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22.03.2004

07:45 Uhr

Jedes zweite Dax-Unternehmen nutzt bereits diese Vergütungsvariante – Die Goldgräberzeit der Aktienoptionen ist passé

Konzerne entdecken Phantom-Aktien

VonJoachim Weber (Handelsblatt)

Immer mehr Dax-Unternehmen denken über den Sinn von Aktienoptionen und eine andere Ausgestaltung ihrer aktienbasierten Anreizprogramme nach. Die Deutsche Bank und Siemens ergänzen die Optionen ab 2004 um „Restricted Stocks“, reale Aktien, die einer Verkaufssperrfrist unterliegen.

FRANKFURT. Daimler-Chrysler will der Hauptversammlung die Einführung von Phantom-Aktien nahe legen, die die Aktienoptionen quasi simulieren, bei denen der Optionsgewinn aber in bar – oder neuerdings auch in Aktien – ausgezahlt wird.

Infineon, deren Aktionäre dem Vorstand in der Hauptversammlung jüngst die allzu leichte Mitnahme von Optionsgewinnen („Es handelt sich nicht mehr um die Bezahlung von Leistung“) vorwarfen, will mit Beraterhilfe eine „andere Lösung für die variable Vergütung“ erarbeiten. Und die Deutsche Telekom setzte ihre Optionsprogramme für den Vorstand fürs Erste ganz aus.

„Heute schauen die Aktionäre und Investoren genauer hin. Und immer mehr Unternehmen reagieren auf die Kritik“, stellt Markus Temme von der Fondsgesellschaft Union Investment fest. „Im Übrigen sind wir keineswegs gegen Optionsprogramme – wir halten sie sogar für gut, wenn sie vernünftig ausgestaltet sind.“ Dieser Forderung versuchen die Unternehmen nicht nur mit längeren Sperrfristen, höheren Kurshürden und gedeckelten Höchstgewinnen nachzukommen.

Als Antwort auf die verschärften Anforderungen nicht zuletzt des Deutschen Corporate-Governance-Kodexes werden auch die übrigen Konditionen immer komplizierter. Einige Unternehmen ziehen externe Maßstäbe (z. B. Branchenindizes), andere ausgefeilte interne Leistungskennziffern oder auch einen Mix aus beidem als zusätzliche Bedingungen heran. Und auch das Investment in Aktien des Unternehmens aus eigener Tasche als Vorleistung für die Zuteilung von Optionen oder ähnlichen Rechten – praktiziert zum Beispiel bei Altana, BASF oder Lufthansa – gewinnt an Bedeutung. Freilich: „Eine zu hohe Komplexität verstellt die Sicht auf den Nutzen und schafft neue Intransparenz. Die Unternehmen müssen darauf achten, dass ihre Anreizsysteme nach innen und außen klar verständlich bleiben“, fordert Michael Kramarsch, Managing Partner der Vergütungsberatung Towers Perrin. Viele Unternehmen seien auf der Suche nach Alternativmodellen zur reinen Aktienoption.

Das hat seine Gründe. Die Aktienoption als Vergütungsbestandteil und Motivationshilfe ist zwischen die Mühlsteine geraten. In großen Bilanzskandalen in den USA wurde sie als Triebfeder der Manipulation entlarvt. Sinkende Kurse minderten ihren Wert als Anreizmittel. Und das Bundesgerichtshof-Urteil, das Aktienoptionen als Teil der Aufsichtsratsvergütung verbot, weckt neue Zweifel am Instrument.

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