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07.02.2005

07:00 Uhr

Kapitalspritze ist kein Grund, Mitsubishi-Titel zu kaufen

Fehlende Strategie

VonNicole Bastian

Eigentlich war es als frohe Botschaft gedacht: Mit umgerechnet vier Mrd. Euro rettet die japanische Mitsubishi-Gruppe den angeschlagenen Autobauer Mitsubishi Motors (MMC) noch einmal vor dem Aus. Doch die Aktie beflügelte diese Nachricht in der vergangenen Woche nicht. Im Gegenteil: Seit Tagen fällt der Kurs. Kein Wunder, angesichts der langfristigen Lasten.

TOKIO. Da ist zum einen der jüngste Sanierungsplan für den verschuldeten und weiter defizitär arbeitenden Autobauer, an dem bis vor einem Jahr noch Daimler-Chrysler den größten Anteil hielt. Überzeugen konnte der Plan niemanden so recht. Was ist die Strategie des Unternehmens – außer irgendwann wieder Gewinne zu machen? Die Kosten sollen nicht weiter als zuvor geplant gedrückt werden. Gewinne sollen vor allem in China und Südostasien gemacht werden – obwohl die Preise in China derzeit arg unter Druck geraten. Lieferverträge mit Nissan und PSA, wie am Freitag verkündet, sind gut und schön, doch andererseits sehen die Experten die Kooperation von MMC und Smart in Zukunft gefährdet. Was passiert, wenn sich die Verkäufe in den USA und Japan angesichts des tiefen Imageschadens nach den vertuschten Qualitätsfehlern nicht wie erhofft erholen? Was geschient, wenn die Banken auf Rückzahlung der immer noch hohen Schulden drängen? Und was wird getan, wenn das Geld für die Entwicklung neuer Modelle wieder einmal nicht reicht? Am Ende ließ das neue Management mehr Fragen offen als es Antworten gab. Das Urteil von Ratingagenturen und Investmentbanken: Kurzzeitig ist MMC auf dem Trockenen, langfristig noch lange nicht.

Die japanische Ratingagentur R & I überprüft, ob sie ihre Bonitätseinschätzung weiter senken soll. Die Investmentbank BNP Paribas sieht als wahrscheinlichstes Zukunftsszenario eine erneute Milliardenrettung von MMC in ein bis zwei Jahren. Am zweitwahrscheinlichsten sei, dass Maschinenbauer Mitsubishi Heavy den Autobauer einfach schluckt, wenn die nächste Rettung nötig wird. Und die Investmentbank Nikko Citigroup warnt ausdrücklich, den Kauf von MMC-Anleihen auch nur zu erwägen. MMC hat demnach angedeutet, Bonds für 50 Mrd. Yen in Auslandsmärkten auszugeben, wenn sich die Geschäftslage stabilisiert habe.

Gute Aussichten klingen anders. Zugute halten kann man MMC, dass die Gefahr gering ist, dass die Mitsubishi-Gruppe den Autobauer fallen lässt, denn dann verlöre sie ihr Gesicht. Doch wenn sie erneut das Kapital erhöhen muss, würde das die Anteile weiter verwässern.

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