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23.04.2014

14:33 Uhr

Kapitalmarkt

Portugals Anleihen bringen 750 Millionen ein

Die erste Ausgabe portugiesischer Anleihen seit drei Jahren bringt dem krisengebeutelten Staat 750 Millionen Euro ein. Die Zinsen liegen bei 3,575 Prozent und sind damit so niedrig wie zuletzt 2006.

EU-Sorgenkind Portugal ist mit einer langjährigen Staatsanleihe wieder zurück an den Märkten. Portugiesische Anleihen sind derzeit hoch gefragt. dpa

EU-Sorgenkind Portugal ist mit einer langjährigen Staatsanleihe wieder zurück an den Märkten. Portugiesische Anleihen sind derzeit hoch gefragt.

Lissabon/Frankfurt am MainAm Finanzmarkt wächst das Vertrauen in die Euro-Krisenstaaten: Nach Irland und Griechenland glückte am Mittwoch auch Portugal ein erfolgreiches Comeback. Die Regierung in Lissabon stieß bei ihrer ersten Anleihen-Emission seit drei Jahren auf reges Interesse bei Investoren. Nach Jahren am Tropf internationaler Hilfen hat Portugal am Mittwoch erstmals wieder Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit ausgegeben - und das mit großem Erfolg. Die Auktion des Bonds mit zehnjähriger Laufzeit spülte 750 Millionen Euro in die Staatskasse .Die Nachfrage übertraf das Angebot bei Weitem, der Zins pendelte sich bei vergleichsweise sehr niedrigen 3,575 Prozent ein.

Die Auktion gilt als wichtiger Schritt hin zum Abschied des Landes vom internationalen Hilfsprogramm, der für Mitte Mai geplant ist. Portugal ist seit April 2011 auf finanzielle Unterstützung der EU und des Internationalen Währungsfonds angewiesen und muss im Gegenzug harte Sparauflagen erfüllen

Die Regierung hatte bei der Auktion am Mittwoch eine Summe zwischen 500 und 750 Millionen Euro angepeilt. Die Nachfrage sei 3,5 Mal so hoch gewesen wie das Angebot, teilte die portugiesische Schuldenverwaltung mit. Die Zinsen, die der Staat den Geldgebern zahlen muss, seien so niedrig wie zuletzt 2006, sagte Filipe Silva von der Banco Carregosa. Am überraschendsten sei, dass die nun erreichte Zinshöhe unter den 3,6 Prozent liege, zu denen die Anleihen zuletzt am Sekundärmarkt gehandelt worden waren.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Es war ein wichtiger Test, ob sich das Land auch nach dem Ende des internationalen Kreditprogramms selbst am Markt finanzieren kann. Die Hilfen der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) laufen am 17. Mai aus. „Das Ergebnis zeigt, dass Portugal wahrscheinlich auf eigenen Füßen wird stehen können“, sagte Nicholas Spiro von der Beratungsfirma Spiro Sovereign Strategy Consultants. „Und das ist eine Riesen-Überraschung, wenn man bedenkt, wie es Portugal vor nur zehn Monaten ging.“ Die internationalen Geldgeber hatten dem Land 2011 Finanzhilfen von 78 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Zuletzt hatte Irland den Rettungsschirm verlassen und war mit der Emission einer Zehn-Jahres-Anleihe erfolgreich an den Finanzmarkt zurückgekehrt. Auch Griechenland verkaufte im April wieder eine fünfjährige Anleihe und konnte Investoren ködern. Allerdings musste die Regierung in Athen, die immer noch am Finanztropf der Euro-Partner und des IWF hängt, Anlegern mit 4,75 Prozent eine deutlich höhere Rendite bieten.

Spanien setzt derweil darauf, dass es sich 2014 wegen unerwartet hoher Steuereinnahmen und sinkender Finanzierungskosten nicht mehr so viel Geld am Finanzmarkt leihen muss wie geplant. Die Summe werde deutlich niedriger ausfallen als die eigentlich angepeilten 65 Milliarden Euro, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos in Madrid. Details dazu dürfte es kommende Woche geben, wenn Spanien seine Haushaltspläne für die nächsten drei Jahre der EU vorstellt.

Kommentare (2)

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23.04.2014, 16:48 Uhr

"Die Zinsen liegen bei 3,575 Prozent und sind damit so niedrig wie zuletzt 2006." Anmerkung am Rande,der Leitzins lag Anfang 06,auf das sich der Vergleich bezieht, bei 2,25% -heute bei nur noch 0,25%.Das sollte erwähnt werden,ansonsten vergleicht man Äpfel mit Birnen,oder Hundert Meter Zeiten,mit denen aus einem 60 Meter Lauf.Beides wäre unseriös.

Account gelöscht!

25.04.2014, 09:08 Uhr

Da sich die meisten Wähler für Finanzen nicht interessieren, sind die "erfolgreichen" Anleihe-emissionen von Griechenland und Portugal nichts anderes als Wahlpropagandaktionen der Euro-Finanzdiktatoren: Die ahnungslosen Wähler schließen daraus, daß mit den Euro-Finanzen alles in bester Ordnung ist. In Wirklichkeit handelt es sich um indirekte Staatsfinanzierung durch die europ. Zentralbank und damit durch die europäischen Steuerzahler, vor allem der deutschen Steuerzerzahler(die verfassungswidrig ist).
Der Gipfel der Finanzpropaganda zu den Europawahlen am 25.5.2014 ist die Erfolgsmeldung, daß Griechenland jetzt "primäre" Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet, die dafür ausreichen, die bestehenden und aufgenommenen Schulden zu bedienen. Wahrscheinlich sind nur die (nicht marktgerechten) Schuldzinsen gemeint, da die Schuldentilgungen ja auf lange Frist hinausgeschoben sind(bis zum Sankt Nimmerleinstag). Wie hoch ist das Haushaltsdefizit, wenn man die anderen Staatsausgaben berücksichtigt, z.B. die Personalkosten und die Kosten für den Regierungsapparat? Die werden aus den neuen Finanzspritzen der EU(Rettungsfonds) bestritten. Man stelle sich vor, wie der Kreditantrag einer Privatperson bei einer Bank beschieden wird, wenn die Privatperson zwar nachweisen kann, daß sie den Kapitaldienst für den Kredit aus verfügbarem Einkommen bestreiten kann, für die Bestreitung der anderen Haushaltsausgaben jedoch auf eine Kreditfinanzierung angewiesen ist, weil kein zusätzliches verfügbares Einkommen(Überschuß) vorhanden ist. Der Kreditantragsteller wird von der Bank wahrscheinlich mit der Bemerkung abgewiesen: Haben Sie nicht alle Tassen im Schrank?

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