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31.05.2013

14:22 Uhr

Karibik-Anleihen

Palmen, Traumstrände und Berge von Schulden

Die Verschuldung in einigen Ländern der Karibik erreicht zyprische Dimensionen. Experten sprechen von einer „Region der Serien-Säumigen“. Für Investoren ist der Anleihemarkt ein Glücksspiel – mit traumhaften Renditen.

Karibikidyll: Gestrandet auf der Schuldeninsel. dpa

Karibikidyll: Gestrandet auf der Schuldeninsel.

New YorkDrei Anleihe-Restrukturierungen mit einem Volumen von insgesamt rund 9,7 Milliarden Dollar gab es dieses Jahr bereits in der Karibik. Sie schafften es jedoch nicht, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Das zeigt eine Studie von Moody's. Weitere Zahlungsausfälle lassen sich nach Ansicht der Bonitätswächter wohl nicht vermeiden.

Die Umstrukturierungen dieses Jahres sind nicht weit genug gegangen, um den „nicht aufrechtzuerhaltenden“ Mix aus Defiziten und Verschuldung in der Karibik zu beheben, urteilt auch Warren Smith, Chef der Caribbean Development Bank.

Allein Jamaika und Belize hatten dieses Jahr bereits zum zweiten Mal seit 2006 Restrukturierungen über rund 9,5 Milliarden Dollar durchgeführt. Es besteht laut Moody's eine recht „hohe Wahrscheinlichkeit“ dafür, dass sie ihren Verpflichtungen erneut nicht nachkommen werden können.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Moody's rechnet unter den karibischen Inseln lediglich im Fall der Bahamas für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum oberhalb von 1,5 Prozent. Doch ohne ein schnelleres Wachstum könnten Zahlungsausfälle zur Normalität werden – weil es den Regierungen leichter fällt, ihre Anleihen nicht mehr zu bedienen statt die Ausgaben zu stutzen. Davor warnt Professor Arturo Porzecanski von der American University in Washington.

„Bei diesen Ländern ist ein zunehmender Widerwille zu beobachten, wenn es um die Bezahlung geht“, sagt Porzecanski. „Es könnte sein, dass wir gerade die Geburt einer Region von Serien-Säumigen erleben.“

Die durchschnittliche Verschuldung eines karibischen Landes in Relation zur Größe der Volkswirtschaft liegt bei 70 Prozent – wobei Jamaika, Antigua & Barbuda und Grenada sogar oberhalb der Marke von 93 Prozent liegen, bei der Zypern zu einem Hilfspaket gezwungen war. Das zeigen Daten von Moody's und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Im Fall von Jamaika war im vergangenen Jahr das Verhältnis von Verschuldung zu Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 140 Prozent nach oben geschnellt.

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