.

Platz 4: TAG

Die TAG Immobilien AG kommt auf Platz vier der deutschen Wohnungsriesen. Das Unternehmen verwaltet 68.781 Wohnungen. Hauptstandorte sind nach eigenen Angaben die Großräume Hamburg und Berlin, die Region Salzgitter, Thüringen/Sachsen sowie Nordrhein-Westfalen. Sitz der TAG ist Hamburg.

Platz 3: Deutsche Wohnen

Die Deutsche Wohnen mit Sitz in Berlin bewirtschaftete im April 2013 insgesamt 82.500 Wohnungen. Aktuell gibt das börsennotierte Unternehmen die Zahl der Wohnimmobilien mit rund 89.500 an. Schwerpunkt ist der Großraum Berlin sowie das Rhein-Main-Gebiet, Rheinland, Hannover, Braunschweig, Magdeburg.

Platz 2: Gagfah

Die Gagfah Gruppe mit Sitz in Essen ist die Nummer zwei der Wohnimmobilien-Unternehmen in Deutschland. Im April bewirtschaftete das Unternehmen 145.000 eigene Mietwohnungen und 13.000 für Dritte verwaltete Wohnungen. Aktuell gibt das Unternehmen sogar 35.000 für Dritte verwaltete Wohnungen an.

Platz 1: Deutsche Annington

Die Deutsche Annington erregte mit dem Börsengang im Juli 2013 zuletzt großes Aufsehen. Das Bochumer Immobilienunternehmen bewirtschaftet 210.000 Wohnungen - davon 180.000 eigene. Die Deutsche Annington stieg im Jahr 2005 auf, als sie die Viterra AG mit 138.000 Wohnungen von Eon erwarb.

"Ob die neue Holding oder einzelne Töchter später wieder an die Börse gebracht werden, bleibt den neuen Investoren überlassen", sagte Schäfers. "Es gibt keinen Zusammenhang etwa zwischen Kavernen und dem Immobiliengeschäft", rechtfertigte er den Umbau. "Andererseits gebe es auch keine Pläne für ein "Zerschlagungs-Szenario", fügte er hinzu. Doch die neuen Eigentümer sind langfristig wohl auf eine Verwertung der Unternehmensteile angewiesen, um Gewinn aus dem Einstieg bei der IVG zu ziehen.

Über den drei Unternehmensteilen thront nach dem am Montag beim Amtsgericht Bonn eingereichten Insolvenzplan künftig eine Finanzholding, die komplett den bisherigen Gläubigern gehören soll. Durch den Tausch von Schulden in Eigenkapital ("Debt-for-equity Swap") erhalten sie rechnerisch bis zu 80 Prozent ihrer Forderungen zurück. Die meisten Spekulanten wie Cerberus und Aurelius Capital Management haben sich im Vorfeld der Insolvenz freilich zu höheren Kursen in die wackligen Kredite eingekauft - laut Insidern zu 83 und 91 Prozent des Nennwerts -, so dass sie zunächst noch keinen Profit machen.

Kommentare (4)

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rauchie

24.02.2014, 12:54 Uhr

Ich sag es doch Immobilen sind ein Totsicheres Geschäft

mephisto

24.02.2014, 14:09 Uhr

[...]
Sie bekommen alle neuen Anteile und die alten kommen in die
Tonne. Nach Solarworld und co. sollte man den Medienberichten denken,
es handelt sich nur um eine extreme Aktienvermehrung.
Aber nein. [...]
Die Gier kennt keine Grenzen mehr, und in der Politik


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

mephisto

24.02.2014, 14:49 Uhr

Bleibt noch zu hoffen,
das es für so ein rabiates Vorgehen so
viele Klagen hagelt, das es so letztlich teurer wird,
als wenn man die Aktionäre mit einer Kleinigkeit abgefunden hätte.
Und der Schaden an der deuschen Aktienkultur lässt sich ja sowiso
nicht beziffern. Überall Vertrauensverluste. Weiter so, Deutschland.

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