Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2011

22:38 Uhr

Jahresausblick

Griechische Anleger glauben an bessere Zeiten

VonGerd Höhler

Für die griechischen Anleger war das vergangenen Jahr eine Katastrophe: 18 der 20 größten Aktienwerte haben an Marktwert verloren. Nach den massiven Kursverlusten wartet der Athener Aktienmarkt nun auf neue Impulse aus den Reformen der Regierung.

An der Börse in Athen überwiegt derzeit der Optimismus. ap

An der Börse in Athen überwiegt derzeit der Optimismus.

ATHEN. Das Jahr 2010 möchten die Athener Anleger am liebsten schnell vergessen. Denn die Schuldenkrise des Landes schlug massiv auf die Aktienkurse an der Akropolis durch. Der Leitindex ASE büßte im Jahresverlauf 35 Prozent ein und schloss an Silvester nahe seinem Zwölfjahrestief. Ist damit ein attraktives Einstiegsniveau erreicht? Manche Athener Börsenhändler sehen durchaus Chancen für eine kleine Rally. Eine Trendwende wagt aber angesichts der ungelösten Schuldenproblematik niemand zu prognostizieren.

Nur wenige griechische Aktien konnten sich dem Abwärtssog entziehen. Der Kurs von Coca-Cola Hellenic legte um fast 20 Prozent zu. Der größte europäische Abfüller der braunen Brause mit Aktivitäten in 28 Ländern von Nigeria bis Russland ist nur in geringem Maß vom griechischen Heimatmarkt abhängig. Mit 6,9 Milliarden Euro weist er die größte Marktkapitalisierung aller börsennotierten griechischen Unternehmen auf.

Neben dem Getränkekonzern blieb allein die Aktie des Metallverarbeiters Viohalko mit einem Plus von 0,8 Prozent im grünen Bereich. Die anderen 18 Unternehmen des FTSE/ASE-20-Index verzeichneten Kursverluste zwischen 15 und 68 Prozent. Besonders gebeutelt wurden Bankaktien. Griechenlands größtes Kreditinstitut, die National Bank of Greece, verlor im Jahresverlauf 60 Prozent, die drei nächstgrößeren Institute Eurobank, Alpha Bank und Piraeus Bank büßten 52 bis 55 Prozent ein. Die Kursstürze spiegeln die Sorgen wegen schwierigerer Refinanzierungsbedingungen, wachsender Kreditausfälle und drohender Herabstufungen durch die Ratingagenturen wider.

Der Kurssturz am Athener Aktienmarkt ließ die Börsenkapitalisierung in Griechenland auf 25,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fallen. Im europäischen Durchschnitt sind es 70 Prozent. Billig sind griechische Aktien dennoch nicht, denn die Unternehmensgewinne brachen ähnlich stark wie die Kurse ein. Deshalb liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Marktes mit knapp zwölf auf einem ähnlichen Niveau wie vor der Krise. Einen Kaufrausch dürfte dies kaum auslösen.

Auch die makroökonomischen Vorgaben machen keine großen Hoffnungen auf ein gutes Börsenjahr: Nachdem die griechische Wirtschaft im vergangenen Jahr um etwa vier Prozent schrumpfte, dürfte sie 2011 um weitere drei Prozent zurückgehen. Was an Impulsen von der Konjunkturseite fehlt, könnten aber die Strukturreformen bringen, mit deren Umsetzung die Regierung nun beginnt. So könnte die jetzt in Angriff genommene Deregulierung von Handel und Dienstleistungen die Konjunktur ankurbeln. Und von den bereits beschlossenen Änderungen des Tarifvertragsrechts versprechen sich die Unternehmen mehr Flexibilität.

Wenn die Regierung mit der Umsetzung ihres Sparbudgets vorankommt und Griechenlands Gläubiger planmäßig weitere Tranchen der Hilfskredite bewilligen, sieht der Athener Börsenhändler Andreas Kontogouris durchaus Chancen für eine "Mini-Rally". Ob diese ein Strohfeuer bleibt oder einen nachhaltigen Aufwärtstrend einleitet, dürfte auch davon abhängen, ob die geplanten Reformen wirklich greifen und der rezessionsgeplagten griechischen Wirtschaft auf den Wachstumspfad zurückhelfen. In jedem Fall sei aber für 2011 eine sorgfältige Auswahl der Aktien angesagt, sagen Börsenhändler.

Zu den am häufigsten genannten Kaufempfehlungen gehören die Aktie des Glücksspielkonzerns OPAP und die Anteilsscheine von Hellenic Telecom (OTE), an der die Deutsche Telekom eine strategische Beteiligung hält. Auch National Bank und Alpha Bank sind nach Ansicht von Athener Brokern auf dem gegenwärtigen Kursniveau attraktiv, wenngleich griechische Bankaktien wohl nur etwas für mutige Anleger sind. Denn das Schicksal der Geldinstitute hängt eng an der Entwicklung der staatlichen Schuldenkrise. Und über deren Ausgang ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×