Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2008

10:08 Uhr

Jörg Benecke

„Kein Investment für die Masse“

VonUdo Rettberg

„Wir sammeln keine bunten Bildchen, sondern die Geschichte und die Erfahrung, die hinter Wertpapieren steckt“, sagt Jörg Benecke. Der Vorstand der AG für Historische Wertpapiere spricht im Interview über alte Aktien und die Bedeutung von Ausgabeort und Schönheit für ihren Preis.

Handelsblatt:

Warum investieren Sammler ihr Geld in historische Wertpapiere?

Jörg Benecke: Es ist die Mischung aus Interesse an der Geschichte, dem optischen Reiz vieler Papiere, dem Preissteigerungspotenzial und oft auch der persönliche Bezug zu bestimmten Firmen.

Ist das Interesse so breit wie bei Münzen und anderen Sammelstücken?

Nein. Die Scripophilie ist kein Sammelgebiet für die Masse. Dazu ist der intellektuelle Anspruch zu hoch – wir sammeln keine bunten Bildchen, sondern die Geschichte und die Erfahrung, die hinter Wertpapieren steckt. Dafür gibt es nur einen ausgesuchten Kreis von Interessenten.

Welche Faktoren bestimmen den Preis von Nonvaleurs?

Bedeutung des Emittenten, Alter, Schönheit, Branche, Ausgabeort, Originalunterschriften und vor allem die Seltenheit.

Der Markt ist relativ illiquide. Was kann getan werden, um dieses Manko abzustellen?

Das Problem lösen nur finanzstarke Auktionshäuser und Händler, die auch dann die Hand aufhalten, wenn sehr gute Stücke zu floppen drohen. Nebenbei bemerkt ist das auch eine Riesenchance für informierte Sammler. Mit Mut zur eigenen Meinung kann man immer wieder Schnäppchen machen.

Das Internet hat als Vertriebs- und Informationskanal an Bedeutung gewonnen. Wie beeinflusst dies das Geschäft der Auktionshäuser und Fachbetriebe?

Bisher nur marginal. Ich kann diesen exponentiellen Bedeutungszuwachs für unsere Branche auch noch nicht sehen. Für unser anspruchsvolles und erklärungsbedürftiges Produkt werden Sammler auf absehbare Sicht weiter den vertrauenswürdigen Antiquar und gut vorgebildeten Auktionator verlangen.

Hat der Markt die 26 Millionen in den Reichsbanktresoren lagernden Stücke absorbiert?

Ja, zu meiner Überraschung besser als gedacht. 98 Prozent der Menge sind platziert. Das Geschäft läuft wieder wie in besten Boomzeiten. Was jetzt noch aus dem Reichsbanktresor kommt, sind kleine Mengen meist marktfrischer Stücke – also eine zusätzliche Chance.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×