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05.01.2008

10:07 Uhr

Jan-Eric Paulson

„Niemals teuren Wein bei Ebay kaufen“

VonChristian Schnell

Jan-Eric Paulson ist Geschäftsführer von rare-wine.com. Im Interview mit dem dem Handelsblatt spricht der Weinexperte über den edlen Tropfen als Geldanlage und warum er niemals beim Online-Auktionshaus Ebay teuren Wein kaufen würde.

Weinexperte Jan-Eric Paulson. Foto: PR

Weinexperte Jan-Eric Paulson. Foto: PR

Handelsblatt: Warum legen Ihre Kunden Geld in Wein an?

Jan-Eric Paulson: Die Geldanlage in edle Weine ist etwas sehr Emotionales. Im Gegensatz zu einer Standard-Geldanlage hat der Weinsammler etwas im Keller, was sonst nur wenige haben. Beispielsweise einen 47er Petrus zu besitzen, ist für viele Menschen inzwischen ein Statussymbol.

Bekommt der Anleger das an steigenden Renditen zu spüren?

Die können bei herausragenden Lagen und Jahrgängen im zweistelligen Bereich liegen. Das liegt daran, dass aus Regionen wie Osteuropa, Südamerika und China in den letzten Jahren eine enorme Nachfrage gekommen ist. Der Markt für hervorragende Weine ist sehr international geworden. Viele Leute dort können sich einen anderen Lebensstil leisten. Aber sie fangen nicht langsam an und steigern sich, sondern sie wollen sofort das Beste. Deswegen kaufen sie große Namen und Jahrgänge, obwohl sie gar keinen Geschmack dafür haben.

Was sie die Konsequenzen?

Für Weine wie einen 86er Lafite oder einen 96er Lafite wurden zuletzt hohe Preise gezahlt, obwohl diese noch nicht trinkreif sind. Dagegen sind trinkreife Weine wie der 53er Lafite preiswert.

Eine Konsequenz dieser Entwicklung ist, dass sehr viele Fälschungen im Umlauf sind. Wie kann man sich schützen?

Oberster Gebot ist: Niemals bei Ebay teure Weine kaufen. Da gibt es beispielsweise Adressen aus Hongkong, die teure französische Weine anbieten. Da erkennt der Kenner häufig schon am zu hübschen Etikett, dass etwas nicht stimmt. Stattdessen sollten Anleger lieber zu guten Weinhändler gehen, die Erfahrung damit haben. Allerdings gibt es davon kaum mehr als eine Hand voll in Deutschland.

Sie haben zwei Weinfonds aufgelegt, planen aber keine weitere Neuauflage. Warum?

Ich habe das privat gemacht, es ist allerdings wegen der sehr schwer zu beantwortenden Frage nach dem angemessenen Preis kaum möglich, eine Bank hierfür als Partner zu finden. Ich berate stattdessen Privatanleger, die mit einer bestimmten Summe ein Wein-Portfolio aufbauen wollen. Das lässt sich besser, weil individueller steuern. Da kommt unter dem Strich auch mehr dabei raus, weil der Erlös bei einem späteren Verkauf der Weine umsatzsteuerfrei ist.

Wird vor dem Verkauf auch manche Flasche getrunken?

Das gibt es, sollte aber beim Zusammenstellen des Depots besprochen werden, damit auch Flaschen für 100 Euro darunter sind. Die lassen sich leichteren Herzens trinken.

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