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04.05.2014

22:33 Uhr

Kapitalmarkt

Portugal will Rettungsschirm ohne Hintertür verlassen

Seit 2011 ist Portugal unter dem Euro-Rettungsschirm. In diesem Monat will sich das Land wieder selbst finanzieren – ohne Übergangshilfen. Die Troika mahnt, dass eine solide Finanzpolitik auch weiterhin wichtig ist.

Euro-Krise

Portugal verlässt Euro-Rettungsschirm

Euro-Krise: Portugal verlässt Euro-Rettungsschirm

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LissabonPortugal will den Euro-Rettungsschirm in diesem Monat ohne Netz und doppelten Boden verlassen. Das Euro-Krisenland Portugal wird keine Übergangshilfen beantragen, wenn es aus dem EU-Rettungsprogramm aussteigt Die Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho beschloss am Sonntag in Lissabon, nach dem Auslaufen der internationalen Finanzhilfen am 17. Mai keinen Kreditrahmen für den Notfall zu beantragen. Portugal entschied sich ebenso wie Dublin für einen „sauberen Ausstieg“ aus dem Hilfsprogramm.

Portugal ist nach Irland und Spanien das dritte Land der Euro-Zone, das den EU-Rettungsschirm verlässt. „Wir haben diesen Entschluss gefasst, weil unsere Strategie der Rückkehr auf die Finanzmärkte gut aufgenommen wurde, weil wir enorme Fortschritte bei der Sanierung des Staatshaushalts erzielt und unsere Glaubwürdigkeit zurückgewonnen haben“, sagte der Regierungschef:

Durch ein scharfes Sparprogramm der Regierung, das der der Bevölkerung viele Entbehrungen abverlangte, haben Investoren inzwischen wieder Vertrauen in Portugal. Damit kann sich das Land zu verkraftbaren Zinsen direkt am Kapitalmarkt finanzieren.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) begrüßte die Entscheidung. „Der angekündigte Abschluss des Programms zeigt erneut, dass unser gemeinsam in der Eurozone eingeschlagene Weg der richtige ist“, betonte der Minister nach Angaben seines Ministeriums. „Portugal hat die letzten drei Jahre gut genutzt und umfangreiche Reformen umgesetzt.“

Die Chefin des Weltwährungsfonds (IWF), Christine Lagarde, erklärte: „Portugal ist nun in einer starken Position, die Konsolidierung seiner Staatsfinanzen zu vollenden und Strukturreformen zu vertiefen.“

Portugal hatte erwogen, nach der Beendigung des Hilfsprogramms am 17. Mai die internationalen Geldgeber um einen Kreditrahmen zu bitten, den Lissabon im Prinzip nicht in Anspruch nehmen wollte. Er hätte dem Land aber auf den Finanzmärkten den Rücken stärken sollen. Von diesem Vorhaben rückte die Regierung nun ab.

Die Euro-Partner und der IWF hatten das Krisenland 2011 mit Kredithilfen von insgesamt 78 Milliarden Euro vor dem drohenden Staatsbankrott bewahrt. Lissabon will nach dem planmäßigen Auslaufen des Programms Mitte des Monats finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen. Die Finanzminister der Eurozone wollen bei ihrem Treffen an diesem Montag in Brüssel über das auslaufende Rettungsprogramm Portugals beraten.

Die obersten Kassenhüter der 18 Euroländer werden auch über die Lage in Griechenland sprechen. Griechenland war das erste Land, das mit internationalen Finanzspritzen vor der Pleite gerettet werden musste. Das krisengeschüttelte Land erzielte im vergangenen Jahr erstmals seit langem einen Haushaltsüberschuss.

Portugal hatte zwei Wochen vor dem Verlassen des Euro-Rettungsschirms einen letzten Kontrollbesuch der Geldgeber bestanden. Die Vertreter der „Troika“ von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF segneten am Freitag die Sanierungsbemühungen des Landes erneut ab. In einem Kommuniqué würdigten sie die erzielten Fortschritte. Allerdings wies die Troika auch auf anhaltende Risiken wie die schwierigen Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft hin und mahnte, eine solide Finanzpolitik bleibe auch nach Auslaufen des Hilfsprogramms wichtig.

Kommentare (4)

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05.05.2014, 08:53 Uhr

Warten wir auf die Nachrichten nach der Europawahl.

Account gelöscht!

05.05.2014, 09:45 Uhr

Hallo, ich schreibe gerade an meiner Bachelor-Arbeit, in der ich den deutschen Kapitalmarkt aus Sicht der Privatanleger untersuche. Deshalb führe ich empirische Untersuchungen mittels eines kurzen Formulars durch, dass nur aus 7 Fragen besteht. Bin jedem "Freiwilligem" dankbar =)

Hier geht es zum kurzen Formular
http://goo.gl/IGwAZF

Alle Angaben sind anonym und können auch auf KEINE IP zurückverfolgt werden.

Account gelöscht!

05.05.2014, 10:31 Uhr

"Durch ein scharfes Sparprogramm der Regierung, das der der Bevölkerung viele Entbehrungen abverlangte, haben Investoren inzwischen wieder Vertrauen in Portugal. Damit kann sich das Land zu verkraftbaren Zinsen direkt am Kapitalmarkt finanzieren."
Erlauben Sie, dass ich schmunzeln muss.
Nur dadurch, dass EZB-Draghi die Anleihen garantiert ("whatever it takes"), kaufen die Banken risikolos die Staatsanleihen der Krisenländer, allerdings zu Zinsen, die immer noch über den deutschen liegen. Zudem müssen die Banken aus politisch motivierten Gründen keinerlei Eigenkapital für Staatsanleihen vorhalten.
Mit "Vertrauen" hat das rein gar nichts zu tun.

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