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07.10.2014

16:16 Uhr

Kabelanbieter

Börsenflops schrecken Tele Columbus nicht ab

Der Finanzvorstand von Tele Columbus findet, dass ein Vergleich mit Zalando und Rocket Internet hinkt. Unterdessen liebäugelt der Kabelnetzbetreiber mit einer Übernahme der Ex-Schwester PrimaCom.

Die Erstnotiz von Tele Columbus wird noch für diesen Monat erwartet. Imago

Die Erstnotiz von Tele Columbus wird noch für diesen Monat erwartet.

FrankfurtDer Kabelanbieter Tele Columbus will sich bei seinen Börsenplänen vom Kurssturz der jüngsten Börsenneulinge aus der Internet-Branche nicht beirren lassen. „Die Kursentwicklung bei Zalando und Rocket Internet bringt uns nicht vor unseren Plänen ab“, sagte Tele-Columbus-Finanzvorstand Frank Posnanski der Nachrichtenagentur Reuters.

Womöglich werde es nun für junge Unternehmen schwerer, die Börse zur Finanzierung des Wachstums anzuzapfen. „Aber das Geschäftsmodell und die Märkte, auf denen wir aktiv sind, lassen sich mit diesen Fällen überhaupt nicht vergleichen.“

Die Aktien des Online-Händlers Zalando und der Internet-Holding Rocket sind seit den vielbeachteten Börsengängen in der vergangenen Woche jeweils um rund 20 Prozent abgestürzt. Banker glauben, dass Tele Columbus davon nicht ganz unberührt bleiben wird: „Natürlich werden Investoren nach den Flops genauer auf die Bewertung schauen und einen etwas konservativeren Ansatz fordern“, sagte ein in die Vorbereitungen involvierter Banker. Auch der Internet-Marktplatzbetreiber Scout24 (AutoScout, ImmobilienScout) will seine Börsenpläne ungeachtet der Turbulenzen um Zalando Finanzkreisen zufolge noch in dieser Woche offiziell machen.

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Die Erstnotiz von Tele Columbus wird noch für diesen Monat erwartet. Einen Verkauf in letzter Minute schließt Tele Columbus aus: „Unser Weg führt ganz klar Richtung Börse. Um es deutlich zu sagen: Auf uns ist in letzter Zeit niemand zugekommen, und wir führen keine Gespräche über einen möglichen Verkauf“, sagte Posnanski. Die Deutsche Telekom hatte abgewinkt.

Tele Columbus selbst will 300 Millionen Euro an der Börse einsammeln, die vornehmlich zum Abbau der Schuldenlast von rund 550 Millionen Euro verwendet werden sollen. Doch der Börsengang soll insgesamt größer ausfallen, wie Posnanski andeutet. „Es ist davon auszugehen, dass auch unsere bisherigen Eigentümer beim Börsengang Anteile abgeben werden.“

Damit könnten mehr als die Hälfte von Tele Columbus in Streubesitz kommen. Große Investoren verschmähen oft Emissionen mit einem Volumen von weniger als 500 Millionen Euro, weil sie eine zu geringe Liquidität im Aktienhandel fürchten.

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