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02.01.2005

06:47 Uhr

Kann Geld irren?

Spekulanten erwarten eine Aufwertung des Renminbis

VonMarkus Gärtner (Handelsblatt)

Die Spekulationen um eine baldige Aufwertung von Chinas Renminbi reißen nicht ab. Bis Ende des Jahres werden Schätzungen zufolge 200 Milliarden Dollar „heißes Geld“ ins Reich der Mitte geströmt sein, meist in den bedenklich aufgeblähten Immobilienmarkt. Die Renminbi-Spekulanten wollen nach der erwarteten Aufwertung Kasse machen und satte Währungsgewinne aus dem Land mitnehmen.

HB VANCOUVER. 200 Milliarden Dollar – das sind 35 Prozent der Devisenreserven Chinas und ein Sechstel des Bruttoinlandsprodukts. So viel Geld kann doch eigentlich gar nicht irren. „Kann es doch“, entgegnen fast schon stur viele China-Kenner in den renommierten Investmentbanken, die jeden Tag aus ihren Büros in den glitzernden Bürotürmen Hongkongs nach Norden auf das chinesische Festland schauen. „China wird nicht aufwerten“, sagt Stephen Jen bei Morgan Stanley und spricht damit aus, was viele in seiner Zunft denken. Bestätigt wird diese Meinung auch durch Chinas Premierminister Wen Jiabao: „Je mehr Spekulation es um den Renminbi gibt, desto unwahrscheinlicher wird es, dass ein Schritt kommt“, sagte Wen Anfang Dezember in Laos und äußerte sich damit so gezielt zur heimischen Währung wie nie zuvor.

Was aber sagen die Fakten? Erstens befindet sich der US-Dollar auf Talfahrt. Das erleichtert der US-amerikanischen Unternehmen den Export ihrer Produkte und nimmt indirekt Druck vom Renminbi. Zweitens ist die Inflation in China im November deutlich zurückgegangen und sorgt so für Entspannung an Chinas Zins- und Währungsfront. Und dass ein chinesischer Notenbanker – wie vor zwei Wochen geschehen – der US-Administration öffentlich empfiehlt, erst einmal den Greenback zu stabilisieren, zeugt vom wachsenden Selbstbewusstsein in der Volksrepublik. Hätte ein Mitglied der US-Administration das zu den Chinesen gesagt, hätten die Zeter und Mordio geschrien, über die rüde Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten. Das zeigt, wo China steht. Jedenfalls nicht mit dem Rücken zur Wand.

Für Chinas Nachbarländer in Asien ist das zunächst einmal eine gute Kunde. Denn eine Aufwertung in China würde sie ebenfalls unter Zugzwang setzen. Ohnehin stehen die asiatischen Staaten unter Druck aus Europa und den USA, durch eine Aufwertung ihrer Währungen beim Abbau des krassen US-Handelsdefizits mitzuhelfen.

Zu sicher sollten sich die Nachbarn Chinas aber nicht in Sicherheit wiegen, denn lange kann die Führung der Volksrepublik mit der versprochenen Lockerung des Wechselkursregimes nicht mehr warten. Ohne einen flexibleren Renminbi kann der Außenhandel des Landes auf Dauer nicht so dynamisch weiter wachsen wie bisher. Das weiß man in Peking. Dort weiß man aber auch, dass man die Märkte mit einer Aufwertung überraschen muss, wenn diese eine Wirkung erzielen soll.

Bester Termin für einen solchen Schritt wäre der Mai 2005. Zumindest ist dieser Termin der statistische zeitliche Schnitt aller Vorhersagen von Analysten, die eine Maßnahme in Peking 2005 erwarten. Eine glatte Aufwertung des Renminbi wird jedoch nicht kommen. Allenfalls wird die Regierung die Landeswährung anders koppeln als bisher – nämlich an einen Korb von Währungen wichtiger Handelspartner statt an den US-Dollar. Zudem wird wohl ein schmales Band definiert werden, in welchem der Renminbi künftig schwanken darf. Das haben Offizielle in jüngster Zeit mehrfach angedeutet – zuletzt der zweite Mann im Volkskongress, Cheng Siwei.

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