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28.10.2014

12:23 Uhr

Kapitalabflüsse

Schwacher Euro vertreibt Investoren

Investoren ziehen eine rekordhohe Summe aus der Euro-Zone ab. Das ist der Preis für den schwachen Euro und die Geldpolitik der EZB. Experten mahnen, dass die Zentralbank einen Ausverkauf riskiert.

Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: Hoher Kapitalabfluss. dpa

Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: Hoher Kapitalabfluss.

FrankfurtInvestoren haben in den sechs Monaten bis Ende August eine rekordhohe Summe aus festverzinslichen Anlagen im Euro-Raum abgezogen. Die Kapitalabflüsse bis Ende August beliefen sich auf insgesamt 187,7 Milliarden Euro – ein Volumen, das seit der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung 1999 noch nie verzeichnet wurde.

Im selben Zeitraum ist der Euro deutlich gefallen. In diesem Jahr hat die Gemeinschaftswährung bereits 7,5 Prozent gegenüber dem Dollar verloren und lag am Dienstag bei 1,2695 Dollar.

Für Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, kann ein schwächerer Euro helfen, die Konjunktur in der Region anzuschieben und die Deflation abzuwenden, weil die Exporte wettbewerbsfähiger werden. Strategen warnen allerdings vor der Gefahr, dass die Volkswirtschaft des Euro-Raums untergraben werden könnte, wenn die Euro-Abflüsse zu stark werden.

„Die Nachfrage ausländischer und inländischer Investoren ist gleichermaßen negativ gewesen, und mit Blick voraus werden das signifikante Faktoren sein, um den Euro schwächen“, sagte Phyllis Papadavid, leitende globale Währungsstrategin bei BNP Paribas in London. Der Euro werde eine der schwächsten Entwicklungen unter den G10-Staaten aufweisen.

So kann die EZB den Euro drücken

Verbale Intervention

Die einfachste Möglichkeit um den Euro zu schwächen, sind Worte. Wenn Draghi spricht, hat das durchaus Gewicht. Zeigt er sich besorgt über den starken Euro, reagiert der Wechselkurs sofort. Allerdings ist die Frage, ob den Worten nicht irgendwann Taten folgen müssen, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.

Devisenmarktintervention

Die EZB kann auch direkt am Devisenmarkt intervenieren. Sie kann ihre Währungsreserven nutzen und zum Beispiel US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen kaufen. Früher waren Interventionen am Devisenmarkt durchaus üblich. Allerdings haben sie häufig nicht viel gebracht.

Wobei die EZB zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den Währungsmärkten eingriff. In einer gemeinsamen Aktion kauften EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Zielmarken

Die EZB könnte auch ein Wechselkursziel definieren. Ähnliches hat die  Schweizer Notenbank in der Euro-Krise gemacht. Sie legte sich fest: Für einen Euro dürfe nicht weniger als 1,20 Franken gezahlt werden. Der Vorteil eines Zielkorridors liegt darin, dass manchmal allein die Ankündigung ausreicht, um das Ziel zu erreichen. Eine Intervention ist gar nicht zwingend nötig.

Zinssenkung

Das klassische Mittel der Notenbanken ist der Leitzins. Wenn die EZB ihn senkt, steigt die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen. Anlagen außerhalb des Euroraumes werden dadurch attraktiver. Dadurch steigt die Nachfrage nach anderen Währungen wie etwa dem US-Dollar und deren Wechselkurs steigt.

Negativer Einlagenzins

Die EZB verlangt von Banken, die ihr Geld über Nacht bei der EZB parken, eine Strafgebühr. Einerseits will sie die Banken damit zur Kreditvergabe anregen. Andererseits kann das auch dazu führen, dass ein Teil der Guthaben in andere  Währungsräume fließt.

Anleihekäufe

Durch großangelegte Anleihekäufe kann die EZB die Geldmenge im Euroraum erhöhen und die langfristigen Zinsen senken. Dadurch steigt tendenziell die Nachfrage nach anderen Währungen wie dem US-Dollar.

Kapitalverkehrskontrollen

In der Euro-Zone stehen sie nicht zur Debatte. Dennoch sind Kapitalverkehrskontrollen ein mächtiges Mittel, um den Wechselkurs zu beeinflussen. Durch Steuern auf Kapitalimporte oder Exporte und durch Beschränkungen für Kapitaltransfers lässt sich der Kapitalverkehr ins Ausland beschränken.

BNP Paribas sieht die Entwicklung für den Euro pessimistischer als andere Auguren und sagt einen Rutsch um 7,1 Prozent auf 1,18 Dollar bis Ende 2015 voraus. Der Medianwert in Prognosen, die Bloomberg zusammengestellt hat, liegt bei 1,20 Dollar.

Mario Draghi steuerte die Flucht aus Euro-Raum-Anleihen mit Maßnahmen wie Zinssenkungen, die dazu beitrugen die Renditen der Staatsanleihen von Deutschland bis Spanien auf Allzeittiefs zu drücken. Er ermutigte Investoren, auf ausländische Anlagen umzusteigen mit seinem Plan, die Bilanzsumme der EZB um eine Billion Euro auszuweiten und durch die Einführung von negativen Zinsen auf Einlagen von Banken bei der Zentralbank.

Zur Vorsicht mahnt Neil Jones, Leiter Hedge-Fund Sales bei der Mizuho Bank: „Zurzeit gibt es den Vorteil einer schwächeren Währung. Aber wenn die Abflüsse anhalten, kann es zu einem Problem werden, wenn es zu einem kleinen Ausverkauf kommt.“

Kommentare (3)

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Herr Uwe Reissner

28.10.2014, 12:54 Uhr

Zitat: Schwacher Euro vertreibt Investoren...

Komische Schlussfolgerung. Zum Glück haben die Chinesen keine Ahnung von Wirtschaft. ^^

Herr Louis Stringaro

28.10.2014, 13:13 Uhr

Schwacher EURO?.. Bei seiner Einführung wurde sein Wert auf 1.17 USD festgesetzt. Heute ist er immerhin 1.27 USD, also noch 8.5% überbewertet.

Account gelöscht!

28.10.2014, 13:41 Uhr

Nicht der Schwache Euro vertreibt die Investoren aus Europa, sondern diese Grün-Sozialistischen Willkür Rahmenbedingung die mit dem EEG, der Kernkraft-Enteigung und dem unsicheren Strom-Staatsmarkt zusammenhängen. Desweitern kommen immer mehr CO2 Reduzierungsauflagen auf Investoren zu, dass diese sich komplett aus dem Grünen und Sozialistischen EU-Deutschland zurück ziehen und lieber wieder in den USA, China und anderen Ländern dieser Welt investieren.

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