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02.06.2011

08:42 Uhr

Japan

Politisches Chaos belastet Tokios Börse

Die schwachen Vorgaben der Wall Street und eine wachsende Unsicherheit über die Zukunft von Ministerpräsident Naoto Kan haben die japanischen Börsen belastet.

Ein Mann guckt sich die Börsentafel an. Quelle: dapd

Ein Mann guckt sich die Börsentafel an.

TokioDer Tokioter Aktienmarkt musste am Donnerstag deutliche Verluste hinnehmen, während die Zukunft von Ministerpräsident Naoto Kan zunächst ungewiss blieb.

Erst unmittelbar nach Handelsschluss überstand der in der Bevölkerung unbeliebte Regierungschef ein Misstrauensvotum, wie der TV-Sender NHK meldete. Zuvor hatte der für sein Management der Atomkrise kritisierte Kan seinen Rücktritt zu einem späteren Zeitpunkt angeboten - und damit die Chancen auf seinen vorläufigen Verbleib an der Regierungsspitze erhöht. Zusätzlich zu den innenpolitischen Wirren hatte die japanische Börse mit schwachen Vorgaben der Wall Street zu kämpfen.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio 1,7 Prozent im Minus bei 9555 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 1,6 Prozent auf 825 Punkte.

Auch die Börsen in Hongkong, Singapur, Taiwan, Korea und Shanghai mussten Federn lassen.

Die Verluste in Tokio hielten sich im Vergleich zur Wall Street aber noch in Grenzen, wo der Dow-Jones-Index am Mittwoch unter dem Eindruck schwacher Arbeitsmarkt- und Industriezahlen 2,2 Prozent verloren hatte. Analysten erklärten den geringeren Rückgang in Japan damit, dass dort die Kurse in den vergangenen Monaten mit dem Anstieg der Börsen in den USA und anderen Industrieländern nicht mithalten konnten.

Unabhängig vom Ausgang des Misstrauensvotum stellen sich die japanischen Anleger darauf ein, dass die Tokioter Regierung weiter instabil bleiben dürfte. „Ein politisches Vakuum ist unvermeidbar“, sagte Daisuke Uno, Chefstratege bei Sumitomo Mitsui Banking Corp. Damit gerieten die Kurse gleich doppelt unter Druck: wegen der Regierungskrise in Japan und weil der weltweiten Aktienrally langsam die Puste ausgehe.

Mitglieder von Kans Partei hatten zunächst angekündigt, dem Regierungschef bei dem Misstrauensvotum die Unterstützung zu verweigern. Kan steht wegen seines Krisenmanagements bei der Erdbeben- und Atomkatastrophe in der Kritik. Das asiatische Land muss nicht nur die Atomprobleme, sondern auch ein massives Haushaltsdefizit in den Griff bekommen.

Die Anteilsscheine des Fukushima-Betreibers Tepco fielen zeitweise auf ein Rekordtief von 282 Yen. Die Aktie kam unter anderem durch kurzfristig orientierte Hedgefonds unter Druck. Zum Handelsschluss erholten sich die Papiere aber wieder etwas und lagen rund zwei Prozent im Plus.

Nach schwächeren US-Verkäufen mussten Aktien von Autokonzernen deutliche Einbußen hinnehmen. Toyota- und Nissan-Papiere verloren jeweils mehr als drei Prozent, Honda-Anteilsscheine büßten 2,4 Prozent ein.

Von

rtr

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