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31.01.2013

14:08 Uhr

Junkbonds weiter gefragt

Anleger sind heiß auf Ramsch

Die Risikofreude der Anleger in Europa steigt. Um die hohen Zinsen zu kassieren, greifen sie vermehrt zu Firmenanleihen mit Ramsch-Rating – oder sogar ohne Bewertung. Ausgelöst hat das EZB-Chef Mario Draghi.

Meins! Anleger nehmen im Moment (fast) alles, was sie kriegen können. AFP

Meins! Anleger nehmen im Moment (fast) alles, was sie kriegen können.

LondonDie Deutsche Bank hat ein Herz für bedürftige Unternehmen aus Griechenland. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg soll das Institut zusammen mit BNP Paribas und HSBC eine Anleihe von Telecommunications Organization platzieren, dem größten griechischen Telekomkonzern. Die Bonitätsnote der Papiere ist die schlechteste eines Unternehmens aus der Eurozonen-Peripherie seit mindestens sieben Jahren.

Der Konzern, auch bekannt unter der Abkürzung OTE, wird von Moody's mit der Note “Caa1” bewertet. Das sind sieben Stufen unter “Investmentgrade”. OTE, die zu 40 Prozent der Deutsche Telekom gehört, wird informierten Kreisen zufolge fünfjährige Papiere im Volumen von 700 Mio. Euro mit einem Kupon von 7,875 Prozent anbieten. “Der Risiko-Appetit ist da, selbst für griechische Namen”, sagte Fonds-Manager Dimitris Dalipis von Alpha Trust Mutual in Athen. “In diesen Tagen kann man nicht viele Bonds mit ordentlichen Renditen finden, selbst nicht im Bereich der Hochzins-Papiere von Unternehmen.”

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Die zunehmende Zuversicht in die Aussichten für den Euroraum spiegelt sich auch bei den Junkbonds der Region wider. Die Risikoprämien der Hochzinspapiere im Vergleich zu Anleihen der Kategorie „Investmentgrade“ sind auf den niedrigsten Stand seit den Anfängen der Finanzkrise gesunken.

Emittenten mit einem „Ramsch-Rating“ wie beispielsweise der Autobauer Renault SA, der französische Telekomausrüster Alcatel-Lucent und die portugiesische Telecom SGPS SA zahlen durchschnittlich 3,25 Prozentpunkte mehr als die Emittenten der sichersten Papiere, wie aus Daten von Merrill Lynch, der Investment-Tochter der Bank of America, hervorgeht. Im März 2009 lag der Risikoaufschlag noch bei einem Höchstwert von 20,7 Prozentpunkten.

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

Die risikoreichsten Unternehmensanleihen legen – wie auch die Staatsanleihen und der Euro – eine Rally hin, nachdem die Fiskalkrise und die Gefahr eines Auseinanderfallens des Euroraums nachlassen. EZB-Präsident Mario Draghi zeigt eine größere Bereitschaft als sein Vorgänger Jean-Claude Trichet, die Ressourcen der EZB für eine Stärkung des Finanzsystems einzusetzen. „Angesichts der relativ niedrigen Zahlungsausfälle zieht es Investoren zu risikoreicheren Titeln“, sagt Thomas Rahman, Kreditstratege bei Ria Capital in Edinburgh.

Nachdem die Zentralbanken das weltweite Finanzsystem mit billigem Geld geflutet haben, befindet sich die Ausfallquote für Unternehmensanleihen in der Nähe eines Allzeittiefs, was das Vertrauen der Anleger, auf risikoreichere Vermögenswerte zu spekulieren, gestärkt hat.

Ratings der größten Volkswirtschaften der Welt

USA

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA

Ausblick: Negativ

China

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Japan

S&P Rating: AA-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Negativ

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Vereinigtes Königreich

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Brasilien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Russland

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Indien

S&P Rating: BBB-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB-
Ausblick: Stabil

Kanada

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Australien

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Schweiz

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Die Ausfallquote in Europa ist im vierten Quartal 2012 auf 1,8 Prozent gesunken, verglichen mit einer weltweiten Rate von 2,6 Prozent, schrieb Moody's Investors Service in einer Studie. Die weltweite Rate könnte in diesem Jahr auf drei Prozent steigen, sagt Moody's, was immer noch niedriger als der Durchschnitt seit 1983 von 4,8 Prozent wäre.

Das hat dazu beigetragen, dass die Rendite von Junkbonds von zwölf Prozent zu Anfang des vergangenen Jahres auf 5,3 Prozent gesunken ist. In diesem Jahr haben Unternehmen bisher Hochzinspapiere im Volumen von über 3,5 Mrd. Euro begeben, mehr als zehnmal so viel wie im selben Zeitraum 2012, zeigen Bloomberg-Daten.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

31.01.2013, 14:27 Uhr

Dies und nichts anderes war zu erwarten.
Wer glaubt denn, daß die Banken auf einmal faire Partner
geworden wären???
Draghi, dieser Vernichter deutscher Steuergelder, macht so lustig weiter. In Italien ist ja nichts mehr zu holen.
Der deutsche Michel schaut nicht nur zu, sondern macht munter mit. (Siehe Zypern)
Warum nicht sofort die Enteignung; dann aber bitte die Banken zuerst.

Skyjumper

31.01.2013, 14:57 Uhr

Was bleibt den den Anlegern anderes übrig? Es gibt doch nur 3 Möglichkeiten:

a) Geld unters Kopfkissen --> Inflationsverluste
b) "sichere" Staatsanleihen ---> negative Realzinsen
c) Junks --> mit vollem Risiko zu erhofften kleinen Erträgen

Am Ende, wenn die Blase platzt, wird man den Anlegern wieder (zu Recht) vorwerfen: "Gier frisst Hirn". Doch ursächlich Schuld ist die Geldpolitik die aus politischen Gründen die Zinsen manipuliert.

Account gelöscht!

31.01.2013, 18:27 Uhr

Möglichkeit 4: Gold und Silber

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