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24.08.2012

17:03 Uhr

John Paulson

Geldmacher in Not

Einst war John Paulson ein gefeierter Star. Er verdiente Milliarden, weil er auf den Crash am US-Immobilienmarkt gewettet hat. Doch sein Gespür für gute Geschäfte scheint dem Geldmacher verloren gegangen zu sein.

Hedge-Fonds-Manager Paulson: Zuletzt daneben gelegen. Reuters

Hedge-Fonds-Manager Paulson: Zuletzt daneben gelegen.

Den einstigen Hedgefonds-König John Paulson scheint das Glück verlassen zu haben. Nach übereinstimmenden Berichten des „Wall Street Journal“ und der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg ist das von ihm verwaltete Vermögen unter 20 Milliarden Dollar gerutscht. Jüngster Rückschlag ist demnach die Entscheidung der Privatbanken-Sparte der Citigroup, rund 410 Millionen Dollar aus vier seiner Fonds abzuziehen. Es wird erwartet, dass das Geld zwischen März 2013 und März 2014 abfließt.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Die US-Medien beriefen sich bei ihren Informationen auf eingeweihte Personen und bezifferten die Höhe des von Paulson zum Donnerstag insgesamt noch verwalteten Vermögens auf 19,5 Milliarden Dollar (15,6 Mrd Euro). In der Spitze hatte der Spekulant beinahe doppelt soviel Geld in seinen Fonds liegen. Die maue US-Konjunktur und die Schuldenkrise in Europa haben ihm jedoch massive Verluste beschert und die Nerven seiner Anleger strapaziert.
Paulson hatte auf eine Erholung der Wirtschaft gesetzt - und lag daneben. Dabei hatte er zuvor den richtigen Riecher bewiesen und das Platzen der US-Immobilienblase ab dem Jahr 2007 vorausgesehen. Er wettete gegen den Hypothekenmarkt und gewann Milliarden. Das brachte ihm Ruhm an der Wall Street ein und katapultierte ihn in den Olymp der Hedgefonds-Manager.

Hedgefonds sammeln Gelder von Investoren ein und legen sie an. Sie haben dabei den Vorteil, dass sie weniger scharf reglementiert werden als Banken. Hedgefonds wetten auf steigende und fallende Kurse, auf Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe oder Immobilien und nutzen dafür teils obskure und wenig transparente Finanzvehikel. Sie können blitzschnell ihre Strategie wechseln oder sind in zig Anlageformen gleichzeitig aktiv. Ihre Unberechenbarkeit bringt ihnen immer wieder Kritik ein.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Diskutant

25.08.2012, 07:01 Uhr

Hedgefonds sind flexible Anlagevehikel und sind nicht, wie es für Versicherungen und Banken z.T. zutrifft, durch die Regulierung dazu gezwungen, gut geratete Wertpapiere zu kaufen. Griechenbonds oder US-Immobilienverbriefungen durften von Versicherungen gekauft werden, weil ein gutes Rating vorlag. Das führte dann 2008 und 2010 zu schwerwiegenden (weil unerwarteten und nicht einkalkulierten) Verlusten.
Hedgefonds erwarten mit ihren Positionen sowohl Gewinne als auch Verluste und kalkulieren die entsprechenden Chancen und Risiken. Sie sind frei in ihrem Handeln und oft in beide Marktrichtungen abgesichert (=hedged). Hedgefonds gehen mit großer Berechnung und Überlegung vor. Sie beschäftigen dazu i.d.R. eine Vielzahl von Spezialisten. Jeder Hedgefonds verfolgt thematisch andere Teilmärkte. Dachhedgefonds können daher einen guten Beitrag zur Diversifikation eines Portfolios liefern. Die von Hedgefonds genutzen Finanzinstrumente sind überwiegend marktüblich und nur zu einem geringen Anteil Spezialkonstruktionen, da der Hedgefonds ansonsten nicht liquide genug wäre, um Anleger auch wieder auszuzahlen. Hedgefonds sind nicht zu verwechseln mit Private Equity Fonds oder Real Estate Opportunity Fonds. Diese nutzen die Absicherungskomponente nicht, sondern setzen auf eine bestimmte Marktrichtung.

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