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30.10.2015

11:48 Uhr

Japans Notenbank

Keine weiteren Geldspritzen – Börse Tokio feiert trotzdem

Die japanische Notenbank lockert die Geldpolitischen Zügel nicht. Kein Problem für Tokios Anleger. Sie hoffen auf ein milliardenschweres Konjunkturprogramm der Regierung. Der Nikkei knackt die 19.000-Punkte-Marke.

Vor einem Börsenanzeigefenster in Tokio. AFP

Tokio

Vor einem Börsenanzeigefenster in Tokio.

TokioDie Aktienmärkte Asiens haben sich freundlich ins Wochenende verabschiedet. Besonders in Tokio legten die wichtigsten Indizes am Freitag zu. Ein Zeitungsbericht über ein mögliches Förderprogramm der Regierung mit einem Volumen von umgerechnet etwa 22 Milliarden Euro zur guten Stimmung bei. Dabei handelt es sich um einen Nachtragshaushalt.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 0,78 Prozent höher bei 19.083 Punkten. Im Oktober legte er damit 9,7 Prozent zu, der größte monatliche Zuwachs seit zwei Jahren. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,72 Prozent auf 1558 Punkte.

Die japanische Notenbank hält sich unterdessen in Sachen ultralockerer Geldpolitik vorerst zurück. Zentralbank-Chef Haruhiko Kuroda bekräftigte am Freitag das Programm zum Kauf von Anleihen und sonstigen Wertpapieren im Volumen von jährlich 80 Billionen Yen (rund 600 Milliarden Euro), um der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Da sich die Zentralbank wegen sinkender Energiekosten und schwacher Exporte von ihrem angestrebten Inflationsziel von zwei Prozent weiter entfernt, dürfte auch für Kuroda der Druck zunehmen, die Geldspritzen auszuweiten – so lautet wohl auch die Hoffnung der kauffreudigen Börsianer. Im September sanken die Verbraucherpreise sogar um 0,1 Prozent.

Japan war mehr als ein Jahrzehnt in einer Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und sinkenden Löhnen gefangen. In einer solchen Situation schieben Verbraucher in der Erwartung immer niedrigerer Preise Käufe auf, die Gewinne der Firmen sinken, die deshalb Investitionen hinauszögern - die Wirtschaft wird nachhaltig gelähmt. Mit dem vielen billigen Geld der Notenbank soll dieser Teufelskreis durchbrochen werden.

Kuroda sagte, die Inflation werde nicht so schnell anziehen wie erhofft. „Aber das liegt vor allem an den Auswirkungen der fallenden Energiepreise.” In ihrem halbjährlichen Konjunkturbericht erwartet die Zentralbank, dass das Ziel erst in der zweiten Hälfte des Fiskaljahres 2016/17 erreicht wird. Bisher sollte die Teuerung dort bereits zwischen April bis September 2016 angelangt sein. Ein Inflationsziel von rund zwei Prozent wird aktuell von allen großen Notenbanken als idealer Wert für die Wirtschaftsentwicklung betrachtet.

Die Bank of Japan warnte auch vor einem Dämpfer durch die Konjunkturabkühlung in China und der schwachen Nachfrage aus Schwellenländern. Japans Wirtschaft war im zweiten Quartal geschrumpft. Sollte sie auch in den Sommermonaten den Rückwärtsgang eingelegt haben, wäre das Land erneut in eine Rezession abgerutscht. Daten dazu werden Mitte November erwartet.

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